Sag mal, kennen wir uns nicht aus dem Zoo?

24. Februar 2010

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Puerto Piramides, Argentinien: -42.571561, -64.271979
Camarones, Argentinien: -44.794010, -65.722961
5916km Gesamtstrecke, seit 17 Tage wieder in Argentinien
Inzwischen sind wir gute 1500km südlich von Buenos Aires. Der Sommer auf der Südhalbkugel geht langsam in Herbst über, und die Nächte werden kühler. Abends geht es nun nicht mehr ohne Pullover. Das wir uns bereits mitten in Patagonien befinden merkt man auch an den fast ständig wehenden Winden, die auf dem Motorrad ziemlich anstrengend werden. Nach einem Fahrtag ist man erschöpft vom gegen den Wind lehnen und auch ein bisschen durchgefroren. Das kann ja noch frostig werden, denn nach Ushuaia – dem südlichsten Punkt unserer Reise – haben wir noch einmal die gleiche Entfernung vor uns. Auch die Landschaft hat sich verändert, anstelle von Weideland mit Kuhherden sieht man braungelbe Steppe, mit niedrigen struppigen Büschen, zwischen denen die nicht minder struppigen Schafe fast völlig verschwinden.

Wenn wir uns an einem neuen Ort nach einer Unterkunft umsehen gilt neben der Frage nach dem Preis oft gleich die zweite Frage nach einem sicheren Stellplatz für unser Motorrad. Einfach über Nacht auf offener Straße parken ist nicht unbedingt empfehlenswert, und auch die Einheimischen raten davon ab. In den Hostals wurde uns ohne zu zögern auch schon mal die Waschküche oder ein ungenutzter Festsaal als Stellplatz angeboten. Bei letzterer Gelegenheit musste Frank, um in diesen Saal zu gelangen, das Motorrad einmal quer durch die Eingangshalle an einem Billardtisch vorbei manövrieren.

Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit auf unserem Weg an der Atlantikküste entlang nach Süden ist die Peninsula (Halbinsel) Valdez, die wir am 19. Februar erreichen. Die gesamte Halbinsel ist ein riesiges Naturschutzgebiet. Die enormen Dimensionen dieses Gebietes bekommt man schon bei der Zufahrt zu spüren. Direkt auf der Landbrücke zum Festland befindet sich die Kontrollstation, wo man den Parkeintritt bezahlt. Von dieser Kontrollstation zum Info-Center sind es 20km, und vom Info-Center bis zu der kleinen Siedlung Puerto Piramides, in der man Unterkunft findet, noch einmal weitere 30km. Der kürzere von zwei Rundwegen durch das Naturschutzgebiet misst allein schon ca. 200km. Entlang dieser Routen kann man mit etwas Glück fast alle der bekanntesten einheimischen Tierarten entdecken – meistens sieht man aber nur die Rückansicht des Tieres, das vor dem Motorengeräusch schon längst die Flucht ergriffen hat. Wenn man das Tier aber rechtzeitig entdeckt, das Motorrad ausschaltet und sich langsam näher rollen lässt, kann man schöne Fotos machen. Wir sahen Guanakos (die hiesige Lama-Art), Maras (Pampas-Hasen), Graufüchse, Nandus und Gürteltiere (die waren leicht zu finden, da sie ihre Höhlen direkt neben der Straße in den Hang gegraben hatten und mampfend im Straßengraben saßen). Ab hier gibt es an der Atlantikküste generell alle paar hundet Kilometer Kolonien von Seelöwen, See-Elefanten und Pinguinen, die dort zur Zeit Ihre Jungen aufziehen. Wenn wir einen Monat früher hier gewesen wären, hätten wir auch Wale beobachten können, deren Saison haben wir aber nun leider verpasst. Besonders die Seelöwen haben es uns angetan, deren Nachwuchs als schwarze plüschige Knubbel herumwatschelt und mit lauten Genörgel die Bucht beschallt (den Lärm kann man in zweien unserer Videos gut hören).

Während wir auf der Halbinsel unterwegs sind treibt uns der Wind derweil schaufelweise Sand in die Schlafkammer des Zeltes, so dass es anschließend in den Schlafsäcken, in der Kleidung und am nächsten Morgen auch in den Ohren knirscht.

Von der Peninsula Valdez fahren wir weiter südwärts und pausieren für eine Nacht in Trelew, wo wir zwar ein schönes gepflegtes Hostal finden, in dem wir blitzschnelles W-Lan Internet haben und die Möglichkeit, die Küche zum Kochen nutzen zu dürfen, aber auch leider so voll, dass wir das Mehrbettzimmer überraschend noch mit zwei Franzosen teilen müssen.

In Trelew wird unsere Ausrüstung aber gleich noch um eine lange gesuchte Sache ergänzt: Jetzt haben wir endlich einen kleinen Kompressor für das Motorradbordnetz, damit wir bei der nächsten Reifenpanne nicht mehr warten müssen, bis zufällig jemand mit einer Luftpumpe des Weges kommt. Das nimmt der nächsten Schotterpiste den Schrecken, wenn man weiß, man ist nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen, denn nachdem sich unser Reifenflickset als Fehlkauf erwiesen hatte, war uns da immer etwas mulmig zumute.

Am 23. Februar erreichen wir das nächste Highlight unseres Weges Richtung Feuerland. Wir zelten für zwei Nächte in Camarones, von wo aus man das Naturschutzgebiet “Cabo Dos Bahias” erreichen kann. Camarones selbst wirkt wie ein verschlafenes kleines Fischerdorf, und den schönen Campingplatz haben wir beinahe für uns alleine. Wer weiß, wie lange das Wetter noch zum Grillen einlädt, deshalb nutzen wir es aus, hier sogar überdachte und beleuchtete Grillplätze zu haben. Zum ersten Mal kommt auch ein Stück patagonisches Lamm auf den Rost.

Cabo Dos Bahias ist dank der bekannteren Peninsula Valdez auch von Touristenscharen verschont, aber den Abstecher mehr als wert. Wir sehen jede Menge kleine Guanako-Herden, die vor uns auf der Straße aus einer Wasserpfütze vom letzten Regen trinken und laufen zwischen einer riesigen Pinguinkolonie entlang. Die Pinguine schlafen entlang des Wanderweges (oder mitten darauf) in der Sonne und lassen sich nicht stören, selbst wenn man sich für ein gemeinsames Foto direkt neben sie hockt.

Und hier geht es zu den gesamten Fotos (und Videos) von der Peninsula Valdez und Cabo Dos Bahias…

Auf dem Rückweg von der Pinguinkolonie will Frank noch ein bisschen Enduro fahren und nimmt eine Abkürzung durch ein doch recht schlammiges Flüsschen. Natürlich bleibt er am anderen Ufer prompt stecken und nur mit vereintem Geschiebe kommt die Kiste schlammverspritzt wieder frei. Das nächste Mal hören wir doch lieber auf die Frau, die während der Flussdurchfahrt außen herum stapfte um einen trockenen Weg zu finden, und die daraufhin beschloss, eine Schaufel zu kaufen, um den Mann nächstes Mal wieder ausbuddeln zu können.

Wieder was Praktisches gelernt (dann mal auf zum nächsten Fluß)…

2 Kommentare zu „Sag mal, kennen wir uns nicht aus dem Zoo?“

  1. Fossi,Heidi,Luca u.Pauline schrieb am

    Jaaa, heute schreibt der Lieblingsonkel, “weil der Einzige”!!!!
    Hallo ihr zwei!
    Zuerst mal: Frank lass dich drücken und alles gute nachträglich zu deinem Geburtstag! Wir waren ja hier eingeschneit u. förmlich von der Außenwelt abgschnitten! Nee Quatsch, habens einfach nur verpeilt.
    Wie gehts der Frau mit der Schaufel,konnte mir das bildlich sehr gut vorstellen, mußte sehr lachen. Aber Andrea du weist ja, Männer – Motorrad – Abenteuer, da muß der Mann mit den Elementen kämpfen, auch wenn Frau ihn aus dem Dreck ziehen muß hi hi.
    Tolle Berichte super Bider, werden weiter auf eurer Fährte bleiben!!
    Uns geht es gut u. wir hoffen, dass es bei euch auch so ist. Ich fahre am 3.03.nach Saalbach zum Skifahren, evtl. wollen wir nächstes Jahr(Feb.) mal eine Handballer-Skifreizeit durchführen. Reservier euch zwei Plätze, also macht nicht so lang.
    So, dann machts mal gut und passt auf euch auf.
    Helmut hat mir erzählt dass ihr gestern 27.02.weiterfahren wolltet,
    also dann “AUF NACH FEUERLAND”!
    Wünschen euch alles liebe und immer ein paar Atü Luft auf den Reifen!!

    Heidi, Luca, Pauline u. Fossi

  2. Fabiano schrieb am

    I was happy to know that the trip you continue. With the Chilean earthquake, I was afraid you were nearby. Hope you are well and enjoying every moment of this beautiful journey. A big, wet kiss of bikepar of Brazil

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