Nicht allein der erste Eindruck zählt… unser Fazit nach 2 Monaten in Argentinien

17. Mai 2010

Man könnte wirklich behaupten, dass uns Argentinien einfach nicht losgelassen hat, denn wir waren im Verlauf unserer Reise insgesamt sechs Mal dort und haben viel von diesem zweitgrößten Land Südamerikas kennengelernt. Natürlich wird Argentinien immer einen besonderen Stellenwert haben, immerhin haben wir in Buenos Aires vor rund viereinhalb Monaten unser Abenteuer begonnen.

Wir haben eine Woche in der Hauptstadt verbracht, sind (nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in Uruguay) Argentiniens komplette Atlantikküste im Verlauf eines Monates entlang gereist, bis wir schließlich seine südlichste Stadt Ushuaia auf der Insel Feuerland erreichten. Auf unserem Weg die Anden entlang wieder gen Norden waren wir abwechselnd in Chile und Argentinien, bis wir schließlich Argentinien in seiner nördlichsten Provinz endgültig Richtung Bolivien verlassen haben. Nach zusammengerechnet über zwei gemeinsamen Monaten verspürt man da schon ein wenig Wehmut…

Statistik (für die Statistiker in der Familie – *wink zu Conny*):
63 Tage im Land verbracht, davon 28 Nächte auf Campingplätzen und 35 in Hostals oder Hotels
ca. 9280 km auf argentinischen Straßen gefahren

Über das Land:
Aufgrund seiner enormen Fläche hat Argentinien landschaftlich so ziemlich alles außer tropischem Dschungel zu bieten. An der Atlantikküste entlang bis an die Anden zieht sich südlich von Buenos Aires die sogenannte Pampa – eine trockene, topfebene, staubiggelbe Steppenlandschaft, in der man 200 Kilometer geradeaus fahren kann, ohne zur nächsten Siedlung zu gelangen.
Auf der Tierra del Fuego wird es dann plötzlich wieder etwas grüner und bewaldeter und es gibt sogar Skigebiete dank einiger höherer Gebirgszüge.  Der hohe Norden wird von Felswüsten beherrscht, die allerdings von grünen Flusstälern und schroffen Felsformationen in buntesten Farben abgewechselt werden.

Über die Menschen:
In Argentinien haben wir bis auf die allernördlichsten Provinzen kaum Menschen mit Indio-Abstammung gesehen, fast allen sah man das europäische Erbe an. Wenn man sich jedoch der bolivianischen Grenze nähert sieht man immer mehr Leute mit indianischen Gesichtszügen.

Wenn man den argentinischen Fahrstil betrachtet glaubt man sowieso gern, dass alle Argentinier italienische Vorfahren haben müssen (falls dieses Tagebuch auch italienische Leser hat mögen die uns bitte verzeihen). Als wir frisch aus Uruguay wieder in Argentinien waren haben wir mehrmals den fatalen Fehler begangen, als Fußgänger einen Zebrastreifen zu betreten in der Annahme, man werde uns über die Straße lassen – hah, hier gilt das recht des dicksten Fahrzeugs und man muss aufpassen, wenn man nicht als Kühlerfigur enden will. Auf der Peninsula Valdez war es ganz schlimm, die Fahrbahnen waren tiefster Schotter, wir sind mit dem Motorrad entsprechend langsam voran geeiert, während uns die Autos links und rechts – jawoll, rechts – überholten und in Steineregen hüllten.

Von einer Sache waren wir positiv überrascht: in anderen Reiseberichten lasen wir, dass Reisende gelegentlich von Polizisten “kontrolliert” würden, die unter einem fadenscheinigen Vorwand Bestechungsgelder kassieren wollen. Das ist uns NIE passiert, vielleicht hat Argentinien inzwischen die Korruption in Beamtenreihen erfolgreich bekämpfen können.

Essen und Trinken:
Genau wie in Uruguay ist auch in Argentinien das Grillfleisch des Menschen liebste Kost und fast überall gibt es diverse leckere Fleischklumpen vom Grillrost. Im Süden, in Patagonien dominiert dabei Lammfleisch (Patagonien ist traditionell Schafzucht-Land), ansonsten natürlich Rindfleisch und immer mal wieder ein ganzes Hühnchen am Stück aufgeklappt auf den Grill gedrückt. Im Gegensatz zu Deutschland ist Schweinefleisch das teurere Fleisch.

Frühstück: Es gibt zwei typische süße Brotbeläge, die man in Deutschland nicht kennt, zum einen das “Dulce de Leche” – caramelisierte Milch, die man wie Nutella aufs Brot streicht und “Dulce de Membrillo” – eine Art Gelatine, die aus Fruchtsaft hergestellt wird (Membrillo ist in dem Fall Quitte) und die man in ganzen Klötzen kauft. Von dem etwa buchgroßen Klumpen werden dann Scheibchen abgeschnittenk, die man gerne mit Frischkäse zu Brot isst.

Fastfood: Für das schnelle Essen zwischdurch sind Empanadas eine beliebte Wahl, dabei handelt es sich um gebackene Teigtaschen, die es mit allen möglichen Füllungen gibt – Fleisch, Hühnchen, Schinken-Käse (meistens etwa Handteller-groß für umgerechnet 60 Cent das Stück). Neben den Klassikern Hamburger und Hot-Dogs (“Pancho”) gibt es die argentinische Variante zu totem Tier im Brot auch als “richtige” Rindfleischscheibe, einem dünnen Steak (nennt sich “Lomito”), belegt wird das ganze dann in der bekannten Art mit allerlei Grünzeug und diversen Soßen, in der all-inklusive Version sogar noch mit Spiegelei, Schinken und Käse (Gruß an den Cholesterinspiegel).

Wie in Deutschland gibt es unzählige regionale Biersorten – Frank hat sich allein durch 16 Sorten durchprobiert. Aber natürlich ist Argentinien auch ein bekanntes Weinbauland, besonders die Regionen nördlich von Mendoza und rund um Cafayate sind mit Reben soweit das Auge reicht bewachsen.

Generell isst man in Argentinien spät, das heißt während zum Beispiel in Chile um 21 Uhr schon fast die Bürgersteige hochgeklappt sind, braucht man in Argentinien eigentlich vor 21 Uhr das Haus gar nicht zu verlassen, es sei denn man möchte alleine in einer Kneipe sitzen, in der sich der Wirt noch den Mittagsschlaf aus den Augen wischt.

Durchschnittspreise:

  • Übernachtung im Hostal p.P./Tag im DZ
    – am teuersten war der Aufenthalt in der Hauptstadt und in Ushuaia – 70 Pesos (14 Euro)
    – an der Atlantikküste stiegen die Preise von Nord nach Süd – 40-60 Pesos (8-12 Euro)
    – am günstigsten sind alle Provinzen nördlich von Buenos Aires – 35-45 Pesos (7-9 Euro)
  • Camping p.P./Tag – zwischen 8,50 und 30 Pesos (1,70-6 Euro)
  • Essen gehen im Restaurant (2 Hauptgerichte plus Getränke) – 70-90 Pesos (14-18 Euro)
  • Wäscherei – 20 Pesos (4 Euro)
  • 1 Liter Benzin (Super) – zwischen 2,70 und 3,70 Pesos (54 bzw. 74 Cent) …in der Region Patagonien und Tierra del Fuego ist Benzin subventioniert und kostet nur 2,70 Pesos, während im Rest des Landes im Schnitt 3,70 Pesos fällig werden
  • 1 Liter Bier (Supermarkt) – 5 Pesos (1 Euro)
  • 1 Liter Bier (Gaststätte) – 12-15 Pesos (2,50-3 Euro)
  • 1 Milchkaffee “Cafe con Leche” (Gaststätte) –  8-10 Pesos (1,60-2 Euro)
  • 1 kg Äpfel –  5 Pesos (1 Euro)
  • 1 kg Rinderlende (Supermarkt) – 30-36 Pesos (6-7,20 Euro)

In Argentinien hat uns gefallen:

  • Die Haupstadt Buenos Aires, schöne alte Gebäude und versteckte Plazas mit Cafés, Bars und etwas Glück Livemusik
  • Feuerland mit dem Nationalpark Tierra del Fuego und seinen schönen Gebirgs- und Lagunen Landschaften, die uns teilweise eher an Kanada erinnern und eine grüne Erholung fürs Auge nach der endlosen gelben Steppe warDer Gletscher “Perito Moreno” – wenn auch leider ein touristisches Massenziel, ist es ein unvergessliches Erlebnis, zuzuschauen, wie unter lautem Knacken ganze Eisplatten von der Gletscherzunge abbrechen und in einen türkisgrünen See stürzen
  • Die abwechslungsreichen Landschaften rund um Salta: leuchtend rote Faltengebirge, übermannshohe Kakteen, bunt gestreifte Felswände und Salzseen
  • Argentinien ist ein Camping- und Grillparadies: selbst im kleinsten Dorf gibt es einen gepflegten Campingplatz, fast immer mit Strom, Licht und Wasser und natürlich Grillplätzen
  • selbst kleinste Dörfchen haben einen wunderschön gepflegten, bepflanzten zentralen Platz (man stelle sich ein verstaubtes Dorf mit 10 Häuschen vor, die sich um einen mit bunten Blumen besetzten Platz mit Parkbänken drängen)


In Argentinien hat uns nicht gefallen:
Leider hat der Massentourismus auch vor Argentinien nicht halt gemacht und typische Backpacker-Mekkas wie El Calafate, El Chalten und Bariloche sind uns einfach nur ein Graus. Alles ist einfach gnadenlos überteuert (von Eintrittspreisen für Sehenswürdigkeiten bis zu Übernachtungen und Restaurantpreisen) und alles ist auf die europäischen und US-amerikanischen Touristen eingestimmt – von “echtem” Argentinien keine Spur mehr.

Kuriositätensammlung aus der Redaktion:
Das argentinische Pfandsystem ist an Undurchsichtigkeit nicht zu übertreffen. Wie oft haben wir mit leerer Pfandflasche und Kassenbon in dem Supermarkt gestanden in dem wir tags zuvor eingekauft haben und wurden abgewiesen weil wir entweder etwas neues hätten kaufen müssen, oder wahlweise für einen nicht genügend hohen Betrag eingekauft haben, oder gar das haargenau gleiche Getränk hätten wieder kaufen müssen (um dann wieder eine Pfandflasche zu haben, die man nicht los wird).
Wir sind am Schluß dazu übergegangen entweder nur pfandfreie Getränkesorten zu wählen (schwierig wenn auf den Flaschen nicht steht, ob es Wegwerf- oder Pfandware ist und oft die Supermarktangestellten selber keinen Schimmer haben), oder die Pfandflaschen einfach wegzuwerfen, weil selbst dass oft billiger ist, als manche pfandfreien Getränkesorten. In manchen Hostals gab es aus diesem Grund sogar in der Küche leere Flaschen, die man sich mitnehmen durfte, wenn man einkaufen ging, um sie gegen ein volles Getränk einzutauschen.

Unsere Route quer durch Argentinien:

…in unserem nächsten Bericht erzählen wir von unseren Erlebnissen in Bolivien, dem vierten Land unserer Reise!

1 Kommentar zu „Nicht allein der erste Eindruck zählt… unser Fazit nach 2 Monaten in Argentinien“

  1. Heidi Fox schrieb am

    Euer bericht ist mal wieder “superspitzenmässigklasse” 🙂
    Eure Deutschlehrer vergeben sicher eine 1* für “Das schönste Urlaubserlebnis” 😉

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