Auf Plattfüßen durchs Kaffeeland

11. August 2010

2. bis 11. August 2010, von der ecuadorianischen Grenze bis nach Cartagena an der Karibikküste,
Kilometer 25056 bis 26757 unserer Reise

Kolumbien? Was machen die beiden in Kolumbien, werden sich vielleicht all diejenigen fragen, die sich an den Einleitungstext auf der Startseite erinnern, oder ausgiebig die Karte mit unserer geplanten Route studiert haben… Dieses Land war tatsächlich nicht geplant, weil auch wir uns von dem in Europa weit verbreiteten Vorurteil, Kolumbien sei ja so gefährlich, verunsichern ließen. Dann haben wir aber unterwegs immer wieder gehört, das Land sei so schön, voller netter Menschen und noch so untouristisch: „Ihr müsst da unbedingt hinfahren“! Tja, und nun sind wir hier…

Natürlich gibt es in Kolumbien immer noch Probleme mit Drogenhandel und der FARC, aber das bezieht sich auf bestimmte Provinzen des Landes, vorrangig die unwegsamen Dschungelregionen am Übergang zu Panama und die Grenzregion zu Venezuela, in denen dann natürlich auch die Polizeipräsenz stärker ist. Gegenden, in die wir nicht vorhaben, zu fahren.

Die Grenze zwischen Ecuador und Kolumbien haben wir sogar beinahe verpasst, weil es die allererste Grenze in ganz Südamerika war, an der keine Kontrollen stattfanden (soviel zum Thema Drogenschmuggel), keine Schranken, keine Zollbeamten …nichts! Wir bretterten gleich mal flott drüber, und weil auch keins der anderen Fahrzeuge um uns herum anhielt, dachten wir uns nichts dabei. Erst ein „Bienvenidos a Colombia“ Schild machte uns stutzig. Also, wieder zurück nach Ecuador, schließlich brauchen wir erst einmal einen Ausreisestempel im Pass. Dann zum zweiten Mal heute nach Kolumbien, Migrations-Office suchen, Stempelchen abholen. Wenn dann nicht das Motorrad wäre, dass auch noch seine Einfuhrdeklaration braucht…

Jetzt wird es bürokratisch: Frank muss erst einmal von allen Dokumenten (seinem Pass, seinem Führerschein, und dem Fahrzeugschein) Kopien machen lassen, nur damit die Frau im Zollbüro alle Angaben doch umständlich und in Zeitlupe aus den Originalen abtippt. Dann muss noch per Blaupause die Fahrgestellnummer vom Motorrad abgerubbelt werden. Die ist natürlich schön unter den Zusatztanks versteckt, aber Frank denkt nicht im Traum daran, zu erwähnen dass man die Tanks abnehmen kann. Rache muss sein, sollen die sich mal schön verrenken. Dafür, dass wir eigentlich einfach hätten durchfahren können, gibt es jetzt ein schönes Theater, bis wir endlich unseren Einfuhr-Wisch haben.

Als allererstes in diesem neuen Land müssen wir uns erst einmal an die neue Währung gewöhnen. Der kolumbianische Peso hat mit rund 1:2400 den höchsten Umrechnungskurs von allen süamerikanischen Währungen. Ach, wie schön einfach war das doch in Ecuador, wo einfach der US-Dollar offizielle Währung ist. In Pasto, unserem ersten Übernachtungsstopp nach der Grenze führt das erstmal zu Verwirrung beim Hotelpreis. Auf Andreas Frage nach dem Zimmerpreis, antwortet die Dame an der Rezeption einfach „30“. „30 was? US-Dollar?“ lautet Andreas verwirrte Gegegenfrage (und denkt sich, das ist aber teuer). „Nein, 30 TAUSEND Peso“ …rechen, rechen, rechen – ja, das klingt schon besser, das wären nämlich nur 12,50 Euro.

Bereits unser zweites Hotel in Kolumbien wird uns dagegen in unguter Erinnerung bleiben: Wiederum nur als Durchgangsstopp haben wir am folgenden Tag in Popayan nach einer Unterkunft gesucht, und diesmal nur mit Hilfe der Touristeninformation schließlich etwas gefunden, das sowohl preiswert ist, als auch einen Parkplatz fürs Motorrad hat. Merkwürdigerweise scheint es nämlich auch Hotels zu geben, die nur Einheimische beherbergen dürfen. Als wir uns nach Hotels durchfragten, hörten wir oft als erstes die Gegenfrage: „Für Ausländer?“

[mapsmarker marker=“71″] Der Tipp von der Touri-Info sah auf den ersten Blick gemütlich aus, klein und familiär, das Motorrad wurde kurzerhand ins Eingangszimmer bugsiert. Auf Andreas Frage nach den Zimmern hieß es, es gäbe zwei Sorten: eins für 28000 Pesos mit Privatbad, und eins für 18000 Pesos mit Bad auf dem Gang. Andrea sagt daraufhin: „gut, dann zeigen Sie mir bitte das für 18000 Pesos“. Das gezeigte Zimmer ist okay, also räumen wir unsere Sachen hinein. Als wir kurz darauf das Zimmer bezahlen wollen, heißt es plötzlich, ja DIESES Zimmer koste 20000 Pesos, weil es einen Balkon habe, das andere nebenan sei das für 18000 (das man uns überhaupt nicht gezeigt hatte). Auf Andreas Bitte nach einem Zimmer für 18000 Pesos wurden wir schließlich genau in dieses geführt. Wir reden hier zwar von einem Unterschied von nicht mal einem Euro, trotzdem finden wir das ziemlich frech, hauptsache, den Touristen noch ein bisschen mehr Geld aus dem Kreuz leiern… Am gleichen Abend wollte uns dann auch noch der Wirt in einer Kneipe übers Ohr hauen, als er das Bier in die Rechnung plötzlich teurer schrieb, als in seiner Speisekarte aufgeführt war …mal schauen, ob sie’s merken! Aber nicht mit uns!

Von solchen unangenehmen Erlebnissen lassen wir uns natürlich nicht unseren Eindruck von Kolumbien verderben. Landschaftlich ist es einfach atemberaubend. Das Hochland ist dunkelgrün und dicht bewachsen, lange Zeit führt uns die Panamericana direkt an einer tiefen Schlucht entlang. Immer wieder sehen wir Wasserfälle an den gegenüberliegenden Hängen.

Nach einigen hundert Kilometern erreicht man das Herzstück des kolumbianischen Kaffeeanbaus, die Zona „Cafetera“, in der man in der Erntesaison auf den Haciendas bei der Kaffeeproduktion zuschauen kann (die richtige Saison dafür ist allerdings im Herbst). Da es beim Kaffee momentan noch nicht so viel zu sehen gibt, entscheiden wir uns stattdessen für einen Besuch bei den Termas Santa Rosa de Cabal, eine Ansammlung von ein paar heißen Thermalpools in einem wunderschönen Park umgeben von Wasserfällen, ein echter Ort zum Relaxen. Unser Schicksal ist allerdings der Meinung, dass wir uns die Erholung erst einmal verdienen müssen, denn prompt müssen wir auf dem Weg dorthin erst einmal mit einem Platten fertig werden. Unseren letzten (und bisher ersten) Platten hatten wir in Uruguay, vor über 23000km, da wurde es wohl mal wieder Zeit. Damals hatte uns ein Nagel den Reifen durchlöchert. Diesmal steckte die Übeltäterschraube sogar noch im Reifenmantel. Blöd nur, dass uns das Teil den Schlauch so sehr zerfetzt hat, dass nicht mal das Pannenspray, das wir seitdem durch die Gegend kutschieren, noch etwas helfen konnte. Zum Glück war eine Vulkanisiererei nicht weit, die uns das Loch im Reifen flicken konnten. Einen Ersatzschlauch in der richtigen Größe hatte man in der kleinen Werkstatt jedoch nicht – jetzt können wir nur hoffen, dass der viel zu kleine Schlauch, den man uns gegeben hat, bis Medellin durchhält …dort soll es sowieso endlich neue Reifen geben!

[mapsmarker marker=“72″] Als wäre das noch nicht genug, weicht uns noch ein sintflutartiger Regenguss auf den letzten Kilometern vor den Thermen durch. Wir suchen uns erst einmal ein Zimmer, trocknen uns und unser ganzes aufgeweichtes Gepäck auf sämtlichen auffindbaren Wäscheleinen und verschieben das heiße Bad auf den nächsten Morgen, wo wir uns extra den Wecker stellen um gleich die ersten in den Pools zu sein. Am liebsten würden wir den ganzen Tag im heißen Wasser faulenzen. Wenn wir nur nicht noch weiter bis nach Medellin müssten, aber sonst kommt uns das Wochenende bei unserer Reifensuche in die Quere… Also verlassen wir schweren Herzens mittags die Thermen und schwingen uns aufs Motorrad.

Und psst… sollen wir euch was verraten: der Reifenschlauch hat gerade mal einen Tag durchgehalten. Wir sind nicht mal bis Medellin gekommen, da hatten wir schon den nächsten Platten, vermutlich dank der falschen Schlauchgröße vom gestrigen Tag. Dann ließ uns auch noch der Kompressor im Stich, der beschloß, hier und jetzt in die ewigen Jagdgründe einzutreten. Also blieb Frank nichts anderes übrig, als das Rad auszubauen, und damit 2km ins nächste Dorf zu laufen, und wieder mal einen neuen Schlauch zu kaufen. Da hatten wir in fünf Ländern gar keine Reifenpanne, und nun in Kolumbien gleich die zweite. Medellin erreichten wir dann irgendwann nach Einbruch der Dunkelheit – nur um festzustellen, dass alle, aber auch WIRKLICH ALLE Unterkünfte dieser Großstadt wegen eines Festivals ausgebucht waren, und die Leute auf Matratzen in den Hotelfluren schlafen. Das ist nicht fair, dieses Fest interessiert uns nicht die Bohne, wir wollen doch nur Reifen kaufen, dann gehen wir auch wieder… *schmoll* Dank lieber hilfreicher Menschen, dürfen wir im „Hostal Medellin“ wenigstens unser Zelt im Garten aufschlagen, Schlafplatz gesichert!

[mapsmarker marker=“73″] Am nächsten Tag kümmern wir uns dann endlich um neue Reifen, von denen es in Medellin eine riesige Auswahl zu günstigen Preisen gibt. Wegen der bevorstehen Regenzeit in Mittelamerika entscheiden wir uns nochmal für zwei grobstollige, Michelin T63 für hinten, Pirelli Scorpion für vorne, ob die Wahl richtig war, wird sich dann mit der Zeit erweisen, besser als die „Slicks“ auf denen wir zuletzt fuhren ist es allemal. Für 136 Euro für die beiden Reifen inklusive Montage kann man nicht meckern. Leider fällt dem Mechaniker bei der Reifenmontage auf, dass an unserem extra für die Reise neu angeschafften Öhlins Federbein ein Haltebolzen gebrochen ist (darf eigentlich noch nicht sein, oder?) und das Federbein völlig ohne Halt herumschlackert. Zu früh gefreut, jetzt hat Frank eine richtig unangenehme Arbeit an der Backe. Um an das Federbein zu kommen, muss er das gesamte Heck des Motorrades abbauen. Das, was schließlich nach mehreren Stunden Schrauberei noch dasteht hat nicht mehr viel mit unserem Motorrad gemeinsam. Zum Glück hat Frank ein bisschen Hilfe – Matthias, ein Deutscher aus unserem Hostal packt mit an. Trotzdem dauert es fast eineinhalb Tage bis dann der provisorische Ersatz montiert und alles wieder zusammengebaut ist (sollte es uns beunruhigen, dass Frank am Schluss eine Schraube übrigbehalten hat???).

Nach der Knochenarbeit verbringt Frank den nächsten Tag faul auf der Hostalcouch vor dem Fernseher und verlässt seinen Platz nur zum Essen und Bier holen. Dann muss es aber weitergehen. Wir haben noch drei Tagesetappen bis nach Cartagena de Indias vor uns, der Hafenstadt an der Karibikküste, wo unser Schiff nach Panama auf uns wartet …aber davon mehr im nächsten Bericht.

Wer noch mehr Fotos von Kolumbien sehen möchte…

Kommentieren ist momentan nicht möglich.

 
  • Fahrtenbuch

    32620 km

    • Unsere Reise endete nach
      352 Tagen
  • Unsere Reise endete in…

    [mapsmarker layer=“16″]

    Cancun
    Mexico