In der Hauptstadt Quito

22. Juli 2010

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Quito, Ecuador -0.180653, -78.467838
 19. bis 22. Juli 2010, von unserer Ankunft in Quito bis zum Abflug zu den Galapagos-Inseln, 5. bis 8. Tag in Ecuador
So, nun sind wir also wieder einmal in einer Hauptstadt angekommen. Verglichen mit Buenos Aires, Montevideo, Santiago de Chile, Sucre und Lima haben wir von Quito vermutlich am wenigsten gesehen. Zumindest was Sehenswürdigkeiten anbelangt, da unser Besuch in Quito eigentlich rein praktischer Natur war. Hier wollten wir unsere Flüge nach Galapagos buchen, neue Reifen fürs Motorrad finden und ein paar Lästigkeiten wie Öl- und Luftfilterwechsel durchführen. Ersteres klappte ohne Probleme, zweiteres war reine Zeitverschwendung und letzteres klappte mehr schlecht als recht.

Die Flüge nach Galapagos hatten wir gleich am ersten Morgen in Quito erledigt. Natürlich kann man auch in Ecuador eigentlich Flüge bequem übers Internet buchen, die Online-Systeme der Fluggesellschaften wollten uns jedoch erklären, der nächste freie Flug sei frühestens in 2 Wochen verfügbar (sofern sie nicht gerade ganz Out-of-Order waren). Deshalb dachten wir, es sei wohl das einfachste, nacheinander die Büros der verschiedenen Airlines in Quito abzuklappern und vor Ort nachzufragen. So weit kamen wir jedoch gar nicht, den zufällig spazierten wir an einem Reisebüro vorbei, das Touren nach Galapagos im Schaufenster anpries – da dachten wir uns, fragen wir doch einfach mal hier nach… Tatsächlich hatte die Dame für 23. Juli noch einen Flug für uns frei, und damit steht unserem Urlaub im Schildkrötenparadies nichts mehr im Wege.

Wenn’s doch nur immer so einfach wäre… Als nächstes sind wir zur BMW-Motorrad-Vertretung von Quito gefahren, weil wir neue Reifen und einen neuen Ölfilter brauchten. Es klingt überaus absurd, aber man hatte dort keinen einzigen Motorradreifen auf Lager. Und so verlassen wir mit einer Adresse für einen Reifenhändler in der Hand wieder die Service-Stelle. Aber wir kennen ja inzwischen Südamerika: es ist NIE die erste Adresse, es ist eigentlich wie bei einer Schnitzeljagd – man hangelt sich einen Tag lang von einem Hinweis zum nächsten! Nur dass in unserem Fall nicht eine Schatztruhe mit Süßigkeiten auf uns wartete, sondern nur lange Gesichter… Fakt ist, dass unsere heiß ersehnten Metzeler Karoos im Nachbarland Brasilien produziert werden, aber man in Ecuador umständlicherweise nur Metzeler zu horrenden Preisen aus den USA importiert. Bei unserer Zweitwahl Continental TKC-80 sieht es nicht besser aus. Nur Pirellis bekommt man überall hinterhergeschmissen, aber mit denen auf dem Vorderrad zappelte unser Motorrad wie ein Hundewelpe. Wir verschieben die Beschaffung des neuen Schuhwerks für unser Moto – wieder einmal – bis nach Kolumbien, dann wird es aber höchste Eisenbahn, man kann inzwischen nur erahnen, dass wir mal einen Stollenreifen hatten.

Wenigstens hatten wir während dieser Odyssee Zeit, das überaus praktische ÖNV-System von Quito kennenzulernen. Davon könnte sich so manche deutsche Stadt eine Scheibe abschneiden: Es gibt drei Buslinien, die sich (mit Querverbindungen) in Nord-Süd-Richtung durch Quito ziehen. Man zahlt einmalig 25 Cent, und kann soweit fahren, und so oft umsteigen wie man möchte. Und da die Busse alle paar Minuten fahren, wartet man auch nie lange auf eine Anschlussverbindung.

Noch etwas hat Quito so mancher Stadt bei uns voraus: gigantische, hochmoderne Einkaufszentren, die sogar das neue Loop 5 an der A5 in den Schatten stellen. Soviel zu dem Gedanken, dass man sich im “armen” Südamerika befinde. Ehrlich gesagt, die meisten Geschäfte bewegen sich auf europäischem Preisniveau. Wir belassen es bei einem bewundernden Staunen, 30 Dollar für ein T-Shirt geben wir ja nicht mal zuhause aus…

Auch die Supermärkte (oder besser gesagt “Hipermercados”) lassen einen mit offenem Mund dastehen, als käme man selbst gerade vom Urwald in die Zivilisation. Wir waren in Supermärkten, die von der Grundfläche her eher einem Einkaufszentrum gleichkommen. Alleine die Fleischtheken wecken in Frank den Wunsch, hier zwei Wochen zu bleiben, um sich einmal von links nach rechts durchzufuttern. Deswegen haben wir die Gelegenheit genutzt, in unserem Hostal mal jeden Abend schön zu kochen (bei T-Bone-Steaks für 2 Dollar das Stück kann man nicht einmal ein schlechtes Gewissen bei der Schlemmerei haben).

Nach unserer Schnitzeljagd nach neuen Reifen, die uns fast einen kompletten Tag in Anspruch nahm, verbringen wir die beiden folgenden Tag eher faul und schauen uns die riesigen Einkaufszentren an. Dann jedoch ist noch einmal Arbeit angesagt, unser Motorrad wartet immer noch auf ein paar Wartungsarbeiten… Passendes Motoröl aufzutreiben war fast ebenso zeitraubend wie die Reifensorte. Nach einer Rundfahrt durch halb Quito wird Frank dann aber endlich fündig. Er hat sich viel vorgenommen, und bald liegen Werkzeuge und Ersatzteile im Hof des Hostals verstreut.

Das Auswechseln der Zündkerzen und des Luftfilters geht schnell, dann aber wird das Motorrad bockig. Die Schraube zum Ablassen des Motoröls will einfach nicht aufgehen. Beim letzten Ölwechsel wurde das Altöl vermutlich nur abgesaugt, und nun ist die Schraube richtig festgefressen. Frank versucht es mit allen Tricks, liegt schimpfend und fluchend wie ein Rohrspatz unter dem Motorrad und geht sogar noch einmal los, um sich eine andere Zange zu kaufen. Alles vergeblich! Mit Einbruch der Dunkelheit gibt er auf, und verschiebt den Ölwechsel bis nach unserer Rückkehr von Galapagos.

Als Frank nun das Motorrad noch schnell wieder zusammenbauen will, streikt auch noch plötzlich der Anlasser, das Bike will nicht mehr anspringen. Also geht die Fehlersuche von vorne los, es kann eben nichts “mal schnell” gehen. Batterie – in Ordnung, neue Zündkerzen – auch einwandfrei, Kabelverbindungen – schaut auch gut aus. Zuerst hat Frank das Startetrelay in Verdacht und fürchtet, nach Galapagos nun auch noch ein neues hier beschaffen zu müssen. Letztendlich stellt sich aber heraus, dass doch “nur” der Unterbrecher vom Seitenständer Schuld ist, der verhindert, dass man das Motorrad mit ausgeklapptem Seitenständer starten kann. Damit hatten wir in Bolivien auf dem Salzsee schon mal Probleme, nun hat das Teil wohl endgültig das Zeitliche gesegnet. Zum Glück ist das nichts, was uns hier in Quito dann noch aufhält, das kann man provisorisch beheben – mit dem Ölwechsel sieht das aber anders aus, jetzt stehen die neuen Ölflaschen hier herum, das Altöl will nicht raus, und um das ganze Öl bei der Weiterfahrt mitzuschleppen haben wir eigentlich auch keinen Platz, unsere Taschen sind ja jetzt schon bis auf den letzten Kubikmillimeter ausgestopft.

Während Frank unser Motorrad beschimpft hat, hat Andrea derweil (wieder einmal) unser ganzes Gepäck umsortiert und auf zwei handliche Rucksäcke reduziert (damit machen sich die Rucksäcke, die wir uns für die Bootsfahrt im Dschungel gekauft hatten, schon zum zweiten Mal nützlich…). Den sperrigen Rest bewahrt man in der Abstellkammer des Hostals bis zu unserer Rückkehr von den Inseln für uns auf. Genau wie unseren Idefix, der in dieser Zeit wohlbehütet im Garten auf uns warten, und sich überlegen darf, ob er sich nicht doch kooperativer verhalten will. Na ja, kommt Zeit – kommt Rat, und Zeit haben wir ja nun erstmal reichlich, während wir 6 Tage zu den Riesenschildkröten fliegen…

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