Wiedersehen mit Eduardo

24. März 2010

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Puerto Natales, Chile: -51.733300, -72.503780
Punta Arenas, Chile (2): -53.154478, -70.916476
Rio Grande, Argentinien: -53.786037, -67.700224
19.-24. März 2010 – von Rio Grande (Argentinien) auf Feuerland nach Puerto Natales (Chile)!
Von Feuerland aus führt uns der nächste große Abschnitt unserer Route entlang der Anden durch Chile und Argentinien nach Norden. Zunächst geht es also wieder mit der Fähre zurück aufs Festland. Die Fähre zwischen Porvenir und Punta Arenas fährt genau einmal am Tag, und beinahe hätten wir diese Fährabfahrt verpasst.

Von unserem letzten Übernachtungsort in Rio Grande auf Feuerland hatten wir ca. 250km Strecke bis zum Ablegeort der Fähre vor uns – inklusive einer Grenzüberquerung vom argentinischen auf den chilenischen Teil mit allen dazugehörigen Formalitäten. Wir erreichen also die Grenzstation, und weil die Blase gerade so drückt biegen wir vor dem Schalter noch schnell zur Toilette ab. Hätten wir uns besser verkniffen, denn als wir wieder heraus kamen, stand vor dem Grenzbeamten plötzlich eine komplette Busgruppe …die war doch eben noch nicht da?

Die kleine Dummheit kostete uns über ein Stunde, und als wir endlich mit allen Dokumenten und Stempeln wieder herauskamen blieben uns nur noch zwei Stunden Zeit für die letzten 150km Schotterpiste bis zur Fähre. Frank heizt wie ein Verrückter die Hügel herauf und herunter und staubbedeckt schaffen wir es tatsächlich noch, 5 Minuten vor Abfahrt am Fährsteg zu sein. Auf der Überfahrt klopfen wir uns erstmal den Staub in dicken Wolken aus der Kleidung und genehmigen uns ein Süppchen aus der Thermosflasche auf den überstandenen Streß.

In Punta Arenas gibt es dann ein Wiedersehen mit Eduardo und dem Hostal Independencia. Als wir sogar noch unser Zimmer von letzter Woche wiederbekommen, fühlen wir uns fast ein bisschen wie nach Hause zurückgekehrt, haben wir uns in der letzten Woche doch so wohl dort gefühlt. Eigentlich wollten wir in Punta Arenas auch nur einen kurzen Zwischenstopp einlegen, bevor es weiter nach Norden in den Nationalpark Torres del Paine geht. Eduardo macht uns die Abreise aber auch wirklich nicht leicht. Am zweiten Abend zaubern er und seine Frau Pamela für die Hostalgäste ein “Curanto” auf den Tisch. Curanto ist ein Spezialgericht von der chilenischen Insel Chiloé und besteht aus Muscheln, Zwiebeln, Kartoffeln, Hühnchen, Schweinefleisch und Chorizo, das bedeckt von Teigfladen übereinander geschichtet wird, und (normalerweise) etwa eine Stunde in einem Erdofen gart. Mangels Erdofen nehmen wir eben mit dem Küchenherd vorlieb und später sitzt die ganze Gästeschar einträchtig mampfend um den winzigen Küchentisch gequetscht.

Den Folgetag verbringen wir zuerst mit der Suche nach neuen Bremsbacken für unser Motorrad und Frank anschließend mit deren Einbau, da unsere Hinterradbremse schon Stahl auf Stahl bremste (die Raserei über die Hügel zur Fähre haben da bestimmt noch ihren Teil dazu beigetragen). Nun konnte aber der Weiterfahrt nichts mehr im Wege stehen und am nächsten Morgen saßen wir mit gepackten Taschen am Frühstückstisch als Eduardo beiläufig grinsend erwähnte, es gebe am Abend Lamm-Asado. Frank schaut mich mit gequältem Blick an, seufzt und ruft Eduardo zu, dass wir noch einen Tag verlängern. Schöne Abenteuerurlauber sind wir… kaum lockt frisch gegrilltes Lamm, lassen wir alle Reisepläne fahren. Wenn das so weitergeht kommen wir mit mehr Kochrezepten als Fotos nach Hause…

Die unfreiwillige Katzenmutti
Während die Lammstücken sich am Spieß drehen, sitzen wir alle wartend, schwatzend und chilenischen Rotwein trinkend in der Scheune, als Eduardo plötzlich eines der Baby-Kätzchen mitbringt, die seine Katze vor ein paar Wochen bekommen hat, und Andrea auf den Schoß setzt. Der kleine flauschige Tiger fühlt sich bei den Streicheleinheiten natürlich ziemlich wohl, genießt die Aufmerksamkeit und bleibt den ganzen Abend da liegen. Eduardo erklärt, das Kätzchen habe jetzt eine neue Mama und würde uns den Zwerg am liebsten als Geschenk mitgeben (Wäre das “Gatito” ein “Tortugito” und hätte Panzer statt Fell hätte es Andrea warscheinlich schon längst eingesteckt).

Übrigens – vor lauter Katzengeschichten sollten wir natürlich das leckere Lamm-Asado nicht vergessen. Das hat nämlich wirklich lecker geschmeckt, und bis in die Nacht hinein standen wir alle noch im Hof und in der Scheune, und so mancher hat Rotwein, Bier oder Rum etwas zu reichlich zugesprochen und saß am nächsten Morgen etwas später als sonst am Frühstückstisch. Einschließlich unserem Ober-Grillmeister Eduardo der bereits um 23 Uhr auf seinem Sofa lag und nur noch “mucho vino” murmelte. Man notiere: Rotwein der Sorte “120” verursacht böööse Kopfschmerzen.

Nach dem späten Frühstück, als wir (mal wieder) am Packen sind, ist die Mini-Katze plötzlich wieder da und sitzt auf unserem Bett – na, wer hat die da wohl hingesetzt? Als wir uns schließlich von Eduardo und Pamela verabschieden, ihm seinen Katzennachwuchs wiedergeben und erklären, dass die Katze bestimmt nicht gerne Motorrad fahren möchte, startet er einen letzten Versuch und tut so, als wolle er das Kätzchen in Andreas Tasche schmuggeln. Später, als wir mit dem Motorrad eine kurze Pause einlegen, kontrolliert Frank sicherheitshalber noch mal die Tasche – nicht dass es Eduardo doch noch geschafft hat und wir jetzt einen maunzenden Reisebegleiter haben.

Eintrag für die Jeitner Pleiten, Pech und Pannen Statistik
Nachdem wir uns vergewissert haben, dass in unserem Gepäck nichts quäkt und zappelt, geht die Fahrt weiter um wenige Kilometer später bereits wieder ein unerwartetes Ende zu finden – Sprit alle! Wir wundern uns, da der letzte Tankstopp erst 520km zurück liegt und wir schon Spitzenstrecken von 700km mit einer Tankfüllung geschafft haben. Aber ein kritischer Blick in unsere beiden Tanks bestätigt den Verdacht – trocken bis auf den letzten Tropfen. Frank kann sich den plötzlich so hohen Verbrauch nicht erklären, vermutet aber, dass die staubige Fahrt zur Fähre den Luftfilter zugesetzt haben muss. Aber Spekulationen helfen ja nichts, jetzt stehen wir da ohne Sprit im Tank! Zum Glück hält gleich das erste Auto, dem wir winken an. Der Mann fährt auf seinem Pickup sogar mehrere Benzinfässer spazieren, die jedoch leider genauso leer sind wie unser Tank. Hilfsbereit bietet er uns aber sofort an, uns Benzin zu bringen, es würde nur ein bisschen dauern, da der nächste Ort 45km entfernt ist. Fröstelnd stehen wir eine gute Stunde neben dem Motorrad im eisigen Wind, und der Mann kommt tatsächlich wieder zurück. Offenbar war er zufällig sowieso unterwegs um seine Spritfässer zu füllen, und für uns hat er eine Colaflasche voll Benzin extra abgezapft. Nicht mal Geld wollte er dafür haben, und winkt einfach freundlich ab, als Frank ihm welches geben will. So erreichen wir nun doch noch ohne zu schieben Puerto Natales, von wo aus wir dann am 25. März in den Nationalpark Torres del Paine aufbrechen wollen.

Zu diesem Kapitel gibt es natürlich noch mehr Fotos…

2 Kommentare zu „Wiedersehen mit Eduardo“

  1. Heidi Fox schrieb am

    So ein Pech – keinen Helm für “Gatito” 🙁
    was für ein Glück das “Tortugitos” einen eingebauten Helm haben 😉 noch ist im Garten Platz für noch ein “Turtles Castle” 🙂

  2. Ralf Petrzelka schrieb am

    Die Geschichte mit dem Sprit ist cool und typisch Frank. Immer cool, warum soll man zwischendurch tanken.
    Weiter viel Spaß für euch beide.
    PS. Muß wahrscheinlich im Sommer nach Brasilien, dann treffen wir und auf ein Steak, oder?

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