Zu Gast im „Landhaus“
27. Mai 2010
[mapsmarker layer=“27″] 23. bis 27. Mai 2010, von Samaipata zum Salar de Uyuni, Km 18218 bis 19226 unserer Reise
Dass es in Samaipata einige deutsche Familien geben soll, hatten wir schon gehört, nun finden wir sogar Unterkunft bei einer. Unser Reiseführer führt uns zum „Landhaus“, wo es auf einem liebevoll angelegten Grundstück Zimmer und Appartements gibt. Auch unser Wäscheproblem nimmt man uns hier ab. Wir haben schon in Vallegrande eine Wäscherei gesucht, dort gab es jedoch nicht nur keinen Geldautomaten sondern auch keinen Waschsalon – zumindest keine Waschmaschinen, sondern nur Handwäsche, und da hätten wir unsere schmutzstarrenden Motorradsachen niemals sauber bekommen, man erinnere sich an die Schlammschlacht vor zwei Tagen (außerdem war uns die Vorstellung peinlich, dass eine Bolivianerin irgendwo per Hand unsere Unterhosen schrubbt). Jetzt wird unsere Wäsche vermutlich zum ersten Mal seit Monaten wieder mit heißem Wasser gewaschen, auch das ist in Südamerika nämlich völlig unüblich, und man versuche mal Kettenfett und Motoröl mit kaltem Wasser auszuwaschen – der Versuch ist von vornherein zum Scheitern verurteilt!
Außerdem gibt es im Landhaus einen netten Fernsehraum, in dem man sich DVDs ansehen und ausleihen kann – endlich mal wieder deutschsprachiges Filmprogramm, die Abendunterhaltung steht damit fest.
Was allerdings in Samaipata dennoch fehlt, ist eine WiFi-Internetverbindung. Zum ersten Mal auf unserer Reise müssen wir zum Aktualisieren unserer Webseite auf ein Internetcafé zurückgreifen, sonst haben wir immer ein Hostal oder ein Café gefunden, in dem man WiFi-Netz nutzen konnte. Dass wir plötzlich mit dem USB-Stick im Internetcafé sitzen ist so ungewohnt für uns, dass wir leider prompt anschließend unseren USB-Stick dort liegen lassen. Diese Schusseligkeit wird sofort bestraft, obwohl wir es sofort bemerkt haben und keine halbe Stunde später dort noch einmal auf der Matte standen, war der Stick schon weg. Wir verbuchen den Verlust unter „Entwicklungshilfe“ und ärgern uns, dass wir das Teil zum ersten Mal auf unserer Reise überhaupt brauchten und sofort verlieren.
Am nächsten Morgen werden wir mit einem leckeren Frühstück verwöhnt. Im Gegensatz zum typisch südamerikanischen Frühstück aus Brötchen mit etwas Marmelade gibt es diesmal Müsli mit Früchten, Rührei, Wurst und Käse. Und als wären wir davon nicht schon pappsatt, spendiert der Wirt noch ein Stückchen hausgemachten Apfelstrudel. Mmmmh, wo müssen wir für die Verlängerung unterschreiben? Wir lassen Mutti und Schwesterherz mal alleine durch Peru tingeln, wir bleiben noch ein bisschen hier. Nein, Scherz beiseite, so gemein sind wir nicht, deshalb schauen wir uns heute noch die alte Ruinenfestung von Samaipata an und reisen am folgenden Tag ab, wieder zurück in den westlichen Teil Boliviens, zum Altiplano und dem berühmten Salar de Uyuni.
Ein Problem gilt es allerdings noch zu lösen – das der Bargeldbeschaffung. Frank verliert nämlich seine Wette gegen Andrea, denn auch in Samaipata gibt es keine Bank und keinen Geldautomaten. Für den Anfang tauscht uns der Inhaber des Landhauses ein paar Dollars in bolivianische Währung. Wie schlecht es dem Euro Dank des Griechenland-Desasters derzeit geht, sieht man daran, dass nicht mal unser deutscher Wirt unsere Euros tauschen mag, sondern nur US-Dollar nimmt (Danke, Griechenland!). Für unsere Weiterreise wollen wir aber noch ein bisschen mehr Bolivianos in der Tasche haben. Die einzige Möglichkeit ist hier, sich das bei einer landwirtschaftlichen Kooperative auszahlen zu lassen, eine Institution, wo Bauern Kredite aufnehmen können. Wir sitzen also zwischen ein paar Indio-Frauen im Büro der Kooperative um von unserer Kreditkarte Geld abheben zu können. Die Frau am Schalter füllt mindestens eine halbe Stunde lang Formulare aus und wir zahlen horrende 5% Provision auf den abgehobenen Geldbetrag. Merken: In Bolivien gibts nur in den paar wenigen Großstädten Geldautomaten, da füllt man sich besser die Taschen, obwohl wir eigentlich immer ungern zuviel Bargeld mit uns herumtragen. Was man nicht bei sich hat, kann schließlich nicht gestohlen werden, oder?
25. Mai – Unsere Reisepläne werden kurzfristig fast vereitelt, als Frank im Garten des Landhauses zufällig über eine Schildkröte stolpert. Das Motorrad steht bereits beladen vor der Tür und wir wollten uns eigentlich nur noch kurz von den Besitzern verabschieden, als Frank ein besonders lebhafter Stein auffällt. Andrea freut sich, dass sie seit Monaten endlich mal wieder eine Schildkröte zu Gesicht bekommt, denn die eigenen vier Gepanzerten zuhause werden bereits heiß und innig vermisst. Nun ist sie ganz hingerissen und versucht sich gleich mit der Landhaus-Schildkröte anzufreunden. Schade, dass wir sie erst jetzt entdeckt haben, sonst hätte Andrea wohl die letzten beiden Tage hier im Garten verbracht und der Schildkröte mit lauter Streicheleinheiten eine Panzerpolitur verpasst. Aber es hilft ja nichts, wir müssen weiter, in drei Tagesetappen wollen wir den Salar de Uyuni erreichen…
Unsere heutige Etappe soll uns bis kurz vor Cochabamba führen. Die Straße windet sich mal wieder einen langen Bergpass hinauf, direkt in die Wolken hinein. Von einem Meter auf den anderen wird die zuvor staubigtrockene Straße nass, matschig und voller Pfützen. Die Sicht ist schlecht, wir fahren in einer Wolkenwand. Innerhalb kurzer Zeit tropft uns das Wasser von den Visiren und eine Schlammschicht hat unser Motorrad und unser Gepäck bedeckt. Wofür hatten wir nochmal in mühseliger Putzarbeit in Samaipata alle Taschen geschrubbt?
Glücklicherweise fängt nach dem Pass aber bald wieder Asphaltstraße an, man merkt, dass wir uns dem Ballungsraum Cochabamba/La Paz nähern, denn die Straßen werden mit jedem Kilometer besser. So stört es auch nicht, dass wir noch eine ganze Weile im Dunkeln weiterfahren müssen, auf der Suche nach einer passablen Unterkunft. In der ersten größeren Stadt finden wir nur zwei widerliche Absteigen, deren Toiletten aus Löchern im Fußboden bestehen. Dann nehmen wir lieber wieder eine Nachtfahrt auf uns, und werden belohnt: in Pinata, nur noch gut 45km östlich von Cochabamba finden wir eine saubere, gemütliche Unterkunft für nur 80 Bolivianos (ca. 9 Euro) für uns zusammen. Am nächsten Morgen gibt es sogar noch ein kleines Frühstück aufs Zimmer, obwohl es eigentlich hieß, Frühstück sei nicht inbegriffen.
Um so besser, dann können wir gleich gestärkt zu unserer 400km Etappe aufbrechen. Unser heutiger Weg ist durchgehend asphaltiert, nur so können wir diese für Bolivien höchst ungewöhnliche Distanz überhaupt schaffen. Wir müssen zwar direkt durch die Großstädte Cochabamba und Oruro hindurch fahren, denn so etwas wie Umgehungsstraßen wurden hier noch nicht erfunden. Das hält uns etwas auf, denn in dem chaotischen Stadtverkehr kommen wir nur im Schritttempo voran und andauernd schneiden uns vollgestopfte Busse und Taxis den Weg. Außerdem können wir nur raten, wo es aus den Städten wieder hinaus geht, denn Schilder sind mal wieder Mangelware. Am besten hält man sich grob an die richtige Himmelsrichtung und hofft, dass man so schnell wie möglich wieder aus dem Gewühl heraus kommt.
Zwischen Cochabamba und Oruro windet sich die Straße wieder auf rund 4000 Meter hinauf – wir sind im Altiplano. Sobald man die Hochebene erreicht hat, ist die Landschaft topfeben, es gibt keine Bäume mehr, nur ein paar trockene Sträucher. Die Nächte werden in dieser Höhe wieder eisig kalt und es pfeift ein starker Wind. Die restliche Strecke zwischen Oruro und Challapata, unserem letzten Übernachtungsort vor dem Salar de Uyuni wird deshalb recht langweilig und trist. Auch Challapata ist eine graue, reizlose Stadt, die keinen Besuch wert ist und uns nur als Zwischenstopp dient.
27. Mai – Unser Plan für heute war eigentlich, von Challapata aus bis zum großen Salzsee, dem Salar de Uyuni zu fahren, ein wenig mit dem Motorrad auf der weiten Salzebene herumzudüsen und anschließend gleich noch weiter zur Grenze nach Chile zu fahren. Natürlich kommt es anders, unsere Karte ist trügerisch: an einer Stelle, an der wir laut Karte den Salar längst schneiden müssten ist von einer Salzebene noch weit und breit nichts zu sehen. Die Piste ist so sandig, dass wir einen Sturz hinlegen. Anschließend knirscht der Sand im Visir und zwischen den Zähnen. Der einzige Vorteil von Sand ist, dass man weich fällt. Im Schneckentempo erreichen wir endlich einen Ort am nördlichen Rande des Salars, Salinas de Garci Mendoza. Inzwischen ist es so spät, dass wir die chilenische Grenze streichen können, und wir beschließen, nur noch ein Stückchen in den Salar hinein zu fahren und am ersten Ort auf dem Salzsee zu übernachten. Die Suche nach dem (angeblich) nur 8 Kilometer entfernten Ort gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht – wir finden ihn nämlich nicht (wie wir später erfahren, wären es nämlich nicht 8 sondern 40 Kilometer gewesen, soviel zum Thema zuverlässige Auskünfte). Unsere Irrfahrt führt uns schließlich wieder zurück an unseren Ausgangsort Salinas.
Auch unser Motorrad war wohl der Meinung, wir sollten dort bleiben, denn kurz vor dem Ort ging die Maschine aus und weigerte sich, wieder anzuspringen. Rollend versuchten wir soweit wie möglich zu kommen, und als es schließlich nicht mehr weiterging, standen wir nun mitten auf der Sandpiste und Frank begann mit der Fehlersuche. Benzinleitungen und Elektronik schienen in Ordnung zu sein. Letztlich stellte sich der Unterbrecher am Seitenständer als der Schuldige heraus (der Unterbrecher schaltet das Motorrad ab, wenn bei laufendem Motor und ausgeklapptem Seitenständer ein Gang eingelegt wird). Nach dieser kleinen Reparatur sind wir froh, dass wir endlich überhaupt irgendwo angekommen sind und verschieben unseren Ausflug auf den Salar auf den nächsten Tag.
Mehr Fotos von Samaipata und unserem Weg über das Altiplano…






Eure Berichte sind einfach TOLL 🙂 man fühlt sich fast dabei und erlebt mit [besonders beim Schildkröte streicheln ;-)]