Motorradumbau

Warum gerade eine BMW F 650 GS?

Unsere Erfahrungen auf den Straßen Costa Ricas haben uns eines gezeigt: die meisten Überlandstraßen haben etwa die Qualität eines Feldweges hier in Deutschland. Wenn die Straßen asphaltiert sind, dann umfährt man Schlaglöcher in der Größe eines Karpfenteichs, und mit einer Geschwindigkeit von 50km/h ist man mal richtig flott unterwegs! Dabei zählt Costa Rica noch zu den Ländern mit einer der besten Infrastrukturen.

Wir brauchen also kein Motorrad, das mit hohen Reisegeschwindigkeiten aufwarten kann, sondern ein Motorrad, das uns auch schwer bepackt über „Stock und Stein“ trägt, eine Reise-Enduro soll es also unbedingt sein. Aber auch hier bietet der Markt eine unerschöpfliche Auswahl.

Unsere Entscheidungskriterien:

  • BMW bietet ein weltweit gut ausgebautet Service- und Ersatzteilnetzwerk
  • Nach unseren Recherchen fährt in Argentinien die dortige Motorradpolizei auf BMW Maschinen, so dass viele Werkstätten die Ersatzteile sogar direkt vorrätig haben (immerhin halten wir uns rund 4 Monate in Argentinien selbst und in direkt angrenzenden Staaten auf)
  • die F 650 GS hat einen robusten langlebigen Einzylinder-Motor
  • Reise-Enduros sind üblicherweise nicht unbedingt für 1,60m kleine Fahrerinnen ausgelegt – die F 650 GS hat von allen Motorrädern dieser Kategorie die niedrigste Sitzhöhe und war deshalb sofort Andreas Favorit

Natürlich ist es mit dem Motorradkauf alleine nicht getan, einige kleinere und größere Umbauten machen unser zweirädriges Muli erst fit für die lange Tour…

Vorher…

Nachher…

Mehr Bilder von unserem (fast fertig) umgebauten Motorrad…

Tankvergrößerung

Unsere BMW F 650 GS hat ab Werk ein Tankvolumen von ca. 17 Litern. Theoretisch würde das hier in europäischen Gefilden eine Reichweite von etwa 350km bedeuten. Praktisch werden wir jedoch teilweise in extremen Höhenlagen unterwegs sein (das Altiplano in Bolivien liegt beispielsweise etwa 4000m üNN), damit steigt auch unser Spritverbrauch. Außerdem gibt es Regionen in Südamerika, in denen Tankstellen bisweilen recht dünn gesät sind.

Die Lösung dafür bietet Touratech in Form eines Tankumbaus an, der speziell auf unser Motorradmodell zugeschnitten ist. Damit lässt sich das Tankvolumen auf insgesamt 39 Liter erhöhen! Wir haben jedoch eigene Pläne mit dem zusätzlichen Voumen… Eine der beiden je 11 Liter fassenden “Backen” wird unseren Wasservorrat transportieren. Damit ist das Problem, die Wasservorräte schwerpunkt-technisch günstig am Motorrad anzubringen gleich mit vom Tisch.

Fazit nach 9 Monaten Reise: Wir würden die Tankvergrößerung (obwohl einer der kostspieligsten Umbauten am Motorrad) jederzeit wieder machen. In Argentinien, Chile und Bolivien ist die Tankstellendichte nicht so hoch (teilweise 200 Kilometer und mehr durch unbesiedeltes Land ohne eine einzige Tankstelle), so dass wir sicher mehr als einmal gestrandet wären, wenn wir die Reichweite unseres Motorrades nicht erhöht hätten (mit dem einen 11 Liter Tank erhöhte sich die Reichweite von 350 auf rund 700 km) …oder wir hätten an jeder Tankstelle auf der Strecke auf Verdacht tanken müssen. In den anderen Ländern bedeutet es einfach mehr Flexibilität, ist aber kein echtes „Muss“ mehr. Zu unserer Variante, die eine 11 Liter Tankhälfte für Trinkwasser zu benutzen, müssen wir sagen, dass es nicht notwendig gewesen wäre. Wenn wir oft unvorhergesehen wild gecampt hätten, wäre es sinnvoll gewesen, immer einen Notvorrat an Trink- und Kochwasser dabei zu haben, so war es nur nette Spielerei. Wer – so wie wir – eigentlich immer auf Campingplätzen sein Lager aufschlägt (mit durchweg guter sanitärer Versorgung), kann auf einen Extra-Wasservorrat verzichten.

progressive Gabelfedern, verstärktes Federbein

Unser Motorrad erlaubt eine Zuladung von 188kg. Zieht man davon unser eigenes Körpergewicht ab, bleiben nur rund 50kg für unsere Habseligkeiten.  Unsere beiden Alukoffer voll mit Kleidung, Kochausrüstung etc. bringen zusammen mit dem Zelt bereits rund 40kg auf die Waage. Die beiden zusätzlichen Tanks für unsere Wasser- und Benzinvorräte (siehe oben) bringen voll befüllt weitere 22kg Gewicht hinzu, womit das Limit schon weit überschritten ist.

So hoffnungslos überladen über die Wellblechpisten zu hoppeln hätte das werksseitige Federbein keine 12 Monate mitgemacht. Deshalb haben wir gleich sowohl das Federbein als auch die Gabelfedern durch härtere Alternativen ersetzt. Vorne haben wir progressive Gabelfedern der Marke Wirth verbaut, hinten ziert ein Öhlins Federbein mit verstellbarer Federvorspannung unser Maschinchen.

Fazit nach 9 Monaten Reise: Unserer Meinung nach ein absolutes Muss! Im Nachhinein hätten wir bei unserer Reisevariante – zu zweit mit Gepäck auf einer Maschine – sogar die härtere Variante des Öhlins Federbeins gewählt, das in 2 Stufen erhältlich ist. Unsere Härtestufe ist beinahe etwas unterdimensioniert, denn zu zweit und vollbepackt bringt unser Gefährt rund 420 Kilogramm auf die Waage. Bei schlimmen Schlaglochstrecken wurde die Federung bis an ihre Grenze beansprucht.

Kettenschmiersystem CLS 200μ

Das CLS 200µ von CLS Chain Lube Systems ist ein elektronischer, temperaturgesteuerter Kettenöler, der die permanente Schmierung und Reinigung der Kette garantiert. Gerade bei unbefestigten Straßen erspart man sich durch die ständige Schmierung und gleichzeitige Reinigung der Kette viel mühsame Wartungsarbeit. Das System arbeitet mikroprozessorgesteuert. Die Elektronik gleicht auch die Fließeigenschaften des Öls bei verschiedenen Umgebungstemperaturen aus, es ist kein manuelles Nachstellen bei unterschiedlichen Temperaturen erforderlich.

Zur Dosierung wird das System auf die verwendete Kettenlänge und die durchschnittliche Außentemperatur eingestellt. Zusätzlich erlaubt ein Drehschalter eine Feindosierung auch während der Fahrt.

Fazit nach 9 Monaten Reise: Ein absolut sinnvolles Tool, das einem die Sorge um eine kontinuierlich optimal geschmierte Kette abnimmt.

Eigenbau: Aluminium-Werkzeugbox

Frank hat eine große (abschließbare!) Werkzeugbox aus Aluminium konstruiert und geschweißt, die fest am Motorrad-Schutzblech verschraubt ist. Werkzeug und Ersatzteile verbleiben also ständig am Motorrad und sind uns nicht zwischen unserem restlichen Gepäck im Weg. Ähnliche Teile gibt es auch fertig im Fachhandel zu kaufen, die fertigen Werkzeugboxen hätten jedoch nur knapp ein Drittel soviel Stauraum geboten wie unser Eigenbau.

Fazit nach 9 Monaten Reise: Frank ist auch nach vielen Monaten noch zufrieden mit seiner Konstruktion, sowohl was Größe, Plazierung und Befestigung betrifft. Ein einziges Manko hat unsere Werkzeugbox: bei nasser Fahrbahn läuft sie durch vom Vorderrad aufspritzendes Wasser voll. Frank hat das durch ein Wasserablaufloch am Boden der Box gelöst, würde die nächste Konstruktion jedoch von vornherein spritzwassergeschützt bauen.

Eigenbau: Seitenständer-Verlängerung mit breiterem Standfuß

Mit dem bisherigen Seitenständer hatte das Motorrad schon eine ziemlich grenzwertige Schräglage. Zusätzliches Gewicht durch gefüllte Seitentanks und Gepäck hätte der Ständer nicht mehr verkraftet. Unsere Eigenbau-Lösung besteht aus mehreren verschraubten Alu-Platten, die den Seitenständer verlängern und gleichzeitig die Auflagefläche vergrößern, um damit das Einsinken und Umkippen des Motorrades auf losem Bodengrund zu verhindern.

Fazit nach 9 Monaten Reise: Eine Verbreiterung der Auflagefläche ist auf jeden Fall immer sinnvoll, wir hatten oft mit weichem Untergrund zu kämpfen und mussten flache Steine, oder Holz als Unterlagen für den Ständerfuß suchen. Allerdings sollte man darauf achten, dass die Verbreiterung im eingeklappten Zustand des Ständers nicht die Bodenfreiheit beeinträchtigt. Diesen Fehler hatte unser Eigenbau zunächst, so dass Frank unterwegs die Auflageplatten noch zurecht feilen musste. Wir sollten übrigens noch anmerken, dass die Verlängerung des Ständers bei uns nur deshalb notwendig war, weil wir das Motorrad in tiefergelegtem Zustand gekauft hatten und infolgedessen unser Seitenständer nicht die originale Werkslänge hatte.

Eigenbau: Scheinwerfer-Schutzgitter

Hier hat Frank ein preisgünstiges Metall-Drahtgitter in Form geschweißt, anschließend lackiert und am Windschild verschraubt. Schützt das Scheinwerferglas vor Steinschlägen (sinnvoll, wenn man so wie wir vermutlich, viel auf Schotterpisten unterwegs ist).

Fazit nach 9 Monaten Reise: Macht wenig Aufwand und ist eine sinnvolle Verbesserung.

Handprotektoren

Handelsübliche Handprotektoren schützen die Kupplungs-/Bremshebel bei Stürzen. Allerdings verringert sich durch die Befestigung der Protektoren der Lenkeinschlag ein wenig. Eventuell muss deshalb dazu eine Lenkererhöhung eingebaut werden.

Fazit nach 9 Monaten Reise: Man zeige uns den Reisenden, der einen ganzen Kontinent ohne Sturz bereist hat. Dank den Protektoren ist uns bei unseren zum Glück glimpflichen Stürzen zumindest nie ein Hebel gebrochen.

Faltenbälge

Die Faltenbälge schützen die Gabel-Standrohre, denn durch Unebenheiten auf den Gleitfächen (Schmutz oder Steinschläge) werden die Gabel-Simmeringe schnell undicht und das Gabelöl tritt aus.

Fazit nach 9 Monaten Reise: Jederzeit wieder, einfachste Variante um die Gabel auf den vielen Schotterpisten gegen Steinschlag zu schützen.

Außerdem noch…

  • Motor-Schutzbügel
    Fazit nach 9 Monaten Reise: Überflüssig, durch die breiten Zusatztanks stürzt das Motorrad nie so weit, dass der Schutzbügel Verwendung finden würde – im Gegenteil: bei Montagearbeiten eher hinderlich
  • Adapter, Verlängerung und Verteiler für Bordsteckdose
    Fazit nach 9 Monaten Reise: Sehr sinnvoll, so können jederzeit bequem elektrische Geräte während der Fahrt geladen werden
  • Eigenbau: Aluminium-Gepäckbrücke (Vergrößerung des Werks-Gepäckträgers)
    Fazit nach 9 Monaten Reise: Zitat Frank „großartigste Erfindung aller Zeiten“, perfekte Befestigung für die große Packtasche, mit Schlitzen für die Spanngurte, hält das Gepäck sicher an Ort und Stelle …und PS: prima Abstellfläche für Bier (und mehr) beim Motorradschrauben

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