Mit Siebenmeilenstiefeln Richtung Süden

15. Februar 2010

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Sierra de la Ventana, Argentinien: -38.139328, -61.794140
Lujan, Argentinien: -34.565731, -59.117432
Balcarce, Argentinien: -37.846407, -58.255458
Seit 8 Tagen wieder zurück in Argentinien, 4109km im Fahrtenbuch
Nachdem uns das Wetter mit Dauerregen mehrere Tage länger als geplant in Uruguay festgehalten hatte, wachten wir am 7. Februar morgens auf, um in einen wolkenlosen Himmel zu blicken. Schnell beluden wir das Motorrad, füllten unsere letzten uruguayischen Pesos in den Tank und sausten zur Grenze. Da wir von unserem vorigen Aufenthalt für Argentinien bereits eine temporäre Einfuhrerlaubnis für das Motorrad besaßen, waren die Grenzformalitäten schnell geklärt …endlich sind wir wieder in Argentinien!

Leider hielt der Sonnenschein nicht einmal 100km vor und auf unserem Weg zu unserer ersten Übernachtungs-Station in Lujan, Argentinien wurden wir auf dem Motorrad gleich zweimal von Wolkenbrüchen überschüttet. Zum Glück hatte Frank bei seiner letzten Motorradwartung die Idee, noch ein Regenablaufloch in seine Self-Made-Werkzeugkiste zu bohren, nachdem er nach dem letzten Regen ein Aquarium spazieren fuhr.

In Lujan haben wir dann sicherheitshalber wieder in einem Hostal eingecheckt, bevor uns der nächste Regenguß dann endgültig durchweicht hätte – der dann natürlich ausblieb (angenehmer Nebeneffekt: Frank konnte auf dem Hostal-Fernsehen die Superbowl-Live-Übertragung schauen).

Über die Gründung von Lujan gibt es eine nette Geschichte: Um 1630 wurde ein Marienbildnis auf einem Karren zu seinem neuen Besitzer transportiert. Der Karren blieb plötzlich stecken und konnte nicht mehr bewegt werden. Dies wurde als Zeichen gewertet, dass das Bildnis an diesem Ort bleiben wollte. Man baute deshalb für das Marienbildnis eine Kapelle, um die herum später die Stadt Lujan entstand. In den 1930er Jahren wurde dann die aufwendig verzierte Basilika vollendet, die man auf unseren Fotos sieht. In dieser neuen Basilika wird das Bildnis ausgestellt, Lujan selbst ist der wichtigste Pilgerort Argentiniens.

Ab jetzt geht es stetig südwärts. Als wollten wir die erzwungene Untätigkeit der letzten Tage kompensieren, haben wir in den letzten 3 Tagen insgesamt 900km zurück gelegt, und dabei auch unseren neuen Tagesetappen-Rekord von 350km aufgestellt. Schrullige Begebenheiten bleiben auch hier nicht aus: Auf einer unserer Autobahn-Etappen sahen wir einen PKW mit eingeschaltetem Warnblinker neben der Fahrbahn stehen, während dessen Insassen seelenruhig im neben der Autobahn fließenden Flüßchen angelten.

Auf unserem Weg nach Süden kommen wir am 9. Februar auch durch Balcarce, dem Geburtsort von Juan Manuel Fangio (für die Nicht-Formel-1-Fans: Fangio war 5-maliger Formel-1-Weltmeister und sein Rekord wurde erst durch Michael Schuhmacher gebrochen). Natürlich wird darauf durch strategisch plazierte Modelle seiner Rennwagen auf dem Weg in die Stadt hinein hingewiesen. Es gibt hier ein liebevoll eingerichtetes Museum, das auch von Mercedes Benz unterstützt wird, und das wir natürlich besichtigt haben. Die argentinische Tankstellenkette “YPF” war einer von Fangios Hauptsponsoren und hat sogar eine Spritsorte nach ihm benannt (Fangio XXI).

Etwa 500km westlich von Balcarce gibt es auch einen der wenigen Gebirgszüge in der ansonsten topfebenen argentinischen Pampa – die Sierra de la Ventana. Dort gibt es verschiedene schöne Wander- bzw. Kletterwege zu Wasserfällen, Natur”pools” und Höhlen. Wir haben unser Zelt für drei Tage direkt in dem Naturpark aufgebaut. Leider hat es in der ersten Nacht mal wieder den Himmel ausgeschüttet, so dass einige der Wanderwege nicht begehbar waren. In der besagten Nacht lief das Wasser sogar unter unserem Zelt hindurch den Berghang hinunter. Wir sind ziemlich erschrocken, als plötzlich unter der Schlafkammer des Zeltes ein Rinnsal hervorkam und sich seinen Weg durchs Vorzelt bahnte, wo wir gerade noch Abendessen kochten. Später bekamen wir dann sogar noch Besuch im Zelt: plötzlich schaute uns von unserer großen Packtasche aus ein kleiner Frosch an, dem das Wetter draußen wohl auch zu ungemütlich war.

Frank hingegen hatte dieser Tage einen nicht so erfreulichen Zusammenstoß mit der Tierwelt – ihm ist nämlich durch das offene Visir eine Biene in den Helm geflogen, und hat ihn neben das Auge in die Schläfe gestochen. Am folgenden Tag war das Auge so zugeschwollen, dass es eher nach Boxkampf als nach Bienenstich aussah. Frank hat natürlich Andrea beschuldigt, ihm nachts noch einen Schwinger aufs Auge verpasst zu haben – zum Glück war nach einem weiteren Tag das meiste schon wieder verschwunden.

Mittlerweile hat sich bei uns auch ein Reise-Rhytmus eingependelt: Immer abwechselnd bleiben wir eine Nacht in einem Hostal, um am nächsten Morgen ohne aufwendiges Packen sofort wieder weiterfahren zu können, und am nächsten (sehenswerten) Ziel campen wir für mindestens 2 Nächte, damit sich das Auf- und Abbauen des Zeltes lohnt. Einer unserer letzten Hostalaufenthalte führte uns übrigens zu einem Hotel namens “Andrea” ..vielleicht bringt es ja Glück? Andrea versuchte natürlich noch mit einem Hinweis auf die Namensverwandschaft, den Zimmerpreis herunter zu handeln – den Rabatt bekamen wir tatsächlich!

Noch mehr Bilder aus der Sierra de la Ventana und der übrigen Woche in der Fotogalerie…

7 Kommentare zu „Mit Siebenmeilenstiefeln Richtung Süden“

  1. Heidi Fox schrieb am

    Na Andrea, da hat Dein Paps ja ein gutes Händchen gehabt, als er den Namen ausgesucht hat 🙂

  2. Heidi Fox schrieb am

    Armer Frank, Du lebst ja wirklich mit Allem das mehr als 4 Beine hat auf Kriegsfuß 😉

  3. Monserat schrieb am

    Hallo ihr beiden 🙂

    liebe Grüße aus dem *Casa* und weiterhin viele interessante Eindrücke und tolle Erlebnisse wünscht euch
    Monserat

  4. Torti schrieb am

    Tolles Froschfoto, aber was steht denn da bitteschön auf der Verpackung im Hintergrund? *g*

  5. Rolle schrieb am

    Moment, Froschfoto? Das war kein Beweisbild von Franks Auge nach der Motoradfahrt?

  6. Andrea schrieb am

    Hallo, auch liebe Grüße aus dem Casa und warum kennt Ihr Schnaken? Die gibts doch nur am Altrhein.. eigentlich
    Grüße von Auch-Andrea

  7. Heidi Fox schrieb am

    Ich bin immer wieder begeistert wenn ich die schönen Bilder sehe 🙂
    fast als währe ich selbst dabei (aber nur fast)
    Also – schön weiterfotografieren – und weiterhin viel Spaß 🙂

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