Von versteinerten Wäldern und Höhlenmalereien

4. März 2010

Karte wird geladen - bitte warten...

Comodoro Rivadavia, Argentinien: -45.867920, -67.500000
Puerto San Julian, Argentinien: -49.306103, -67.726891
6280km auf dem Fahrtenbuch
Am 27. Februar wurden wir in Comodoro Rivadavia von dem Bericht über das Erdbeben in Chile überrascht. Da in Argentinien eigentlich in jedem Restaurant, jeder Kneipe und jedem Einkaufszentrum ein Fernseher hängt bekommen wir die aktuellen Nachrichten immer mal wieder nebenbei mit. Auch in einigen argentinischen Orten waren die Erdstöße der vergangenen Nacht zu spüren, nicht jedoch so weit südlich, wie wir uns gerade aufhalten. Bis wir das betroffene Gebiet erreichen, werden noch einige Wochen vergehen. Es muss sich also niemand um uns sorgen…

Rivadavia ist eine größere, leider aber auch recht häßliche Stadt mit ziemlich viel Industrie, die hier entstand, als man Anfang des 20. Jahrhunderts Erdöl gefunden hatte. Wir nutzen den Zwischstopp für etliche Besorgungen – zum Beispiel haben wir uns nun doch noch ein 10m Verlängerungskabel angeschafft, damit wir uns auf den Campingplätzen den Strom direkt zum Zelt ziehen und das Notebook und die Akkus im Zelt laden können (kein kritischer Blick mehr zum Himmel und die Frage, ob es wohl regnen wird, und man das Akkuladegerät über Nacht doch besser hinein holt). Ein schönes Erlebnis hatten wir auch, als Frank seine Uhr zur Reparatur in ein Uhrengeschäft gab,weil sich Feuchtigkeit im Gehäuse gesammelt hatte. Als wir die Uhr am Folgetag abholten, wollte der Uhrmacher nicht mal eine Bezahlung für diesen Service …da freut sich das Reisebudget. Und schließlich befüllten wir den Wassertank noch randvoll mit Frischwasser und deckten uns mit Lebensmittelvorräten ein, denn unsere nächste Station führt uns zur Estancia “La Paloma”. So nennt man hier die riesigen Farmgelände, die einen großen Teil des Landesinneren ausmachen.

20km von dieser Estancia entfernt gibt es das sogenannte “Monumento Nacional Bosque Petrificado”, kurz gesagt – 150 Millionen Jahre alte versteinerte Bäume. Die Estancia grenzt direkt an dieses Gebiet an, und stellt die nächstmögliche Übernachtungsgelegenheit dar. Das alte Ehepaar, dem die Estancia gehört, verdient sich ein Einkommen dazu, in dem es Campingmöglichkeiten für die Besucher der versteinerten Bäume bereit stellt. Wir sind die einzigen Besucher dieser Estancia, da die Hauptsaison für Touristen inzwischen zusammen mit den argentinischen Sommerferien zu Ende gegangen ist. Unsere einzige Gesellschaft besteht aus einer Horde Hühner, die sich neugierig um unser Zelt scharen und zwei Hofhunden, denen nichts besseres einfällt, als gleich das Motorrad und unser Zelt mit einer Duftmarke zu verzieren. Wie abgelegen wir uns tatsächlich befinden, merken wir daran, dass der Strom hier über einen Generator gewonnen, und deshalb zeitlich rationiert ist. Am ersten Abend hatten wir nur für eineinhalb Stunden Elektrizität. Blöd, wenn man gerade auf Toilette ist (ohne Taschenlampe versteht sich), wenn sich der Generator wieder abschaltet. Dennoch lohnen die versteinerten Bäume den Besuch wirklich. Die Stämme haben einen Durchmesser von bis zu 2 Metern und sogar die einzelnen Jahresringe sind noch in dem Stein zu erkennen.

Nachdem wir von der Estancia “La Paloma” zurück gekehrt sind, übernachten wir eine Nacht an der Küste um uns am nächsten Tag etwas weiter südlich gleich noch einmal ins Landesinnere aufzumachen. Auch diesmal ist unser Ziel wieder eine Estancia, die seit einigen Jahren sowohl für Touristen als auch Archäologen interessant geworden ist. Der Besitzer dieser Estancia entdeckte auf seinem Land mehrere Höhlen mit Felszeichnungen und Handabdrücken der früheren Bewohner (ähnlich der berühmteren “Cueva de los Manos”), und führt seitdem interessierte Besucher persönlich durch diese Höhlen.

Wir haben lange überlegt, ob wir uns den Weg zu diesen Höhlen zumuten wollen – die Estancia “La Maria” liegt 150km abseits der großen Überlandstraße Ruta 3 und der Weg ist durchweg Schotterpiste. Zum Vergleich: das ist, als ob man von unserem Heimatort Groß-Rohrheim nach Stuttgart komplett auf einem geschotterten Feldweg fahren wollte. Auf diesen 150km liegen auch keine weiteren Orte oder Siedlungen, sondern die Strecke führt auf der kompletten Länge durch Weideland und Steppe. Die Estancia selbst umfasst 20.000 Hektar Gelände, wie wir später erfuhren, und alleine von der Grenze des Besitztumes bis zum “Haupt-Farmhaus” fährt man 20km. Diese Dimensionen sind hier in Südargentinien an der Tagesordnung.

Unsere Entscheidung haben wir gründlich bereut, als die Fahrstrecke immer schlechter, und aus dem Schotter stellenweise butterweicher Sand wurde. Es empfiehlt sich nicht unbedingt, mit einem mit Gepäck voll bepackten Motorrad durch Sand zu manövrieren, prompt hat es uns gleich zweimal hingelegt. Zum Glück kippt das Motorrad mit den dicken Alukoffern nicht gar zu weit um, so dass wir es zu zweit relativ schnell wieder aufrichten konnten. Nach über drei Stunden Fahrt erreichten wir staubbedeckt und mit blank liegenden Nerven die Estancia, um dort von einem einsamen Angestellten zu erfahren, dass die Höhlen und das Camping geschlossen sind, da der Besitzer verreist ist. Dann hatte der Mann aber wohl doch Mitleid mit uns zwei traurigen Gestalten und erlaubte uns, trotz der Abwesenheit des Besitzers im Garten des Grundstückes zu zelten, damit wir den Weg nicht am gleichen Tag wieder zurück müssen. Während wir uns etwas später immer noch ärgerlich über die sinnlose Quälerei auf dem Campingkocher ein Abendessen brutzeln, taucht der Mann noch einmal bei uns auf und bietet uns an, uns am nächsten Morgen die Höhlen selbst in einer kleinen Privatführung zu zeigen. Begleitet wird der Angestellte auch hier wieder auf Schritt und Tritt von einem kleinen vorwitzigen Guanako, das ihm wie ein Hündchen folgt. Wir erfahren dass der kleine Kerl gerade mal 2 Monate alt ist, der unpassenden Namen Attila trägt und seine Mutter verloren hat. Attila gibt gerne Küsschen und findet, dass Gegenstände, die herrenlos auf dem Tisch herumliegen durchaus eine annehmbare Nahrungs-Alternative zu Baby-Milch darstellen.

Versöhnt durch Attilas Zuneigungsbekundungen brechen wir am nächsten Morgen zusammen mit dem Estancia-Angestellten zu unserer Höhlentour auf. Die Hügellandschaft, in der die Höhlen versteckt liegen ist wunderschön, und man wünscht sich fast eine Zeitmaschine, um zu sehen, wie die Menschen hier damals lebten. So hat sich die anstrengende Fahrt nun doch gelohnt, und den Rückweg haben wir sogar ohne erneute Bruchlandung gemeistert…

Wie immer gibt es natürlich noch viel mehr Fotos in der Fotogalerie zu sehen!

1 Kommentar zu „Von versteinerten Wäldern und Höhlenmalereien“

  1. Heinz Krauss schrieb am

    Hallo, Andrea & Frank eure Berichte und Bilder sind Super!!!
    Viele Grüsse Heinz Krauss

Kommentar schreiben

Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS-2.0-Feed verfolgen.

 
  • Fahrtenbuch

    32620 km

    • Unsere Reise endete nach
      352 Tagen
  • Unsere Reise endete in…

    Karte wird geladen - bitte warten...

    Cancun, Mexiko: 21.161908, -86.851528

    Cancun
    Mexico