Im Nationalpark “Torres del Paine”

28. März 2010

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Torres del Paine, Chile: -50.942326, -73.406788
25.-28. März 2010, 9441km im Fahrtenbuch
Entlang der südlichen Andenkordillere reihen sich unzählige Nationalparks aneinander, manche davon sind so abgelegen, dass sie für Besucher nur per Boot erreichbar sind. Zwei davon sind  besonders berühmt und auf der Liste fast jeden Südamerika-Reisenden: der Nationalpark “Torres del Paine” in Süd-Chile, und der Nationalpark “Los Glaciares” gegenüber auf der argentinischen Seite.

Torres del Paine steht als nächstes für uns auf dem Programm. Den Namen hat der Park von einer markanten Felsformation, den “Torres” (Türme), die natürlich die wichtigste Sehenswürdigkeit sind. Es gibt unzählige Wanderrouten durch den Park, die längste umfasst einen Rundweg von 7 Tagen Dauer. Die meisten Besucher erkunden den Torres del Paine mit Marschgepäck auf dem Rücken und schlafen zwischen den Touren in einem der unzähligen Refugios. Campingplätze, die mit dem Fahrzeug erreichbar sind, gibt es im ganzen Park nur drei. Und da wir beide bekanntermaßen ziemlich lauffaul sind und auch keinen Touren-Rucksack dabei haben (unsere Lieblings-Ausrede…) müssen wir “leider” auf solche mehrtägige Rundwege verzichten. Wir schlagen unser Zelt auf dem Campingplatz auf, der den Torres am nächsten liegt. Unsere Taschen haben wir mit Lebensmittelvorräten vollgeladen, da es im Park selbst nur wenig und wenn, dann zu völlig überteuerten Preisen zu kaufen gibt.

Von der Parkadministration bis zu unserem Campingplatz sind es alleine noch einmal 50km zu fahren. Leider wurden die Eintrittsgelder von den tausenden von Touristen, die hier jährlich zu Besuch kommen, definitiv nicht in die Straßen investiert. Übelstes Wellblech, das die Schrauben aus dem Motorrad und die Plomben aus den Zähnen springen lässt, schränkt die Fahrtgeschwindigkeit auf maximal 40km/h ein. So kann man die schöne Aussicht überhaupt nicht genießen, schade, denn der Süden des Parkes ist wirklich wunderschön anzusehen: viele türkisblauen Seen mit den Torres im Hintergrund. Während Frank mit dem Motorrad kämpft, flucht er schlecht gelaunt vor sich hin: “…und für so einen Sch…. bezahl’ ich so viel Geld!”

Erst auf dem Campingplatz ist Frank wieder versöhnt, als er sieht, dass man hier (zum allerersten Mal auf unserer Reise) auch Lagerfeuer machen darf, und schleppt sofort stapelweise Holz heran, mit dem man bestimmt ein mehrtägiges Dauer-Signalfeuer betreiben könnte. Männer und Feuer eben… da kommen die steinzeitlichen Ur-Instinkte zum Vorschein. So kommen wir abends zu einem gemütlichen warmen Feuerchen.

Kampf mit Mickymaus
Morgens um 6 Uhr werden wir durch Geraschel im Vorzelt geweckt – eine Maus, die von unseren Vorräten angelockt wurde, und sich von uns einfach nicht verscheuchen lässt. Jedes Mal wenn wir uns wieder zum Schlafen herumdrehen ist die Maus wenige Minuten später wieder da. Sogar gegen die getragene Socken ist das Viech resistent, die Frank in einem Geistesblitz zu den Vorräten in die Kiste legt. Verdammt… hätten wir uns doch besser von Eduardo das Kätzchen aufschwatzen lassen. Naja, wobei, die hätte sich vermutlich vor der Maus gefürchtet und in unserem Schlafsack verkrochen. Beim letzten Versuch, die Maus aus dem Zelt zu vertreiben, springt sie Andrea sogar todesmutig an, die vor Schreck einen Schrei loslässt, der den halben Zeltplatz weckt.

Das wahre Ausmaß des Schadens offenbart sich jedoch erst am nächsten Morgen beim Frühstück, als wir entdecken, dass die Maus von nahezu jedem Lebensmittel mal gekostet hat: nicht nur Nudeln, Gewürztütchen, Äpfel und eine Packung Würstchen waren angefressen, nein, sie hat sogar ein Tetrapack Milch aufgenagt und die Milch tröpfelte derweil munter durch die Kochkiste. Deshalb war statt gemütlichem Frühstück erstmal ausräumen und putzen der Kiste angesagt.

Dass es währenddessen Bindfäden regnete und an einen Ausflug im Park sowieso nicht zu denken gewesen wäre, war nur ein schwacher Trost. Als sich nachmittags die dicksten Regenwolken verzogen, wollten wir den verlorenen Tag wenigstens noch ein bisschen sinnvoll nutzen und verpassten dem Zelt gleich noch eine dicke, neue Imprägnierung, denn beim nächtlichen Regen hat es schon wieder etwas durchs Dach getropft. Ein Dach hat auch unser Lagerfeuerplatz bekommen: Frank hat unser Tarp (die erst einmal benutzte Neuanschaffung) zwischen den Bäumen aufgespannt, damit wir auch trotz Regen abends am Feuer sitzen und essen können. Die Idee war so gut, dass abends sogar noch die 5 deutschen Mädels vom Nachbarzelt angelockt wurden und sich mit um unser Feuer quetschten.

Über Nacht klart das Wetter dann endgültig auf und am folgenden Morgen quälen wir uns bei strahlend blauem Himmel fröstelnd aus dem Schlafsack, um Richtung den Torres hinauf zu wandern. Bis ganz zum Aussichtspunkt schaffen wir zwei Schlaffis es jedoch nicht – 9km den Berg hinauf war dann doch etwas weit. Viele laufen das auf zwei Etappen und schlafen auf halber Strecke in einem Refugio oder Campingplatz, da scheitert es bei uns wieder am fehlenden Wanderrucksack (um eine Ausrede sind wir nicht verlegen, gell…). Aber auch so war es ein schöner Ausflug mit vielen tollen Bildern.

Abends geht der Krieg mit der Maus in die zweite Runde. In der Nacht zuvor waren wir schlau genug, unsere ganzen Vorräte in den Motorradkoffern einzuschließen (weshalb uns die Maus auf ihrer vergeblichen Suche das ganze Gepäck vollgekackt hat). Diesmal jedoch ließ Andrea leichtsinnigerweise nach dem Essen einen der Koffer offen stehen, während sie kurz zum Spülen ging. Zurück im Zelt – keine 10 Minuten später – hatte die Maus bereits ihre Chance gewittert und hatte schon wieder unsere letzte Milch und eine Saftpackung angefressen. Andrea vertreibt das Biest, beseitigt schimpfend den Schaden und verriegelt alles wieder Mäuse-sicher. In der Nacht läuft die Maus dann endgültig Amok. Wohl aus Rache für die weggesperrten Vorräte zerkaut sie alles, was sie in Reichweite vorfindet. Der Spülschwamm liegt in kleine Fetzchen zerrissen im Packnetz (hoffentlich hat sie jetzt schön Schaum vorm Maul) und unser ehemals wasserdichter Ortlieb-Packsack hat jetzt ein paar hübsche Belüftungslöcher (und ist jetzt wohl nicht mehr ganz so wasserdicht). Sogar die Kabel von Franks Helmfunk hat das Biest aufgenagt. Als wir am nächsten Morgen unser Lager abbauen, schüttet Frank ihr zum Abschied noch ein paar Liter Wasser in den Mäusebau und Andrea beschließt, sich auf den nächsten Campingplätzen in Zukunft bei den ansässigen Hauskatzen einzuschmeicheln. Der Torres del Paine wird uns wohl in nicht so guter Erinnerung bleiben…

Unsere Fotos vom Torres del Paine…

und PS: Auf speziellen Wunsch eines Lesers… “We love to entertain you!”

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