Niemals ohne Gummi im Verkehr…

11. Dezember 2010

3. bis 11. Dezember 2010, 8 Tage Guatemala,
über Antigua nach Rio Dulce am Lago Izabal, der Isla de Flores und die Ruinenstadt Tikal im Norden des Landes zur belizianischen Grenze, Kilometer 30937 bis 31794 unserer Reise

Der Grenzübertritt von El Salvador nach Guatemala beschert uns einen abrupten Klimawechsel, eben haben wir noch bei dreissig Grad am Strand gesessen, nun lässt uns das kühle Hochlandklima beim Motorradfahren wünschen, wir hätten die Pullover nicht zuallerunterst in die Kisten gepackt. Dank eines besonders schlafmützigen Grenzbeamten, der unsere Motorrad-Zollpapiere erstmal irgendwo zwischen einen ganzen Stapel LKW-Papiere schiebt, warten wir über 2 Stunden an der guatemaltekischen Grenze, bis der Beamte sich im Schneckentempo durch den Stapel gearbeitet hat. Bis nach Antigua haben wir noch ein Stückchen Weg vor uns, das wir nun im Dunkeln abspulen müssen. So entgeht uns auch der Anblick der drei Vulkane, die Antigua umrahmen und zwischen denen sich unser Weg hindurchschlängelt. Was uns während dieser spätabendlichen Fahrt als allererstes auffällt, ist dass auf den guatemaltekischen Straßen sogar die Lebensmitteltransporte bewaffneten Begleitschutz haben.

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Antigua, Guatemala 14.558541, -90.739025
Für Antigua hatten wir uns aus unserem Reiseführer bereits eine Unterkunft herausgesucht, und sind zunächst ganz erleichtert, dass uns wenigstens die Hostalsuche im Dunkeln erspart bleibt. Fehlanzeige! Wer in unserem Reiseführer behauptet hat, das Hostal verfüge über einen Parkplatz, war warscheinlich im Drogenwahn, hier könnte man nicht einmal einen Roller unterbringen, geschweige denn Idefix um drei Ecken herum an der Rezeption vorbeitragen. So also geht die leidige Suche los. Die offiziellen bewachten Parkplätze sind diesmal auch keine Option, der Preis dafür haut uns schlichtweg aus den Schuhen: das Motorrad für zwei Tage unterzustellen kostet fast noch einmal soviel wie eine Übernachtung. Bis wir endlich ein Hotel mit Parkplatz finden, ist Frank gereizt wie ein Schwarm Hornissen. Inzwischen ist es 21 Uhr, wir laden nur noch das Motorrad ab, und suchen uns etwas zum Essen. Die Supermärkte haben alle schon zu und so landen wir schließlich bei Burger King (Hallo Zivilisation!).

Unser Peru-Déja-Vu
Antigua hat sich durchweg seinen Charme als Kolonialstadt bewahrt, fast alle Straßen der Stadt sind noch mit Kopfsteinen gepflastert, die meisten Gebäude sind lediglich einstöckig und bunt gestrichen, die Stadt ist gepflegt und viele Kirchen wurden nach dem letzten zerstörerischen Erdbeben wieder aufgebaut und strahlen in neuem Glanz. Als krassen Gegensatz dazu muss man allerdings manchmal nur eine Straße weitergehen, um noch eingestürzte Türme und Mauern zu sehen bei den Bauwerken, zu denen der Wiederaufbau noch nicht vorgedrungen ist.

Unser erster Eindruck von Guatemala erinnert uns an das peruanische Hochland zwischen Arequipa und Cuzco, und wir fühlen uns in unserer Reise um Monate zurückversetzt. Dazu tragen sicherlich auch die vielen in bunten Trachten gekleideten Indigenas bei. Die Frauen tragen lange schwarze Zöpfe und auch im Alltag bestickte Blusen, bunte Röcke und die gewebten Tücher um den Körper geschlungen, in denen alles vom Baby bis zur Handelsware transportiert wird.

Auch der Markt steht an Größe und unübersichtlichem Durcheinander seinen peruanischen Äquivalenten in nichts nach. Der Markt in Antigua ähnelt einem Labyrinth, in dem man sich hoffnungslos verirren kann. Zwischen all den Lebensmittel-, Haushaltswaren- und Kleidungsständen finden sich auch etliche Stände mit Handwerkswaren, und wir können nicht widerstehen und kaufen noch einige schöne Souvenirs (respektive Weihnachtsgeschenke) für zu Hause. Die Einkäufe dann anschließend im Gepäck unterzubringen erfordert wieder eine logistische Meisterleistung, obwohl wir aus Nicaragua extra ein Päckchen heimgeschickt hatten um etwas Platz zu gewinnen.

Aber unsere Zeit in Antigua besteht nicht nur aus Stadtbummel und Marktbesuchen. Frank nimmt sich auch unsere Motorradkette vor, die uns auf der letzten Fahrt gleich zweimal vom Ritzel gesprungen ist. Das Teil ist zu abgenutzt und lässt sich nicht mehr vernünftig spannen. Diesmal haben wir jedoch in weiser Voraussicht Ersatz dabei (aus Schaden wird man bekanntlich irgendwann klug), und so ist die Kette schnell gegen eine neue ausgetauscht, und Frank freut sich, dass wieder etwas verbaut ist, das er nicht mehr in den Tankrucksacktaschen mit uns herumschleppen muss.

6. Dezember – Leider hat uns der Nikolaus in der Nacht keine Schokolade in den Motorradstiefeln hinterlassen, vielleicht hätten wir sie vorher putzen sollen…
Von Antigua aus müssen wir zunächst die Hauptstadt Guatemala City durchqueren, um anschließend Richtung Osten zum größten See Guatemalas, dem Lago Izabal, in der Nähe der karibischen Küste zu fahren. Wieder einmal quälen wir uns durch LKW-Staus, Abgaswolken und Straßendschungel quer durch die Stadt hindurch. Unser Weg ist gesäumt von McDonalds und BurgerKing Filialen, die alle paar Meter links und rechts der Straße auftauchen. Vermutlich gibt es nicht einmal in Frankfurt so viele FastFood-Imbisse. Frank kann der Verlockung nicht widerstehen, deshalb gibt es heute Frühstück bei McDonalds.

Die vage Hoffnung, bei unserer Durchquerung der Stadt vielleicht auf ein Motorradreifengeschäft zu stoßen, in dem wir nach einem Ersatz für unseren doch ziemlich abgefahrenen Vorderreifen schauen könnten, erfüllt sich nicht. Vielleicht hätten wir uns im Vorfeld nach einer Adresse erkundigen sollen, aber Frank glaubt noch immer, dass der Reifen mit etwas Glück bis zum Ende der Reise halten könnte. Wir werden sehen, ob es ein Fehler war, diese Chance ungenutzt verstreichen zu lassen…

Nachdem wir das Stadtgebiet hinter uns gelassen haben führt die Straße schnurstracks westwärts, und mit jedem Meter wird das Klima wieder heißer. Andrea hat während der Strecke doch große Zweifel, ob der Reifen wirklich noch bis Mexico mitspielt, mittlerweile ist das Profil so eckig gefahren (in der Mitte platt und am Rande noch mit Stollen), dass das Vorderrad zittert wie Espenlaub. Jedesmal wenn Frank auf der herrlichen geraden Strecke beschleunigt bangt Andrea innerlich, und hofft, dass uns das Ding nicht um die Ohren fliegt. Aber nichts dergleichen passiert…

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Rio Dulce, Guatemala 15.808994, -88.759110
 Rio Dulce
Wir erreichen am Abend Rio Dulce. Der Ort liegt direkt am Lago Izabal und wird von dem See geteilt. Die beiden Ortshälften sind über eine gigantische Brücke verbunden. Da der See direkt mit dem karibischen Meer verbunden ist, gibt es angeblich eine beachtliche Population Manatees (Seekühe) in dem See (die wir allerdings während unseres Aufenthaltes nicht zu Gesicht bekommen). Außerdem liegen am Seeufer und in der Marina von Rio Dulce viele große Segelyachten und Katamarane, die hier einen geschützten Liegeplatz vorfinden. Von der Brücke aus erblicken wir gleich das Hostal, das wir uns herausgesucht hatten, es liegt direkt am See und verfügt sogar über einen eigenen Bootssteg. Das Hostal “Backpackers” wird von einer gemeinnützigen Organisation geführt, die Jugendlichen Schulbildung und Arbeit ermöglichen will. Sämtliche Einnahmen von Hotel und Restaurant fließen direkt den Jugendlichen zu. Die meisten “Angestellten” dort sind eben diese Jugendlichen, an Rezeption, als Zimmermädchen, oder Kellner. Dass bei der Bildung tatsächlich dringend Handlungsbedarf besteht, merken wir, als Frank an der Rezeption nach einem Zettel mit dem Internetpasswort fragt, und der Junge dort ihm das Passwort vordiktiert weil er selbst offenbar nicht schreiben kann.

In Rio Dulce kann man günstig essen gehen. Gleich nach unserer Ankunft zieht uns der Hunger zu den Comedores, den einfachen einheimischen Gaststätten. Für unsere zwei Portionen Hühnchen mit Reis, Maistortillas und Salat, einem Liter frisch gepresstem Ananassaft und einer Cola zahlen wir nur 44 Quetzales (etwas mehr als 4 Euro). Frank fragt noch zweimal nach, weil er glaubt, die Wirtin habe sich verrechnet (verständlich, immerhin erleben wir immer wieder, dass die Menschen das Wechselgeld auf z.B. einen 100-Quetzal-Schein mit dem Taschenrechner ausrechnen müssen). Ein ganz besonders leckeres Gericht probieren wir in Rio Dulce zum ersten Mal: eine riesige Weizentortilla mit Gemüse, Fleisch oder Hühnchen und Soße belegt – die guatemaltekische Variante einer Pizza. Wir finden das Gericht so lecker, dass wir am nächsten Abend gleich nochmal dort essen gehen und diesmal drei Stück davon verputzen.

Die hölzerne Terrasse unseres Hostals ist direkt über den See hinaus gebaut und man hat einen wunderschönen Ausblick über den See. Frank kramt die Angelschnur und -haken, die er und Josi sich in Costa Rica gekauft hatten, wieder aus dem Gepäck und probiert sein Glück an den Fischen im See. Bei der angrenzenden Restaurantküche fragt er nach altem Brot, aber der Koch meint, Tortillas wären als Köder besser (logisch, sind ja auch guatemaltekische Fische). Leider sind die Fische aber wohl anderer Meinung, vielleicht hätten wir auch die Tortillas vorher noch mit Hühnchen füllen sollen, jedenfalls will keiner anbeißen. Schade, wieder kein Fisch zum Abendessen…

Flores
8. Dezember –
Von Rio Dulce aus wollen wir zu der Ruinenstadt Tikal, im nördlichen Dschungelgebiet Guatemalas. Tikal liegt etwa 60km von den Hauptverkehrsstraßen entfernt, und da es vor den Ruinen einen Campingplatz gibt, beschließen wir dort 2 Tage zu campen. Zuvor wollen wir uns in Flores, der letzten Stadt vor Tikal, mit Vorräten fürs Camping eindecken. Flores liegt auf einer Insel im Peten-Itza-See, mit Vororten auf dem Festland. Uns gefällt die kleine Insel jedoch so gut, dass wir spontan beschließen, dort eine Nacht zu bleiben, und erst am Folgetag nach Tikal weiterzufahren.

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Flores, Guatemala 16.918125, -89.892606
 Flores selbst ist winzig, nur etwa fünf mal fünf Straßenblöcke groß, um so mehr erstaunt es, dass Flores die Hauptstadt der gesamten Provinz Peten ist. Über einen Damm ist die Insel mit dem Festland verbunden, der Vorort Santa Elena auf dem Festland ist inzwischen größer als Flores selbst und beherbergt die großen Supermärkte, Tankstellen und Geschäfte, die auf der Insel keinen Platz mehr fanden. Dadurch hat sich Flores sein verschlafenes Erscheinungsbild bewahrt. Es gibt nur jede Menge Cafés, Restaurants und kleine Souvenirgeschäfte. Den Platz im Zentrum von Flores verunziert ein gigantischer kitschig bunt geschmückter Christbaum, und das Basketballfeld befindet sich direkt daneben.

Am Abend sitzen wir gefüllte Tacos futternd am Rand des Feldes und schauen dem Basketballspiel zu, das dort gerade stattfindet, als plötzlich das Spiel unterbrochen wird und eine religiöse Prozession in Messgewänder gekleidet eine Heiligenfigur über das Spielfeld schleppt. Nach der kurzen Unterbrechung wird das Spiel fortgesetzt. Man stelle sich mal daheim in Rohrheim die Gesichter vor, wenn Pfarrer Knolle mitten in einem Handballmatch gegen Biblis quer übers Spielfeld prozessieren würde… ob er es wohl bis zum anderen Ende des Spielfeldes geschafft hätte???

Nach diesem netten Zwischenstopp brechen wir am folgenden Morgen nach Tikal auf. Zuvor halten wir noch an dem hochmodernen Einkaufszentrum am Ortsrand von Santa Elena, decken uns mit Vorräten für die nächsten zwei Tage ein und frühstücken noch einmal ausgiebig. Unser vollgepacktes Motorrad zieht wie immer neugierige Blicke auf sich. Im Falle der Wachmänner des Einkaufszentrums ist uns das sehr willkommen, so genießt Idefix immer seinen persönlichen Wachservice wenn die schwer bewaffneten Wachmänner neugierig neben dem Moto stehen, und wir können guten Gewissens all unsere Habe auf dem Parkplatz zurücklassen.

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Tikal, Guatemala 17.216700, -89.616700
 Reifendilemma in Tikal
Der Parkeingang zu den Tikal Ruinen befindet sich bereits 17km vor der archäologischen Stätte selbst. Danach führt der Weg nur noch durch dichten Wald. Warnschilder zeigen an, für welches Viehzeugs man hier bitte bremsen soll: Jaguare, Schlangen, Truthähne und so weiter… Der Campingplatz liegt direkt neben dem Eingang zu den Ruinen auf einer Wiese, über die Nasenbären und Agutis huschen. Dort gibt es einzelne betonierte und überdachte Plätze, wo man sein Zelt regen- und sonnengeschützt aufbauen kann.

Gleich nachdem wir unser Zelt aufgebaut haben sehen wir mit Schrecken, dass unser Reifen tatsächlich endgültig hinüber ist. Auf den letzten 60 Kilometern hat sich die Reifendecke an mehreren Stellen durchgewetzt, dass sogar bereits der Schlauch herausschaut. Frank wundert sich noch, dass diesmal überhaupt keine robuste Stahlkarkasse unter dem Gummi ist, aber das hilft uns auch nicht weiter. In Kolumbien mussten wir damals für das Vorderrad einen ultra-weichen Crossreifen kaufen, weil keine anderen Modelle in unserer Größe zu finden waren, das rächt sich nun. Der zeitgleich gekaufte Michelin T63 auf dem Hinterrad sieht nach 5500 Kilometern noch nicht mal besonders angekratzt aus. Wir hätten besser mal einen Tag in Guatemala City investiert um einen neuen ordentlichen Reifen zu finden, der Leichtsinn rächt sich jetzt, aber Frank wollte keinen von den Billig-China-Marken kaufen, die man hier überall findet. Wir werden aus Schaden offenbar doch nicht klug. So wie der Reifen ausschaut ist sehr fraglich, ob wir es damit überhaupt bis nach Flores zurückschaffen, hier kann nicht mal ein Reifenflicker mehr helfen.

Glücklicherweise gibt es neben dem Campingplatz noch ein teures Hotel, dort suchen wir uns im Internet Telefonnummern von Reifengeschäften in Flores/Santa Elena heraus, wenn wir auch wenig Hoffnung haben, dass gerade hier plötzlich ein 19-Zoll Reifen zu finden sein sollte. Das Schicksal meint es jedoch gut mit uns, und bei der zweiten Telefonnummer, die wir vom Hotel aus anwählen, ist tatsächlich ein passender Reifen auf Lager, Glück gehabt. Nun müssen wir nur noch mit dem kaputten Reifen zu diesem Geschäft kommen.

Frank baut gleich das Vorderrad aus, danach kochen wir uns Abendessen auf dem Campingkocher und kuscheln uns ins Zelt. In der Nacht wird es empfindlich kalt und wir wünschen uns unsere Schlafsäcke zurück, die wir von Costa Rica aus heimgeschickt haben. Um kurz vor 6 Uhr klingelt der Wecker am Morgen und wir fahren mit einem Collectivo-Bus wieder zurück nach Santa Elena, das ausgebaute Rad unter den Arm geklemmt. An der Busstation wartet bereits wieder eine Horde lästiger Taxifahrer, die einen mit “Flores, Flores” rufen bestürmen. Mein Gott, was sollen wir ohne Gepäck mit einem Motorradreifen auf einer Insel, auf der es garantiert KEINEN Reifenhändler gibt! Wenn einer von den Kerlen ein wenig Grips in der Birne hätte, würde er uns fragen ob er uns zu einem Reifengeschäft bringen soll, aber das würde ja flexibles Denken erfordern. Die Straße, zu der wir wollen, kennt natürlich auch keiner, und so spazieren wir stattdessen zu Fuß los. Bis zu der Adresse, die wir aus dem Internet haben, kommen wir erst gar nicht. Als wir zufällig bei einem Eisenwarenladen vorbeilaufen, der ebenfalls ein Gestell mit Motorradreifen vor der Ladentür stehen hat sehen wir …einen Pirelli Skorpion in unserer Reifengröße!!! Ei, wer hätte das gedacht! Mit ein wenig handeln sparen wir sogar noch 30 Quetzales und zahlen für unseren neuen Reifen nur etwa 44 Euro. Was uns besonders freut: das Teil hat sogar Straßenzulassung für Deutschland. Davor hat es uns am meisten gegraust – hier einen neuen Reifen zu kaufen, und ihn nach zwei Wochen in Deutschland schon wieder tauschen zu müssen, weil er nicht eingetragen ist, das bleibt uns nun erspart. Glück im Unglück würden wir sagen! Gewechselt ist der Gummi auch schnell (Kostenpunkt: 1 Euro!) und so spazieren wir mit einem niegelnagelneuen Reifen unter dem Arm in den ansässigen Burgerking und trinken erstmal einen großen Frühstückskaffee.

Anschließend laufen wir zurück zur Busstation und schauen nach einer Rückfahrgelegenheit nach Tikal. Wieder einmal merken wir, warum wir eigentlich mit dem Motorrad unterwegs sind und öffentliche Verkehrsmittel meiden, wo es geht. Wir kaufen zwei Fahrscheine für das 10 Uhr Collectivo, das in zwanzig Minuten starten soll. Natürlich offenbart man uns erst NACHDEM wir bezahlt haben, dass dieses Collectivo bereits voll ist. Aber wir könnten natürlich gegen einen Aufpreis ein Taxi bekommen. Klar! Tagediebe und Betrüger – alle miteinander! Wir bestehen darauf, den Fahrschein zurückzugeben und unser Geld erstattet zu bekommen. Plötzlich will man sich kümmern, dass wir bei einem anderen Collectivo mitfahren können, und jemand telefoniert herum. Wir warten und warten im Ticketbüro, und gerade als wir noch einmal auf Herausgabe unseres Geldes bestehen wollen, kommt tatsächlich ein anderes Collectivo angefahren, und wir kommen doch noch zurück nach Tikal.

Frank zieht Idefix geschwind seinen neuen Schuh an. Es ist gerade mal Mittag, als unser Reifenabenteuer beendet ist und die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel. Dieses perfekte Fotowetter wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen, deshalb hängen wir gleich den Ruinenbesuch noch dran. Das Gelände von Tikal ist so weitläufig, dass man vom Eingangstor zur hintersten Tempelanlage 30 Minuten spaziert, und zwischen den einzelnen Gebäudekomplexen einiges an Fußweg durch den dichten Wald zurücklegt. Wir sind fast 5 Stunden unterwegs und haben dabei nicht einmal alle der äußeren Anlagen gesehen. Am beeindruckendsten ist natürlich der große zentrale Platz, eingerahmt von zwei Akropoli an dessen Nord- und Südende und zwei Stufenpyramiden im Osten und Westen. Dabei ist der “Gran Jaguar” mit 44 Metern nicht einmal der höchste Tempel der Anlage. Der sogenannte Tempel IV abseits des großen Platzes überragt mit 64 Metern Höhe die gesamte Anlage, vermutlich der höchste des gesamten Maya-Gebietes, und bietet einen unglaublich weiten Ausblick über die Baumkronen, aus denen in einiger Entfernung die Spitzen der anderen Bauten ragen. Von Tempel IV aus blickt man direkt in den Sonnenaufgang. Wir sind beeindruckt von diesen riesigen Bauwerken und stellen uns vor, wie Tikal wohl einmal ausgesehen haben mag, als die Anlage noch bevölkert war. Aus den Bäumen rund um uns schallen die Schreie von Brüllaffen und geben uns das Gefühl, uns in einer versunkenen Welt mitten im Dschungel zu befinden.

Nach einem weiteren “Candle-Light-Dinner” im Schein unserer Gaslampe und einer frösteligen Nacht im Zelt, bauen wir am 11. Dezember unser Lager ab und verlassen das Maya-Reich. Nach Belize, dem vorletzten Land unserer Reise ist es nicht mehr weit…

Unsere Guatemala-Fotogalerie mit weiteren Fotos gibt es hier…

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