Schlaflose Nächte auf dem Weg zum Amazonas

3. Juli 2010

26. Juni bis 3. Juli 2010, von Trujillo nach Yurimaguas, Kilometer 22695 bis 23030 unserer Reise
In unserem letzten Bericht haben wir ja bereits angedeutet, dass wir noch einmal einen Abstecher in die Dschungelregionen Perus machen wollen. Momentan sind wir allerdings noch auf der Panamericana entlang der Pazifikküste unterwegs – also so weit weg vom Dschungel wie es hier nur geht. Etliche hundert Kilometer östlich von uns beginnt – noch auf peruanischem Gebiet – das Amazonasbecken, wo der riesige Strom seine bescheidenen Anfänge nimmt. Und da Brasilien leider nicht auf unserer Routenplanung liegt, wollen wir dem Amazonas wenigstens hier mal kurz “Hallo” sagen. Frank schwärmt schon seit langem davon, per Boot wenigstens ein kurzes Stück davon zu bereisen.

Bereits in Lima haben wir recherchiert, wo man in Peru eine Bootspassage auf einem der vielen Frachtkähne mitfahren kann, und uns für die Strecke Yurimaguas – Iquitos entschieden. Iquitos ist eine Großstadt (über 400.000 Einwohner) im peruanischen Regenwald, die ausschließlich per Boot oder Flugzeug zu erreichen ist. Bis Yurimaguas (etwa 700km von der Pazifikküste entfernt) reicht die Straßenverbindung, danach geht es auf zahlreichen Flüssen weiter, die kurz vor Iquitos in den Amazonas übergehen.

Um etwas Zeit zu sparen haben wir beschlossen, nicht mit unserem Motorrad bis nach Yurimaguas zu fahren, sondern – ausnahmsweise – mal Backpacker zu werden und den Bus zu benutzen, mit dem man die 700km Entfernung in einer Tagesfahrt überbrücken kann. Deshalb steht nun, als wir Trujillo erreichen, bereits alles im Zeichen der Vorbereitung unserer Dschungelfahrt, denn wenn wir uns kurzzeitig in Backpacker verwandeln müssen, fehlt uns ein essentieller Ausrüstungsgegenstand – richtig, ein Rucksack – oder deren zwei. Unser Motorradgepäck ist nämlich etwas unhandlich, um uns auf das Boot zu begleiten. Auf den Flußkähnen, genannt “Lanchas”, schlafen Passagiere meistens in Hängematten direkt an Deck und entsprechend wenig Platz hat man, sein Gepäck halbwegs sicher zu verstauen. Ein wenig Vorsicht ist nämlich geboten, denn zum Be- und Entladen wuseln unzählige Menschen auf dem Lancha herum und bei dem Gewühl ist schnell mal etwas geklaut, wenn man kein Auge auf seine Sachen hat.

Sowohl unsere Motorradkoffer als auch unsere große Packtasche sind uns zu sperrig um sie auf ein Boot zu schleifen, deshalb wird der Ballast auf das nötigste reduziert, damit wir nur mit zwei kleinen Rucksäcken reisen können. Alles andere wird dann – wieder einmal – samt Motorrad bis zu unserer Rückkehr in einem vertrauenswürdigen Hotel untergestellt. In Trujillo wollen wir also schon einmal auf dem Markt nach Rucksäcken und Hängematten schauen, und die Busverbindungen bis nach Yurimaguas ausfindig machen.

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Trujillo, Peru -8.109052, -79.021534
27. Juni – Unser Hostal in Trujillo besitzt einen wesentlichen Vorteil – Fernseher auf dem Zimmer – so können wir am nächsten Morgen direkt vom Bett aus verfolgen, wie Deutschland England im Achtelfinale aus dem Turnier schiesst. Danach wühlen wir uns aus den Federn, um unser Frühstück einzufordern, das Andrea gestern anstelle eines Rabattes auf den Zimmerpreis herausgehandelt hat, und erkunden anschließend ein wenig die Stadt. Wie es sich ergibt, werden wir aber noch nicht von hier aus in das Amazonasgebiet starten, sondern noch ein Stück weiter nach Norden fahren. Von der nächsten größeren Stadt Chiclayo aus gibt es die kürzesten Busverbindungen. Kurz ist dabei relativ zu sehen, bis zum Ausgangspunkt des Bootes, Yurimaguas, sind es immer noch stolze 24 Stunden Fahrt, aber mehr Lebenszeit wie unbedingt nötig muss man ja nun wirklich nicht im Bus verbringen. Außerdem ist unser Hostal zwar ganz nett, aber auch etwas schrullig, hier wollen wir nicht unbedingt eine Woche oder länger unsere Sachen zurücklassen.

Von Pyramiden und Meerschweinchen
28. Juni –
Bevor wir aber weiterfahren nach Chiclayo, legen wir noch einen Sightseeing-Tag ein. Am Ortsrand von Trujillo gibt es die “Huacas del Sol y de la Luna”, Überreste einer Sonnen- und Mondpyramide, zu denen wir fahren wollen. Mit der Wegbeschreibung hat es aber nicht so ganz geklappt, wir fahren über 40 Kilometer in einem hübschen grünen Flusstal nach Osten, von Pyramiden jedoch keine Spur (ein 45 Meter hohes Bauwerk zu übersehen wäre aber auch eine Kunst). Bevor wir jedoch wieder kehrt machen halten wir an einem Lokal am Straßenrand, schließlich haben wir heute noch nicht gefrühstückt. Wir denken schon an einen glücklichen Zufall als wir “Cuy” auf der Speisetafel vor der Tür entdecken – peruanischen Meerschweinchen wollten wir doch schon seit Wochen endlich mal probieren. Wir bestellen eine Portion für uns zusammen. Auf dem Teller, der uns wenig später gebracht wird liegt ein Schenkel und ein halber Kopf mit Zähnen dran, alles natürlich gegrillt. Vielleicht liegt es an der lieblosen Zubereitung aber das Vieh ist ziemlich zäh und zählt nicht gerade als kulinarische Offenbarung. Derweil mampft am Nebentisch die Wirtsfamilie den Rest von unserem Cuy und lässt sich damit fein von uns ihr Mittagessen bezahlen. A propos bezahlen, für die Sparportion knöpft die Wirtin uns tatsächlich 15 Soles ab (das dreifache eines normalen peruanischen Gerichtes) mit der Begründung, das sei eine große Portion gewesen. Groß? Ein Bein und ein halber Kopf? Was ist dann bitte die kleine Portion? Nur der Kopf?

Die Pyramiden haben wir dann auf dem Rückweg übrigens tatsächlich noch gefunden – direkt vor den Toren der Stadt… Natürlich darf man hier keine Pyramiden wie im alten Ägypten erwarten, bei den Huacas handelt es sich um aus Lehmbausteinen errichtete Gebilde. Die Seitenflächen sind durch Erosion so glatt gespült, dass man zuerst nicht ahnt, ein Bauwerk von Menschenhand vor sich zu haben. Erst bei den teilweise eingestürzten Bruchstellen sieht man die ursprüngliche Struktur. Eigentlich waren es sogar drei Pyramiden, die dritte wurde jedoch von den Spaniern zerstört.

Nach unserem Ausflug parken wir das Motorrad am Hostal und gehen noch einmal auf den Markt, wo wir tatsächlich noch ein paar Trekkingrucksäcke auftreiben, jetzt fehlen nur noch die Hängematten…

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Chiclayo, Peru -6.776597, -79.844298
Am nächsten Morgen geht es für uns dann weiter nach Chiclayo. Dort gestaltet sich die Unterkunftssuche allerdings etwas schwierig. Diesmal brauchen wir etwas, wo wir unser Motorrad für unseren Ausflug zum Amazonas für mindestens eine Woche parken und unser Gepäck sicher deponieren können. Die beiden Adressen aus dem Reiseführer erweisen sich schon bald als Fehlgriff, ein Hostal scheint bereits seit längerem geschlossen, das andere hat gleich gar keine Parkmöglichkeit. Also müssen wir auf gut Glück weitersuchen. Bald sind wir völlig von Chiclayo entnervt. Die Schlepper, die uns zu einer Unterkunft bringen wollen fallen über uns her wie die Aasgeier, sogar während der Fahrt quatschen uns Taxifahrer an, die zu einem Hotel führen wollen. Einer verfolgt uns sogar regelrecht und hält jedesmal, wenn wir auch anhalten und redet auf uns ein. Aber es hilft nichts, wir brauchen ja eine Unterkunft. Von einem weniger aufdringlichen Exemplar lassen wir uns die Visitenkarte eines Hotels geben, die mit Parkmöglichkeiten wirbt, wenn wir an der Rezeption seinen Namen nennen würden, bekämen wir auch einen guten Preis. Okay, versuchen wir es… Ohne rechten Enthusiasmus fahren wir zum Hotel und landen tatsächlich einen Glückstreffer. Umständlich machen wir dem Besitzer begreiflich, dass wir für 2 bis 3 Tage eine Unterkunft brauchen, einen Motorradstellplatz, dann eine abschließbare Kammer für unsere Ausrüstung und dann anschließend nach einer guten Woche wiederkommen – und das alles auf Spanisch *uff* Alles kein Problem, und als wir noch den Namen unseres “Werbers” nennen, bekommen wir das Zimmer statt für 60 Soles für 45 Soles pro Nacht.

Spanisch für Peruaner
30. Juni –
Wir klappern in Chiclayo sämtliche Busunternehmen ab, die wir finden können um Preise für die Fahrt nach Yurimaguas zu vergleichen. Die meisten Gesellschaften fahren nicht bis Yurimaguas durch, sondern machen bereits in Tarapoto Endstation, von dort wäre es dann noch einmal gute 3 Stunden mit einem Minibus bis Yurimaguas. Eine der wenigen Busunternehmen, die eine Direktfahrt nach Yurimaguas anbieten ist “Paredes Estrella”. Auch ansonsten klingt das Angebot ziemlich gut: Schlafsitze, Essen an Bord und Film-Unterhaltung. Abfahrtszeit ist einmal täglich um 5 Uhr morgens, deshalb buchen wir für den übernächsten Tag, damit wir morgen noch ein wenig Zeit haben, unsere Wäsche zu waschen und in Ruhe das Gepäck umzusortieren.

Anschließend kaufen wir um Supermarkt schon einmal die erste Ration Vorräte für die Bootsfahrt. Angeblich soll es auf den Frachtschiffen zwar Vollverpflegung für die Passagiere geben, die aber ökonomisch aus drei Mal täglich Reis mit Hühnchen besteht. Da kann ein wenig Abwechslung in Form von Fischkonserven und Instantsuppen nicht schaden. Neben dem Supermarkt entdecken wir ein Kino. Gerade frisch angelaufen: der neue A-Team Film. Nun gibt es für Frank kein Halten mehr – heute abend werden wir wohl schon wieder ins Kino gehen…

Auf dem Weg zurück zum Hotel landen wir zufällig auf dem Markt von Chiclayo, der größer ist als alle die wir je zuvor gesehen haben. Es gibt einen ganzen Gang mit Heilkräutern und gruseligen Fetischen, finsteren Schwertern, Stinktierfellen und anderen makabren Hexenutensilien. Der Markt ist ein einziges unübersichtliches Labyrinth, und als wir uns endlich hindurchgekämpft haben, qualmen uns die Füße. Nun aber flott zurück ins Hotel und die Plattfüße ein paar Stündchen ausruhen, bevor wir dann später noch einmal zum Kino losstiefeln.

Den folgenden Tag haben wir mit letzten Vorbereitungen verbracht, alle Motorradkoffer und Taschen ausgeräumt, sortiert, Rucksäcke für unsere Bootstour gepackt, mit unseren Familien noch einmal via Skype telefoniert, damit niemand sich sorgt, wenn wir in den folgenden Tagen nicht erreichbar sind (Frachtkähne mit Satelliten-Internet gibts unseres Wissens noch nicht), Wäsche aus der Wäscherei holen, alles was wir nicht mitnehmen in die Abstellkammer des Hotels zum Einschließen bringen und die vielen anderen Kleinigkeiten.

Übrigens, eines müssen wir noch loswerden. Es klingt zwar irgendwie nach Vorurteil, aber je weiter wir in Peru nach Norden kamen, haben wir zunehmend das Gefühl, dass die Leute uns weder zuhören noch verstehen wollen. Einfache banale Sätze, die wir nun schon seit einem halben Jahr erfolgreich anwenden, lösen nur schafsdumme Gesichter und absurde Antworten aus. Gerade hier in Chiclayo ist uns das extrem aufgefallen. Beispiel gefällig?

(Alle Dialoge natürlich auf spanisch):
– Frank: “Wo gibt es hier in der Nähe eine Wäscherei?”
– Antwort: “Hühnchen”

– Andrea: “Kann ich das mal anschauen?” (in diesem Fall ein T-Shirt in einem Geschäft)
– Verkäufer: “Baumwolle”

An einem Straßen-Essensstand, auf dessen Schild neben anderen Gerichten unter anderem “Tallarine” standen – ein Nudelgericht:
– Frank zur Bedienung: “Haben Sie Tallarine?”
– Bedienung: “Tallarine?” (Ratloses Gesicht dazu)
– Frank: “Ja, Tallarine”
– Bedienung: “Ach so, Tallarine…”
– Frank: “Ja, genau, haben Sie die?”
– Bedienung: “Nein”

Auszug aus dem Leben eines Backpackers
2. Juli –
Grausam reisst uns der Wecker um 3 Uhr nachts aus unseren Träumen: aufstehen, duschen, die letzten Sachen packen, dann schwingen wir uns die schweren Rucksäcke auf den Rücken und klemmen uns jeder noch eine Einkaufstasche mit Lebensmitteln unter den Arm und fragen uns dabei, wie es Leute geben kann, die freiwillig einen ganzen Urlaub wie ein Maultier beladen verbringen.

Es ist schon ein wenig knapp, also rufen wir uns ein Taxi zur Busstation. Die Eile hätten wir uns allerdings sparen können. Der Bus war zwar für 5 Uhr zur Abfahrt angesetzt, bis 7.45 Uhr lässte er jedoch auf sich warten. In der Zwischenzeit ärgern wir uns, dass wir noch mindestens 2 Stunden hätten länger schlafen können. Kaum dass der Bus im Hof des Terminals vorgefahren ist scheucht man uns in den Bus, wir sitzen noch nicht einmal richtig, als er auch schon wieder anfährt – offenbar will der Fahrer die vertrödelte Zeit auf Gewalt wieder hereinholen. Die Fahrt wird grauenhaft – das Geschaukel des Busses kann man – wenn überhaupt – nur im Liegen ertragen (Dank an die Liegesitze, die der einzige Lichtblick auf dieser Fahrt waren), da einem ansonsten sofort schlecht wird, lesen fällt aus diesem Grund sowieso aus und selbst Toilettenbesuche kosten Überwindung, zumal man sich aus Zeitgründen nicht mal die Mühe gemacht hat, den Bus zu reinigen und das Spülwasser im WC von Anfang an alle war.

Die versprochene Filmunterhaltung beschränkt sich auf einen einzigen Film zu Beginn, danach herrscht gähnende Schwärze auf dem Videoschirm. Bordverpflegung, angeblich im Preis inbegriffen, gibt es ebenfalls nicht (es sei den man zählt das Päckchen Cracker zu Beginn der Fahrt dazu). Auf Nachfrage von Frank heißt es, Essen an Bord gibt es nur für Gäste, die die Fahrt in Lima gebucht haben. Verhungern muss zum Glück niemand, denn an jeder Haltestelle stürmen Straßenverkäufer den Bus mit Kleinigkeiten wie Hühnchenspießen, Früchten oder gefüllten Kartoffeln. So rettet sich Frank ohne knurrenden Magen über die lange Fahrtzeit hinweg, Andrea ist sowieso für alles zu übel. Erwähnten wir bereits, das wir Busfahren zu den verzichtbaren Erlebnissen zählen?

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Tarapoto, Peru -6.482478, -76.372689
Nach endlos scheinenden Stunden erreichen wir dann kurz vor 23 Uhr endlich Tarapoto, die letzte große Stadt vor Yurimaguas. Dort erfahren wir, dass unser Bus hier Endstation hat (obwohl wir eine Direktfahrt nach Yurimaguas gebucht haben), und das wir auf einen anderen Bus von “Paredes Estrella” warten müssten, der von hier nach Yurimaguas weiterfährt. Der Mann vom Busterminal sagt, wir könnten auf den nächsten Bus warten, der um 3 Uhr nachts käme, oder aber ein Taxi nehmen, das koste aber extra. Wütend erklären wir ihm, dass wir für die Fahrt nach Yurimaguas bereits bezahlt haben und nicht die Absicht haben, auch nur einen Sol extra auszugeben. Daraufhin beauftragt er einen der vielen wartenden Moto-Taxifahrer, uns zum Minibus-Terminal zu bringen, dort könnten wir einen anderen Bus nach Yurimaguas nehmen. Zunächst will er nicht einmal unser Bustickets wieder herausrücken, darauf lassen wir uns aber nicht ein, schließlich sind diese Tickets unser einziger Beleg, dass wir tatsächlich für die Fahrt bezahlt haben.

Am Minibus-Terminal ist alles dunkel und der Fahrer des Busses nach Yurimaguas schlummert seelenruhig in seinem Bus. Wir fragen den Taxifahrer nach der Abfahrtszeit des Minibusses. Antwort: “Wenn der Bus voll ist”. Um diese Uhrzeit ist natürlich kein einziger anderer Fahrgast weit und breit zu sehen. Auf die Frage, wann das wohl sein wird ernten wir nur Ausreden. Er will uns überreden, 20 Soles extra zu zahlen, dann würde er uns mit dem Taxi nach Yurimaguas fahren. Wir fühlen uns von dem Mann am Busterminal von “Paredes Estrella” verarscht und verlangen, wieder dorthin zurück gebracht zu werden. Natürlich will er dafür auber auch Geld von uns, also stapfen wir wutschnaubend mit unseren schweren Rucksäcken zu Fuß durch halb Tarapoto und stellen den Windbeutel erneut zur Rede.

Diesmal bietet er uns an, dass wir die Wartezeit bis zum 3 Uhr Bus in unserem ursprünglichen Bus schlafend überbrücken könnten. Der hatte ja Endstation und der Fahrer schläft derweil wohl selbst in seinem Bus. Mangels besserer Anternativen nehmen wir das Angebot an und machen es uns wieder in unseren Liegesitzen gemütlich. Schlafen können wir freilich nur auf einem Auge, weil wir fürchten, unseren Anschlussbus zu verpassen. Gegen halb drei wollen wir gerade aus dem Bus aussteigen um die restliche Zeit lieber draußen zu warten, als wir bemerken, dass die Türen des Busses fest verschlossen sind. Frank versucht vergeblich, mit dem Nothebel, die Tür zu öffnen. Deshalb klopfen wir an die Wand zur Fahrerkabine und rufen dem Fahrer zu – keine Reaktion. Entweder hat der Mann einen gesunden Schlaf oder wir sind inzwischen alleine in dem Bus. Wir harren in unserem unfreiwilligen Gefängnis geschlagene eineinhalb Stunden aus. Andrea droht, die Scheibe einzuschlagen, sollte in Zwischenzeit unser Anschlussbus vorfahren. Irgendwann gegen 4 Uhr gelingt es jemandem von draußen, den Fahrer wachzuschreien, der sich dann auch irgendwann bequemt, unsere Tür zu entriegeln. Auf der Straße warten wir noch eine weitere Stunde – inzwischen ist es 5 Uhr morgens und von unserem 3-Uhr-Bus ist nichts zu sehen. Unser Hassobjekt aus dem Busterminal telefoniert derweil mit seinem Handy dem verschollenen Bus hinterher, jedoch ohne den Fahrer zu erreichen. Erneut will er uns zum Minibus-Terminal schicken, wo wir bereits vor 6 Stunden waren. Als wir noch einmal deutlich klarstellen, das wir nicht einsehen, für eine bereits bezahlte Fahrt doppelt zu bezahlen, rückt er wiederstrebend die Kosten für den Minibus bar heraus, drückt Frank den Fahrpreis in die Hand, und bezahlt einen Moto-Taxifahrer, uns zum Terminal zu chauffieren.

Der Minibus von heute nacht steht immer noch an der gleichen Stelle und wartet auf Fahrgäste (immerhin ist der Fahrer inzwischen wach). Nachdem wir zugestiegen sind, gibt es immer noch freie Sitzplätze und wir warten erneut fast eine Stunde, bis um 7 Uhr dann endlich die Erlösung naht. Inzwischen sind wir übellauniger als zwei alte Ziegenböcke und total übermüdet von der durchwachten Nacht, ein Schild “Vorsicht, bissig” um den Hals wäre vermutlich eine gute Idee…

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Yurimaguas, Peru -6.474926, -76.361110
Gerade als das WM-Spiel Deutschlands gegen Argentinien um 9 Uhr eröffnet wird erreichen wir Yurimaguas. Wir ignorieren alle Taxifahrer, die uns direkt vom Bus abgreifen wollen, schnappen uns unsere Rucksäcke und lassen uns vor den kleinen Fernseher fallen, der in dem überdachten Wartehaus hängt. Das Schiff kann warten, jetzt müssen wir erst einmal die deutsche Mannschaft anfeuern…

1 Kommentar zu „Schlaflose Nächte auf dem Weg zum Amazonas“

  1. Heidi und Bernd schrieb am

    hi ihr zwei!
    super, genau das haben wir auch immer gedacht…nie mit dem bus längere strecken…das ist ein kampf! aber für uns daheim gebliebene natürlich sehr schön zu lesen…grins…

    wie es wohl auf dem schiff wird????

    schöne reise!

    h+b

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