Hitzefrei!

17. September 2010

6. bis 17. September 2010, von San José zurück an die Karibiküste, Kilometer 27793 bis 28017 unserer Reise, Tag 17 bis 28 in Costa Rica

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San Jose, Costa Rica 9.928069, -84.090725
Was machen zwei einsame Reisende, wenn der letzte Besuch aus der Heimat gerade in den Flieger gestiegen ist und man plötzlich ganz ohne Verabredungen, Termine oder Ziele in den Tag hinein leben könnte? Fast so als ob man an einem Montagmorgen nach einem schönen Wochenende etwas widerwillig wieder in den Arbeitsalltag zurückkehrt, kümmern wir uns um einige längst anstehende Dinge:

Für unsere Kamera, die seit dem Unfall auf Galapagos (der mittlerweile auch schon wieder über 6 Wochen zurück liegt …wir berichteten) einen Defekt am Objektiv hat, haben wir in San José eine kompetente und vertrauenswürdige Service-Niederlassung von Canon gefunden. Dort geben wir die Kamera nun ab – zunächst einmal nur für ein paar Tage, um den Reparaturaufwand abschätzen zu lassen und festzustellen, ob für die Reparatur Ersatzteile bestellt werden müssen. Bis das erledigt ist, werden wir in San José bleiben.

Frank nutzt die paar Tage Wartezeit, um die neuen Motorradteile einzubauen. Idefix hat jetzt endlich wieder ein Kettenzahnrad, dass nicht mehr nur aus Stummeln besteht, eine neue Bremsscheibe und Bremsbeläge und der Kettenspanner ist auch wieder ordentlich repariert.

Leider hat sich dann 4 Tage später herausgestellt, dass bei unserer Kamera die Linseneinheit beschädigt ist und komplett ausgetauscht werden muss. Die Lieferzeit dieses Ersatzteils beträgt stolze 30 Tage. Allerdings können wir während dieser Zeit unsere Kamera natürlich wieder mitnehmen und ganz normal in ihrer momentan eingeschränkten Funktion benutzen. Sobald das Ersatzteil in San José eingetroffen ist, werden wir benachrichtigt und müssen das Gerät dann eben zur endgültigen Reparatur wieder vorbei bringen.

Nun werden wir erst einmal wieder zurück an die Karibik fahren. Während wir mit unseren Freunden 4 Tage in Puerto Viejo waren, haben wir uns nämlich schon eine tolle, preiswerte Langzeitbleibe ausgesucht (wir haben ja schon geahnt, dass das mit dem Fotoapparat eine längere Geschichte wird). In der Surferabsteige “Rocking J’s” kann man sein Zelt auf einem überdachten Gelände aufschlagen, ist vor Regen und der brütenden Hitze geschützt und kann Küche und Duschen mitbenutzen. Platz um vor dem Zelt unsere Faulenzer-Hängematten aufzuspannen gibt es auch und wir haben Stromanschluß und WiFi direkt im Zelt …alles was das Camper-Herz begehrt. Kostenpunkt: 9 Dollar für zwei Personen. Wir haben beschlossen, uns hier für eine Weile einzunisten und Ausflüge ins Umland oder sogar bis nach Panama zu machen, dessen Grenze nur noch ca. 30kmvon Puerto Viejo entfernt ist.

Der Weg nach Puerto Viejo wird jedoch zur Gewalttour – bereits morgens um 9 Uhr ist es brennend heiß, in den Motorradklamotten wird man im eigenen Saft geschmort, und dann läuft uns auch noch 60 Kilometer vor dem Ziel die Maschine heiß. An einer Tankstelle, zu der es zum Glück nicht weit war, kühlt Frank das Motorrad mit dem Wasserschlauch herunter und füllt das Kühlwasser auf. Wir sind noch keine 5 Kilometer wieder auf der Strecke als die Temperaturwarnleuchte erneut angeht – der Kühlkreislauf des Motorrades muss irgendeinen Defekt haben – bei 30 Grad im Schatten der denkbar ungünstigste Zeitpunkt. Wir schütten Wasser aus unserer Wasserflasche direkt auf den Zylinder, das sofort zischend verdampft. Zum allerersten Mal entpuppt sich unser zusätzlicher Wassertank am Motorrad nicht nur als netter Luxus beim Zelten sondern als Retter in der Not. Wir quälen uns Kilometer um Kilometer voran, Andrea als Wasserträger mit der Flasche unter dem Arm, aus der Frank während der Fahrt immer wieder Wasser direkt auf den Zylinder laufen lässt. Dann alle paar Kilometer anhalten, Wasserflasche aus dem Tank wieder voll füllen und hoffen, dass bald die nächste Tankstelle mit einem Wasserschlauch kommt, um das Motorrad mal gründlich abzukühlen. Frank spielt im Geiste schon alle möglichen Ursachen für den Defekt durch: ein kaputtes Zahnrad an der Wasserpumpe wäre die einfachste Lösung, eine kaputte Zylinderkopfdichtung die Schlimmste (und eventuell sogar das Ende unserer Motorradreise). Unser Idefix hat wohl doch noch ein Aufmerksamkeitsdefizit zu verarbeiten weil wir ihm so lange untreu waren…

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Puerto Viejo, Costa Rica 9.658333, -82.752778
 Am nächsten Tag beginnt Frank, das Motorrad bis in seine Eingeweide zu zerlegen. Die Wasserpumpe ist nicht gerade einfach zu erreichen. Unser schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich zum Glück nicht, es sind in der Tat nur zwei Zahnräder, die die Wasserpumpe antreiben, die sich abgenutzt haben (mit Zahnrädern haben wir irgendwie kein Glück, erst das Kettenzahnrad, dann diese beiden). Frank schimpft wie ein Rohrspatz, wie BMW nur auf die dämliche Idee kommen konnte, diese Zahnräder aus Kunststoff zu machen. Das Motorradforum im Internet spuckt nämlich die Information aus, dass es bei dem Kilometerstand wohl häufiger vorgekommen ist (unser Idefix hat jetzt über 45000km auf dem Buckel), dass die Wasserpumpen-Zahnräder an Altersschwäche gestorben sind. Wir haben uns im Internet die BMW-Motorrad-Niederlassung in San José herausgesucht, eine E-Mail geschrieben, welche Ersatzteile wir benötigen und prompt binnen kürzester Zeit die Antwort bekommen, dass die Teile für uns bestellt werden und voraussichtlich in ca. 2 Wochen ankommen. Auch ein Versand zu uns nach Puerto Viejo ist anscheinend kein Problem. Danach hat Frank das Vergnügen, das Motorrad, das momentan halb zerlegt neben unserem Zelt steht wieder zusammen puzzeln zu müssen. Mal schauen, welche Schrauben diesmal übrig bleiben…

Wir hätten sicherlich einen schlechteren Platz erwischen können, um wartenderweise irgendwo festzusitzen. Die Ausflüge ins weitere Umland sind zwar erst einmal auf unbestimmte Zeit vertagt, aber einfach mal eine Weile zu faulenzen, zu lesen, in der Hängematte zu liegen oder im Meer zu baden muss schließlich auch mal sein, schließlich sind wir ja eigentlich im Urlaub. Die längste Zeit, die wir in den vergangenen achteinhalb Monaten an einem (Schlaf)-Platz verbracht haben waren die acht Nächte zu Beginn in Buenos Aires, danach sind wir immer nach spätestens 5 Tagen weitergereist, getrieben von der inneren Unruhe, weiterzukommen.

Unseren Hochzeitstag am 13. September verbringen wir mit einem für uns ganz besonders luxuriösen Frühstück: deutscher Schokopudding mit Vanillesoße, von Franks Mama geschickt – und abends suchen wir uns in Puerto Viejo ein nettes Restaurant. Wie’s der Zufall will landen wir prompt im Lokal einer Deutschen, die seit 8 Jahren mit ihrem Sohn hier in Costa Rica lebt. Wer feiert schon seinen zweiten Hochzeitstag während seiner “Hochzeitsreise”?

Im Übrigen haben wir im “Rocking J’s” noch ein ganz liebes österreichisches Pärchen wieder getroffen, die wir auch schon im Hostal in San José kennengelernt haben. Die beiden sind für ein halbes Jahr unterwegs, im Gegensatz zu uns allerdings noch ganz am Anfang ihrer Reise, und bleiben auch eine Weile zum Badeurlaub in Puerto Viejo. Mittlerweile verbringen wir die Abende meistens mit Melanie und Josi, halten den Hostalgrill unter Dauerfeuer, würfeln und lassen uns bei österreichischen Kartenspielen unter den Tisch zocken. So könnte man es eine Weile aushalten – an der Karibik bekommen wir von der Regenzeit wundersamerweise auch ziemlich wenig mit, die Tage sind heiß und sonnig und selbst das Meerwasser ist warm wie in der Badewanne. Unsere Schnorchelausrüstung hatte inzwischen auch ihren ersten Einsatz. Franks ersehnter Surfkurs muss allerdings noch warten, dem Surferparadies sind saisonbedingt gerade die Wellen ausgegangen.

Wir leben gerade ein bisschen in den Tag hinein – wenn die Motorradteile eine Woche länger brauchen sind wir sicherlich auch nicht traurig darum… In diesem Sinne: “Pura Vida”

2 Kommentare zu „Hitzefrei!“

  1. Hanka & Erik schrieb am

    Hach, es ist wieder mal schön, so bei Euch reinzuschmökern – die Sehnsucht packt einen gleich wieder! Genießt die Zeit so intensiv es geht, macht Euch immer wieder bewusst, dass Ihr etwas ganz Besonderes erleben dürft – wir sind stolz, dass Ihr Euch das getraut habt! Ganz liebe Grüße
    Hanka, Erik & Mika
    PS: MRT war nett vorletztes WE, aber reisen ist natürlich besser!

  2. Dominik Weber schrieb am

    Hallo ihr beiden.
    Ich muss zu meiner Schande eingestehen, dass ich kein einziges Wort eurer Dokumentation verpasst habe jedoch habe ich es in der ganzen Zeit nicht geschaft euch öfter etwas zu schreiben. Mit Respekt, Annerkennung und einer gehörigen Portion Neid lese ich jede eurer “Folgen”. Als begeisterter Motorradfahrer bin ich mit dem Herzen immer bei euch, besonders wenn Idefix mal bockt. Ich hoffe ihr verbringt noch wundervolle Tage in der Karibik und wünsche euch viel Glück, vor allem bei der anstehenden Reparatur. Weiterhin alles Gute und kommt gesund wieder nach Hause.

    Dominik Weber

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