Lima und die Cordillera Blanca

26. Juni 2010

21. bis 26. Juni 2010, von Nazca nach Trujillo, Kilometer 21324 bis 22695 unserer Reise
Nach dem Abschied von Mario und Siegi packen auch wir unsere Sachen und brechen auf Richtung Norden. Unser nächstes Ziel ist Perus Hauptstadt Lima. Für eine Tagesetappe ist die Entfernung zu weit, deshalb suchen wir uns kurz vor Einbruch der Dunkelheit einen Übernachtungsort. Dabei landen wir ein kleines Stück abseits der Panamericana in Cerro Azul. Offenbar ist Cerro Azul im Sommer ein Badeort, es gibt eine Strandpromenade, etliche Unterkünfte und auch einige etwas teurer aussehende Restaurants in Wassernähe. Jetzt aber, in den allgegenwärtigen Nebel getaucht, sieht es auch hier ziemlich ungemütlich aus. Der Ort wirkt wie ausgestorben, außerhalb der Saison verschlägt es offenbar wenig Übernachtungsgäste hierher. Da wir sowieso nur eine Nacht bleiben wollen, suchen wir uns eine einfache und günstige Unterkunft. Dann quält Frank unser Motorrad durch die enge Eingangstür ins Vorzimmer, wo es prompt mal eine Zimmertür komplett blockiert – aber da das Hostal sowieso nicht gerade überfüllt ist, interressiert das auch niemanden (eigentlich hätten wir es auch gleich in das Zimmer hineinrollen und aufs Bett kippen können) Anschließend suchen wir uns ein kleines Lokal zum Abendessen, aber auch das wird recht schwierig, fast alle Kneipen sind dunkel, die Türen verschlossen – Nebensaison lässt grüßen. Sobald das auch erledigt ist, holen wir uns nur noch ein paar Getränke im Supermarkt und verkriechen uns im Zimmer.

22. Juni – Bei unserer Abreise aus Cerro Azul nieselt es draußen, aber das ist bei dem ständig klebrig-feuchten Klima auch nicht weiter überraschend. Draußen vor dem Hostal auf dem kleinen Platz sitzen die Fischer des Ortes und flicken gerade ihre Netze. In einem kleinen Café auf der Hauptstraße, bei dem wir gestern noch vor verschlossener Tür standen, halten wir noch auf einen Kaffee und ein Sandwich, dann düsen wir durch bis Lima.

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Lima, Peru: -12.046374, -77.042793
Über Lima existieren ja geteilte Meinungen, viele sagen, die Stadt sei ein häßlicher Moloch und unsicher obendrein, deshalb haben wir uns im modernsten und angeblich gepflegtesten Stadtteil Miraflores vorsorglich Unterkünfte aus unserem Reiseführer herausgesucht. Bei einer davon landen wir auch letztendlich, dem “Home Peru”. Von außen ist es nicht einmal als Hostal erkennbar, sondern eines von vielen bunt gestrichenen Kolonialhäusern. Auch innen sieht unsere Bleibe richtig nett aus, hohe, herrschaftliche Flure, eine große Terrasse auf der man frühstücken kann, und das allerwichtigste hier in der Großstadt natürlich: eine Garage fürs Motorrad. Und, ach ja, einen Fernseher, auf dem man Fußball-WM schauen kann – das nächste Deutschlandspiel steht schließlich an! Außerdem hat dieses Hostal seit langem einmal wieder eine Küche zur gemeinschaftlichen Benutzung. Deswegen gehen wir gleich zum großen Supermarkt um die Ecke und kaufen Lebensmittel ein – heute abend gibts Spaghetti mit Shrimps …so kommt Frank endlich zu seinen lang ersehnten “Camarones”, wenn auch anders als gedacht.

Miraflores, Lima
23. Juni –
Heute mittag wird das letzte deutsche Gruppenspiel übertragen, also steht mal wieder Fußball auf dem Programm. Gleich nach dem Frühstück verziehen wir uns in den Fernsehraum, um zu verhindern dass ein paar andere Hostalgäste das Teil vielleicht mit einem Film in Beschlag nehmen. Nachdem Deutschland sich erfolgreich den Einzug ins Achtelfinale gesichert hat, können wir aber guten Gewissens noch einmal zu einem Stadtbummel aufbrechen. Eigentlich hatten wir ja überhaupt keinen Aufenthalt in Lima eingeplant, aber da wir nun schon einmal da sind, wollen wir natürlich auch selbst sehen, ob Lima wirklich so häßlich ist, wie uns prophezeit wurde.

Miraflores straft diese Gerüchte jedoch Lügen: überall gibt es alte, liebevoll verzierte Häuser zwischen hochmodernen Architekturpreiskandidaten. Die Hostalchefin hatte uns eine große Einkaufsmeile direkt an der Küste empfohlen, und so folgten wir der Hauptstraße bis hinunter an die felsigen Klippen, die hier an den Pazifik grenzten. Eine Einkaufsstraße finden wir hier jedoch nicht, merkwürdig. Gut, dann machen wir wenigstens ein paar Fotos von den Klippen hinunter, an denen auch gerade malerisch die Sonne untergeht. Wir werfen einen Blick von einer Aussichtsterrasse nach unten …und sehen die Einkaufszone, die über zwei bis drei Etagen hinweg direkt in die Steilküste hineingebaut wurde! Siehe da, hier hat sie sich versteckt… Allerdings merkt man hier auch, das dies wohl eines der exklusivsten Pflaster Limas ist, fast ausschließlich hochpreisige Markenartikel werden hier verkauft, zum Einkaufsbummel also nicht das richtige für uns. Als wir aber plötzlich vor einem Kino stehen ist das Abendprogramm klar. Wir waren noch nie in Südamerika im Kino, aber praktischerweise werden die meisten Filme in englischer Sprache, nur mit spanischen Untertiteln, gezeigt. Ehe wir uns versehen sitzen wir also im Kinosaal und schauen uns “Prince of Persia” an, ein Actionfilm ist genau das richtige, da bekommt man die Handlung wenigstens auch dann mit, wenn man mal nicht jedes Wort versteht. Unser erster Kinobesuch seit einem halben Jahr…

Am nächsten Tag reisen wir bereits wieder aus Lima ab, wir waren in letzter Zeit oft genug in großen Städten und es zieht uns wieder weiter. Wir brauchen über eine Stunde um uns aus der Stadt wieder herauszukämpfen, der Weg Richtung Norden führt nämlich einmal mitten durch die Stadt hindurch. So kommen wir auch in den fragwürdigen Genuß, die anderen Stadtteile einmal zu sehen. Unser Stadtteil Miraflores war davon definitiv der schönste, ansonsten ist Lima wirklich teilweise einfach nur eine vollgestopfte Großstadt wie so viele auf der Welt.

Als wir es endlich aus dem Straßendschungel hinaus geschafft haben folgen wir der Panamericana weiter nach Norden. Auf dem Weg zu unserer heutigen Übernachtungsstation platzt direkt vor uns einem LKW der Reifen. Es gibt einen fürchterlichen Knall und die gerissene Reifendecke fliegt direkt auf uns zu. Zum Glück kann Frank ausweichen, danach geht es erstmal im Slalom um die ganzen Gummibrocken, die uns entgegenregnen. Nachdem dieser Schock überstanden ist erreichen wir schon bald Paramonga. Hier wollten wir uns für die Nacht ein Hostal suchen, in der Annahme, dass es hier wegen einer nahegelegenen Ruinenstätte ein bisschen Auswahl geben sollte. Auswahl gibt es nach einigem Suchen schon, nur an Unterstellmöglichkeiten für unser Motorrad mangelt es. Wir werden von einem Hostal zum anderen geschickt, jeder glaubt zu wissen, wo es garantiert einen Parkplatz fürs Motorrad gäbe. Letztendlich landen wir in einer ziemlich merkwürdigen Absteige, die zwar eine große Garage hat, aber auch eine abschließbare Gittertür zwischen Rezeption und der Treppe zu den Zimmern. Wenn man vom Zimmer runter auf die Straße will muss man erst eine Klingel drücken, damit man hinaus gelassen wird. Entweder war das mal ein Gefängnis oder eine völlige Fehlkonstruktion, die nicht nur Diebe aus- sondern die Gäste einsperrt. Andrea ist es dabei ziemlich mulmig und sie malt Frank Horrorgeschichten aus, dass wir hier ja eingeschlossen wären, wenn das Hostal plötzlich in Flammen aufgehen sollte.

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Paramonga, Peru: -10.678465, -77.819574
Cordillera Blanca
25. Juni –
Natürlich ist das Hostal nicht abgebrannt und wir verlassen die merkwürdige Absteige am nächsten Morgen wieder. Heute führt uns unser Weg fort von der Panamericana, hinauf in die Cordillera Blanca. In diesem Gebirgszug gibt es über zwanzig 5000er Gipfel, und auch den höchsten Berg Perus, den Huascaran mit über 6700 Metern. Die meisten Gipfel sind so hoch, dass sie von Schnee bedeckt sind, daher auch der Name “weiße Kordillere”. Sogar eine Gletscherzunge ist deutlich auf einem der Berge zu sehen. Der Weg dort hin führt uns auch prompt wieder über einen 4100 Meter Pass. Es wird zwar deutlich kälter, aber im Gegensatz zu früher sind wir hier so dicht am Äquator, dass man nicht einmal richtig friert. Nun ist es wohl tatsächlich endlich soweit, die Thermo-Unterwäsche nach Hause zu schicken, die wir uns für genau solche Situationen vorsorglich noch einmal behalten hatten…

Wir bleiben allerdings nicht lange im Gebirge, die Landschaft ist zwar schön, aber zum Wandern fühlen wir uns zu faul, deshalb belassen wir es dabei, mit dem Motorrad an der Kordillere entlang zu fahren, und nach einer Übernachtung in der Gebirgsstadt Caraz wieder einen Schwenk zur Küste zurück zu machen. Eigentliche hatten wir gehofft, hier in der Cordillera Blanca endlich auch mal “Cuy” probieren zu können. Achtung, jetzt gibt es gleich Haue: Meerschweinchen ist nämlich ein traditionelles Gericht aus dem peruanischen Hochland. Man soll ja einheimischer Küche gegenüber aufgeschlossen sein, und das Alpaka-Steak hatte sich damals auch als echte Köstlichkeit erwiesen. Meerschweinchenliebhaber können jetzt aber erst mal aufatmen, wir haben die Gelegenheit nämlich leider verpasst. Auf unserer Fahrt hatten wir mehrmals Cuy auf der Menütafel der Restaurants an der Straße gelesen, als wir dann aber endlich ein Lokal fürs Abendessen suchten, war natürlich kein Cuy aufzutreiben (Na, kommt uns das von Franks frischen Camarones an der Küste bekannt vor?).

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Caraz, Peru: -9.524884, -77.530262
Ohne diese kulinarische Bereicherung hangeln wir uns also von Caraz wieder zurück an die Küste. Diesmal müssen wir zwar keinen hohen Bergpass überqueren, dafür hört kurz hinter Caraz die bisher so bequem asphaltierte Straße auf. Die Schotterstraße, die nun folgt, führt durch die tiefe Schlucht des Rio Santa, und ähnelt stellenweise mehr einem Maultierpfad als einer Straße. Frank kämpft sich mit dem Motorrad über dicke Steine und durch von Wasser ausgespülte Rinnen. Dazwischen hat es etliche Tunnel, die so eng sind, dass wir uns fragen, wie die großen Busse, die uns gelegentlich entgegenschwanken, hier überhaupt hindurchpassen konnten. Glücklicherweise kommt uns nie einer IM Tunnel entgegen…

Als wir endlich wieder aus der Schlucht heraus sind schauen wir auf Uhr und Tacho und stellen fest, dass wir über 3 Stunden für gerade mal 100km Strecke gebraucht haben. Deshalb legen wir erst einmal eine Mittagspause ein. Während wir noch das obligatorische Reis-mit-Hühnchen löffeln, fahren plötzlich zwei BMW Dakars vor. Der Fahrer der einen springt ab, zupft an unserem Deutschlandfähnchen und winkt grinsend das andere Motorrad herbei. Wie es sich herausstellt sind die beiden, die da von unserer Beflaggung angelockt wurden, auch aus Deutschland. Anja und Holger sind allerdings schon ein wenig länger als wir in der Welt unterwegs, gute 3 Jahre um genau zu sein (hier haben die beiden auch eine Webseite…). Da sie in entgegengesetzter Richtung zu uns unterwegs sind, können wir noch ein paar gute Tipps für Nordperu, Ecuador und die Galapagos-Inseln abstauben.

Bevor wir uns aber zu sehr verplaudern, müssen wir weiter – mit frischen Informationen versorgt! Wir wollen heute abend noch in Trujillo ankommen, die Mission “Dschungelabenteuer” ruft… davon aber mehr im nächsten Bericht!

Damit die Zeit bis zu unserer Rückkehr aus dem Dschungel und dem nächsten Bericht nicht zu lang wird gibt es hier noch ein paar Fotos…

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