Whale Watching vor Ecuadors Küste

18. Juli 2010

14. bis 18. Juli 2010, von der ecuadorianischen Grenze bis zur Hauptstadt Quito, Kilometer 23620 bis 24722 unserer Reise, 1. bis 4. Tag in Ecuador
Unsere Einreise in Ecuador war die bisher umständlichste und langwierigste unserer Reise, denn nachdem wir die peruanisch/ecuadorianische Grenze überquert hatten, mussten Migrationsbüro und Zoll erst einmal gefunden werden. Alles in einem Gebäude unterzubringen, in dem man einfach nacheinander die einzelnen Schalter abklappert, wäre auch zu einfach gewesen. Nein, damit es richtig Spaß macht, sind die beiden Büros mehrere Kilometer voneinander entfernt. Nachdem wir also den Einreisestempel im Pass hatten (wobei, von wegen Stempel, in Ecuador ist man ganz modern und legt den Reisepass direkt in einen Drucker, der die Einreiseerlaubnis direkt in den Pass druckt) ging die Sucherei nach dem Zoll erst richtig los. Als wir die Zollstation endlich gefunden haben, sitzen wir eine gefühlte Ewigkeit im Büro, und warten darauf, dass man uns die nötigen Motorrad-Einfuhrpapiere ausstellt.

Danach fahren wir Richtung Puerto Lopez, unser erstes großes Ziel in Ecuador. Puerto Lopez ist momentan ein idealer Ort für Whale Watching, da sich um diese Zeit Buckelwalherden in den Gewässern vor der Küste aufhalten. Bis dahin haben wir aber noch einige hundert Kilometer Weg vor uns, warscheinlich werden wir die Etappe eher auf zwei Tage aufteilen müssen.

An der Tankstelle staunen wir aber zunächst über die spottgünstigen Spritpreise hier in Ecuador. Eine Gallone (3,8 Liter) kostet nur 1,48 US-Dollar, das heißt, der Liter Sprit kostet nur 38 US-Cent. Wir haben unser Motorrad für 9 Dollar einmal komplett vollgetankt …da lacht das Herz! (Anmerkung: In Ecuador ist der US-Dollar die offizielle Währung.)

Nachdem wir durch Ecuadors größte Hafenstadt Guayaquil hindurch sind und uns wieder Richtung Pazifikküste gewendet haben, versuchen wir eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Das ist jedoch leichter gesagt als getan – wir lassen Ort um Ort hinter uns, ohne ein Hostal zu finden. Uns bleibt nichts anderes übrig, als im Dunkeln bis Puerto Lopez durchzufahren. Das letzte Stück Strecke windet sich noch einmal durch dicht vernebelte Hügel, man kann nicht einmal mehr 50 Meter weit sehen, und in einer Kurve lässt uns auch noch die Straßenmarkierung im Stich, so dass wir uns plötzlich neben der Straße wiederfinden. Endlich in Puerto Lopez angekommen haben wir einen neuen Tagesrekord von über 500 Kilometern aufgestellt.

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Puerto Lopez, Ecuador -1.566667, -80.816667
 Unser Hostal in Puerto Lopez, das “Maxima” hat einen großen Garten mit überdachter Freiluftküche, in der wir uns am nächsten Morgen unser Frühstück richten, während immer wieder die zwei Haus-Enten quakend an uns vorbeiwatscheln. Nach dem Frühstück machen wir uns schlau, wie und wo wir am besten Wale sehen können und buchen letztendlich für den nächsten Tag gleich direkt in unserem Hostal, für 20 Dollar pro Kopf geht es mit dem Boot hinaus zum Buckelwale schauen.

Für den restlichen Tag haben wir nun nichts mehr vor, kümmern uns um leidige “Hausarbeit” wie Schmutzwäsche, die sich angesammelt hat und suchen uns ein Internetcafé. Abends stürzt sich Frank auf Maximas schier unerschöpfliche DVD-Sammlung und freut sich auf einen gemütlichen Fernsehabend auf der Terrasse. Mit seinem ersten Film kommt er jedoch nicht sehr weit, als kurz darauf die beiden anderen Deutschen auftauchen, die im Zimmer neben uns wohnen, und uns erst einmal ausgiebig über das Reisen mit dem Motorrad ausquetschen. Wir sitzen zu viert und schwatzen, bis die letzten Biervorräte von Maxima aufgebraucht sind. Frank zieht mit den beiden sogar noch los zu einer nahegelegenen Kneipe, während Andrea es vorzieht, schon mal an der Matratze zu horchen. Irgendwann gegen 4 Uhr morgens krabbelt auch Frank auf allen Vieren nach Hause (Ein ganzes Jahr Urlaub, und Frank sucht sich natürlich genau einen Abend aus, nachdem er am nächsten Tag NICHT ausschlafen kann).

Meeresriesen voraus
16. Juli –
Obwohl es letzte Nacht so spät (oder sollen wir lieber sagen “früh”) wurde, quält sich Frank trotz Bierschädel sogar extra früh aus dem Bett um auf dem Markt nach frischen Camarones fürs Abendessen zu suchen. Leider vergebens, wär er doch mal lieber im Bett geblieben, dabei hatten wir uns schon so auf leckere Spaghetti mit Shrimps gefreut…

Um 10 Uhr werden wir direkt am Hostal abgeholt und erst einmal zu einem Sammelpunkt für die ganzen Bootstouristen gekarrt. Wohlweislich haben wir aufs Frühstück verzichtet, wir haben schon von den beiden anderen Deutschen gehört, dass der Seegang sich nicht so gut mit Marmeladenbrötchen verträgt, aber während wir so warten, gönnt Frank sich noch schnell einen Aufwachkaffee, sonst geht nämlich gar nichts. Dann bringt man uns zum Strand und verteilt alle zukünftigen Walbeobachter scheinbar willkürlich auf die Boote. Auf unserem Boot haben 30 Personen Platz, aber warum haben nur 28 davon eine Schwimmweste und wir beide nicht? Scheint auch keinen zu interessieren, dass wir als einzige ohne Weste herumsitzen. Naja, das Boot wird nicht gleich absaufen… hoffentlich!

Zu Beginn der Fahrt geht es an Klippen vorbei auf denen Schwärme von Pelikanen und Blaufußtölpeln sitzen. Dann fahren wir hinaus aufs offene Meer. Bald sehen wir auch die ersten Wale, die neben dem Boot kurz auftauchen und eine Fontäne auspusten, bevor der riesige Rücken wieder langsam in den Wellen versinkt. Manchmal sieht man auch ein Pärchen nebeneinander schwimmen und einmal haben wir besonderes Glück, als ganz nahe an unserem Boot einer der Buckelwale aus dem Wasser springt und zum Schluss noch einmal die Schwanzflosse in die Luft schlägt. Natürlich waren wir ausgerechnet da nicht schnell genug mit der Kamera. Bestimmt zwei Stunden kreuzen wir langsam über das Wasser und müssen nie lange warten, ehe der nächste Wal vorbeischaut.

(Wir haben sogar zwei kurze Videos von den Walen gefilmt, die man in unserer Fotogalerie anschauen kann…)

Auf dem Rückweg hält das Boot in einer felsigen Bucht und der Skipper ruft uns zu, dass wir eine halbe Stunde schwimmen und schnorcheln können. Schade nur, dass uns das niemand vorher gesagt hat, an Badesachen haben wir nämlich nicht gedacht. Frank lässt sich davon jedoch nicht lange aufhalten und nach kurzem Kriegsrat mit einem Holländer (ebenfalls aus unserem Hostal und ohne Badehose…) leeren die beiden die Taschen ihrer Hosen und stürzen sich vom Oberdeck des Bootes in die Fluten. Andrea dagegen erscheint der Gedanke, anschließend in nassen Unterhosen herumzusitzen nicht so erstrebenswert, und bleibt auf dem Trockenen, außerdem ist das Wasser von Badewannentemperatur sowieso noch zu weit entfernt.

Nach insgesamt drei Stunden sind wir wieder zurück am Strand von Puerto Lopez und suchen uns erst einmal etwas zu essen, Frühstück steht schließlich immer noch aus… Danach gehen wir noch Lebensmittel fürs abendliche Kochen einkaufen. Allerdings stehen wir zuvor zum ersten Mal auf dieser Reise vor einem Problem bei der Geldbeschaffung. Puerto Lopez hat zwar einen Geldautomaten, der sich aber jedoch weigert, eine unserer beiden VISA-Karten zu akzeptieren (mit unseren VISA-Karten können wir normalerweise weltweit an allen Automaten kostenfrei Geld abheben, hat bis jetzt auch immer wunderbar funktioniert), natürlich ist das der einzige Automat im Ort, wie sollte es auch anders sein. Franks zweite Kreditkarte scheidet auch aus, letztendlich funktioniert es dann nach etlichen Versuchen mit einer ganz piepnormalen Bank-EC-Karte, unsere Rettung, sonst hätten wir nicht einmal mehr unser Hostal bezahlen können.
Anmerkung: inzwischen haben wir herausgefunden, dass es in Ecuador bankabhängig ist, ob wir mit unseren Kreditkarten Geld abheben können, bei den Automaten mancher Banken geht es, bei anderen heißt es “Karte nicht autorisiert” – wir hatten schon befürchtet, unsere Karten wären kaputt oder gesperrt.

17. Juli – Vor unserer Weiterreise Richtung Quito lassen wir uns das leckere Frühstück von Maxima schmecken, dann brechen wir auf ins ecuadorianisches Hochland. Obwohl die Straße asphaltiert ist kommen wir nur langsam voran, denn die Strecke ist übersäht mit Spurrillen und Schlaglöchern, um die wir im Slalom kurven. Wir machen einen Übernachtungsstopp auf halbem Weg in Quevedo. Das einzig erwähnenswerte an dieser Stadt ist, dass sie zwar voller Hotels und Hostals ist, aber es einer Odyssee gleicht, eines mit einem Motorradstellplatz zu finden. Eins landet ganz oben auf unserer Liste der Merkwürdigkeiten, als die Rezeptionistin ablehnt, dass wir uns das Zimmer vorher ansehen dürfen – angeblich Order vom Chef. Entweder hatte die Dame keine Lust, sich zu bewegen, oder die Zimmer sind so schlimm, dass man sie nur an Blinde vermieten kann.

Zum Glück bleiben wir nur eine Nacht in diesem seltsamen Ort, und setzen unseren Weg gleich am nächsten Morgen fort. Das Wetter ist uns nicht wohlgesonnen, es regnet (hatten wir schon lange nicht mehr) – und prompt hört auch der Asphalt auf und die weiche Erde, die stattdessen folgt, verwandelt sich im Regen langsam in seifigen Schlamm. Unsere Reifen haben statt Stollen inzwischen eher Ähnlichkeit mit Slicks und so schlittern wir Stück für Stück voran. Zu allem Übel hüllen uns Nebelwolken ein und nehmen uns die Sicht. Einmal kommt uns auf einer der schmalen Gebirgsserpentinen ein Polizeikonvoi entgegen, und wenn wir den Bauarbeiter am Wegesrand richtig verstanden haben, fuhr da gerade der ecuadorianische Präsident an uns vorbei.

Obwohl Sonntag ist, herrscht in den Dörfern, durch die wir hindurchfahren, Trubel und Festatmosphäre. Manchmal sind Straßen gesperrt und große Musikbühnen aufgebaut. Ob das am Besuch des Präsidenten liegt oder gerade ein Festtag ist, finden wir jedoch nicht heraus. Allerdings ist das eine angenehme Abwechslung, denn inszwischen hatten wir uns daran gewöhnt, die Orte Sonntags wie ausgestorben vorzufinden. Zwischendurch halten wir in einem Dörfchen für eine Essenspause an und können unseren Ohren kaum trauen, als es ans Bezahlen geht: 3,50 US-Dollar für Tee, Kaffee, zwei Suppen und zwei Hauptgerichte. Zuerst dachten wir, wir müssten uns verhört haben, aber warscheinlich sind das einfach nur die Preise des von Touristen wenig besuchten Hinterlandes.

Hier ist die Landschaft saftig grün und die Menschen tragen wieder ihre typische Tracht, die zwar Ähnlichkeit mit der der Indigenas in Peru hat, aber trotzdem selbst für uns Laien zu unterscheiden ist. Die Hüte der Frauen sind anders, die Tücher und Ponchos nicht ganz so schreiend bunt.

Als wir uns der Panamericana nähern, die uns schließlich bis nach Quito geleiten wird, haben wir einen tollen Ausblick auf die Vulkan-Gebirgskette die sich vor uns aufreiht. Angeblich soll man von diesem Punkt aus nicht weniger als 9 Vulkane sehen können, leider verstecken sich bis auf einen alle in einer dicken Wolkenschicht, und so sehen wir nur den perfekten Kegel des Chimborazo vor uns. Auf der Panamericana kommen wir wieder schnell voran und so bringen wir die letzten Kilometer bis Quito hinter uns, das auf 2800 Metern Höhe liegt und nach Boliviens Hauptstadt die höchstgelegenste Hauptstadt dieses Kontinents ist…

Wir haben außerdem eine neue Ecuador-Fotogalerie mit noch mehr Fotos von den Buckelwalen…

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