Galapagos – Zu Besuch im Versuchslabor der Evolution

29. Juli 2010

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Galapagos, Ecuador -0.829278, -90.982067
23. bis 29. Juli 2010, auf den Galapagos-Inseln Santa Cruz, Floreana und Isabela
Um 7 Uhr morgens verlassen wir unser Hostal in Quito und fahren, weil das Bus-System sich in den letzten Tagen so schön bewährt hat, mit dem Bus Richtung Flughafen. Im Nachhinein betrachtet hätten wir vielleicht doch besser in ein Taxi investiert. Um diese Zeit sind alle Busse so vollgestopft mit Berufspendlern, dass uns die Leute aus Türen und Fenstern entgegenquellen und wir in den ersten gar nicht erst hinein kommen. In den zweiten Bus quetschen wir uns dann samt unserer Rucksäcke dazu …also umfallen können wir hier drin gewiß nicht.

Am Flughafen zahlen wir 10 USD Touristensteuer pro Kopf, um nach Galapagos fliegen zu dürfen und checken ein. In Südamerika gilt das Verbot für Flüssigkeiten in Flugzeugen noch nicht, der Sicherheitsbeamte an der Personenkontrolle will aber trotzdem den Inhalt unserer Wasserflasche prüfen, schraubt den Verschluss auf und schnüffelt vorsichtig daran. Darauf nimmt Frank ihm grinsend die Flasche aus der Hand und nimmt einen großen Schluck …alles klar, sie dürfen passieren (ist Flüssigsprengstoff eigentlich trinkbar???)

Der Flug zu den ca. 1000 km entfernten Galapagos-Inseln dauerte etwa zwei Stunden, dann landen wir auf der Insel Baltra, die einen der beiden Flughäfen von Galapagos beherbergt. Baltra ist ein flacher, karger Felsen ganz in der Nähe der mit 15000 Einwohnern am dichtesten besiedelten Insel Santa Cruz. Nach der Landung müssen alle Passagiere über Matten laufen, die mit Desinfektionsmittel getränkt sind, damit keine fremden Pollen, Samen oder Schädlinge auf das Galapagos-Archipel eingeschleppt werden. Ebenfalls bei der Ankunft wird der Nationalparkeintritt mit happigen 100 US-Dollar pro Person fällig.

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Puerto Ayora, Santa Cruz, Galapagos -0.736021, -90.319909
Sobald wir unser Gepäck wiederhaben geht es per Fähre über den schmalen Kanal nach Santa Cruz, und von dort aus mit dem Bus einmal quer über die Insel zur Hauptstadt Puerto Ayora. In Puerto Ayora steht nun zunächst einmal die Suche nach einer Unterkunft an. Auch da merken wir schnell, dass auf Galapagos kräftig an der Preisschraube gedreht wird. Wir fragen in etlichen Hostals und Hotels – es scheint kein Zimmer unter 30 Dollar zu geben (sogar in der Hauptstadt Quito haben wir nur 18 Dollar bezahlt). Zufällig fragt Frank in einer Touragentur nach dem Weg zur Touristen-Information und bekommt stattdessen gleich ein Privatzimmer vermittelt. Eine Frau, die gleich um die Ecke der Agentur zwei kleine gemütliche Appartements vermietet, mit Bad, Küche, TV, Internet für 28 Dollar je Nacht.

Nach einem schnellen Mittagessen und ein paar Lebensmitteleinkäufen ist es zwar schon recht spät am Nachmittag, aber ein Besuch auf der Darwin-Station muss natürlich noch sein. Der Eintritt zur Station kostet nichts, also macht es nichts, wenn wir heute nicht mehr alles ansehen können. Die Station liegt direkt am Ortsrand von Puerto Ayora und auf dem Weg dorthin stolpern wir schon über den ersten Galapagos-“Ureinwohner”, ein kleiner Meeresleguan, der auf dem Bürgersteig schläft und sich auch nicht vom Fleck rührt als wir mit der Kamera ganz nahe herangehen (der kleine Leguan lag übrigens auch die folgenden Tage immer noch auf dem gleichen Platz, jedesmal wenn wir vorbeiliefen …erste Vermutungen, er sei dort festgeklebt, oder eine Attrappe für Touristen bewahrheiteten sich jedoch nicht, als Andrea ihm die Pfote kraulen wollte).

Die Darwin-Station selbst besteht aus einigen Wissenschaftsgebäuden, Info-Räumen und natürlich den Gehegen für die Riesenschildkröten. Es gibt Baby-Aufzuchtgehege, in denen die Kleinen der letzten Jahre bis zu ihrer Auswilderung gehalten werden (die “Babys” sind jedoch teilweise jetzt schon größer wie Andreas Schildkröten zuhause), dann ein Gehege mit “Teenagern”, die 30 Jahre alten Nachzuchten der ersten Stations-Generation, zwei große Freianlagen, in denen man als Besucher mitten zwischen der erwachsenen Risenschildkröten hindurchlaufen darf (zu Andreas Leidwesen ist anfassen verboten…), und natürlich die Hauptattraktion der Darwin-Station: “Lonesome George” – der letzte Überlebende der Unterart der Insel Pinta. George ist über 70 Jahre alt und lebt zusammen mit zwei Weibchen einer anderen Insel zusammen, jedoch bleiben die erhofften Nachkommen aus. Für uns eher verwunderlich, konnten wir doch zuschauen wie George seine zwei Frauen durchs Gehege gejagt hat, aber die Damen sind wohl zu zickig…

Auf dem Gelände der Darwin Station gibt es auch einen kleinen Strand mit vielen leuchtend-blutroten Krebsen, die zwischen den schwarzen porösen Lavasteinen sitzen. Dort lernen wir zufällig einen deutschen Schüler-Praktikanten kennen, der während seiner Sommerferien hier auf der Station ein Praktikum macht (auf die Idee hätte man mal lieber selbst vor 12 Jahren kommen sollen…).

Abends herrscht Trubel in den Straßen von Puerto Ayora. Es gibt eine ganze Straße mit kleinen Essensständen, ein Grill mit frischem Fisch neben dem anderen, die Tische stehen einfach mitten auf der Straße, überall sitzen Gäste. Sogar ein paar andere Touristen haben sich zwischen die Einheimischen verirrt, sonst eher ein seltener Anblick. Auf dem Sportplatz am Hafen findet außerdem gerade ein Fußballturnier statt, Herren- und Damenmannschaften auch von anderen Inseln spielen abwechselnd und um das Spielfeld drängeln sich die Zuschauer. Hier allerdings sind wir tatsächlich die einzigen Touristen und werden misstrauisch beäugt, als wir uns dazwischenquetschen.

Am nächsten Morgen frühstücken wir erst einmal gemütlich in unserem Appartement und nutzen es aus, die kleine Küche zu haben. Danach geht es noch einmal zur Darwin Station um den Rest zu besichtigen, für den es gestern zu spät wurde. Diesmal sind die Schildkröten auch etwas lebhafter und noch nicht fürs nächtliche Nickerchen unter dem nächsten Strauch verschwunden.

Mittags kümmern wir uns dann in der Touragentur darum, dass wir auch andere Inseln des Archipels besuchen können, und buchen für die nächsten Tage einen Tagesausflug zur Insel Floreana und eine 2-tägige Tour nach Isabela, der größten Insel von Galapagos. Auch wenn es uns eigentlich ziemlich stört, fertige Ausflüge buchen zu müssen, stellen wir fest, dass es viel günstiger ist, als die Inseln auf eigene Faust zu bereisen. Alleine die Fährfahrt nach Floreana hätte 60 Dollar pro Person gekostet, für gerade mal 5 Dollar mehr bekommt man eine komplette Tour mit Mittagessen, Schnorchelausflug und Führung zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Insel.

Andreas Abstecher in die Unterwelt
Nachdem wir für die folgenden Tage alles abgeklärt haben, beschließen wir, einen Ausflug zur Inselmitte zu machen, wo es einige Lavatunnel zu sehen gibt (die Galapagosinseln sind alle vulkanischen Ursprungs). Wir machen uns zu Fuß auf den Weg zur Bushaltestelle. Während wir die Hauptstraße entlang auf dem Bürgersteig laufen, stürzt wie in einem schlechten Film plötzlich ein Teil des Asphalts unter unseren Füßen ein, und reißt Andrea mit in den eineinhalb Meter tiefen Hohlraum darunter, ein Überbleibsel von Ausschachtungsarbeiten. Frank hatte Glück und konnte noch nach vorne von dem einstürzenden Weg wegspringen, Andrea – wenige Schritte dahinter – fand sich plötzlich in einem tiefen Loch voll Sand und Schutt wieder.

Zusammen mit einem jungen Mann zieht Frank Andrea heraus, die überall von blutenden Schürf- und Schnittwunden und Prellungen übersäht ist. In einem angrenzenden Gemüseladen dürfen wir im Badezimmer den Schmutz aus den Wunden waschen und die Leute helfen uns sofort mit Desinfektionsmittel. Nachdem das Gröbste versorgt ist, steht Andrea immer noch unter Schock und will unbeirrt den Ausflug fortsetzen, obwohl die Ladeninhaber uns anbieten, uns ins Krankenhaus oder zu unserem Zimmer zu fahren. Zitat: “Wir haben doch nur 6 Tage auf Galapagos und ich seh’ nicht ein, dass ich wegen diesem Scheiß irgendetwas verpasse”. Als wir allerdings feststellen, dass unsere Fotokamera, die Andrea während dem Sturz in einer Tasche bei sich hatte, auch etwas abbekommen hat, trifft uns der Schreck wie eine eiskalte Dusche: keine Fotos machen zu können, wäre das Schlimmste was uns jetzt noch passieren könnte. Die Kamera ist zwar nicht völlig hinüber, aber sobald man versucht beim Fotografieren mit dem Objektiv zu zoomen, schaltet sie sich sofort aus.

Damit hat sich der Ausflug fürs erste erledigt. Der freundliche Mann aus dem Gemüseladen kennt sogar jemanden auf der Insel mit einem Fotogeschäft, und hofft uns damit helfen zu können. Er fährt uns mit seinem Auto zu seinem Bekannten, aber dort macht man uns wenig Hoffnungen, Ersatzteile müssten vom Festland bestellt werden und das dauere mindestens 2 Wochen. Nun wissen wir erst einmal keinen Rat mehr und kehren zu unserem Appartement zurück. Andrea ist völlig verzweifelt – verletzt und mit kaputter Kamera auf der für sie wichtigsten Station unserer Reise. Sie weiß nicht, ob sie mit ihrem zerschnittenen, blutenden Fuß die Ausflüge mitmachen kann, die wir gerade erst vor einer Stunde gebucht haben, und dass die Kamera nicht mehr richtig funktioniert macht alles nur noch schlimmer. Nun sind die Tränen nicht mehr zurückzuhalten, wenn nur das Weinen mit den geprellten Rippen nicht so weh täte.

Wir haben auch keine Ahnung an wen wir uns hier um Hilfe wenden können, bis Frank die Idee hat, noch einmal zu der Agentur zu gehen, die uns sowohl unsere Unterkunft vermittelt haben, als auch die beiden Touren, die Andrea nun gefährdet sieht. Die Frau denkt zuerst, wir hätten einen Autounfall gehabt als sie Andrea so ramponiert sieht. Als wir ihr alles erzählt haben ruft sie sofort die Polizei und fährt anschließend mit uns und den Polizisten zum Unfallort und hilft uns, das Geschehene den Polizisten zu vermitteln. Zum Glück gibt es auch einige Zeugen aus den angrenzenden Läden, die den Polizisten bestätigen, dass das mittlerweile mit Holzbrettern abgedeckte Loch vor wenigen Stunden noch nicht da war. Die Beamten erklären uns, dass wir uns an die Stadtverwaltung wenden müssen und Aussichten auf Schadensersatz hätten, da es sich ja um einen öffentlichen Weg handelte. Dann machen sie noch Witze mit Andrea, warum sie denn die Lavatunnel gleich unter Puerto Ayora gesucht hätte. Ups, ertappt, die Lavatunnel hat sie dort zwar nicht gesucht, aber eigentlich dachte sie, dort unten eine unbekannte Art von Galapagos-Höhlenschildkröten zu finden …war das so leicht zu durchschauen?

Nachdem die Unfallstelle und die Schäden an der Kamera dokumentiert sind, fahren die Polizisten mit uns ins Krankenhaus, wo auch noch ein ärztliches “Schadensprotokoll” von Andrea erstellt wird. Glücklicherweise scheinen keine Rippen gebrochen zu sein, alles nur Schäden an der Fassade (bei in die Jahre kommenden Frauen bröckelt halt gleich der Putz…). Schließlich fahren uns die Polizisten nach Hause – am Montag wenn die Stadtverwaltung wieder geöffnet ist, sollen wir uns dort melden, und die Frau von der Agentur verspricht uns, uns gegebenenfalls zu helfen.

Nun heißt es ausruhen und Wunden pflegen, damit Andrea für den Tagesausflug nach Floreana morgen wieder fit ist. Eigentlich gehört zu der Tour ja auch ein Schnorchelgang, aber mit den vielen Schnitten und Schürfwunden ins Salzwasser zu gehen wird wohl ausfallen.

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Floreana, Galapagos -1.308331, -90.431373
 Floreana – Heimat der ersten deutschen Familie auf Galapagos
25. Juli – Etwa 45 Seemeilen von Santa Cruz entfernt liegt die wesentlich kleinere Insel Floreana. In den 1930er Jahren zogen zwei deutsche Paare als erste Siedler nach Floreana und bauten sich dort eine Existenz auf. Die Nachkommen der Familie Wittmer leben bis heute dort und betreiben ein Gästehaus.

Mit dem Motorboot dauert die Überfahrt ungefähr 2-3 Stunden. Obwohl die See ruhig ist, springt das Boot hart von Wellenkamm zu Wellenkamm. Es dauert nicht lange und man schaut in die ersten grünen Gesichter. Nur Frank bleibt davon unbeeindruckt und steht unbeirrbar im Heck des Bootes (während Andrea bei jedem Bocksprung des Bootes ihn im Geiste über Bord gehen sieht). Schließlich drängen sich immer mehr Leute Richtung frische Luft ins Heck, bis der Kapitän kurz vor Floreana noch einmal den Motor stoppt, und einige zu sich in die “Kapitänsloge” einlädt. Über eine kleine Leiter an der Seite des Bootes geht es hinauf in den “oberen Stock”, ein paar Sitzplätze auf dem Dach des Bootes, wo auch der Steuerstand ist. Von hier aus hat man eine gigantische Aussicht über das Meer, auch wenn man bei jedem Aufprall des Bootes noch viel härter in den Sitz gestaucht wird. Wohl als Belohnung für seine Seefestigkeit darf Frank als erster nach oben, Andrea und eine weitere Frau folgen… Zu dritt setzen wir unsere Fahrt auf den VIP-Plätzen fort.

Bevor wir endgültig den Hafen von Puerto Ibarra anlaufen gibt es noch ein paar Fotostopps an Felsen mit Seevögeln. Dazwischen darf Frank sogar mal kurz das Boot steuern. Hinterher überlegt er, wenn er dem Kapitän erzählt hätte, dass er Bootsführerschein besitzt, hätte er bestimmt auch noch in den Hafen einfahren dürfen.

Gleich auf der Hafenmole erwarten uns faule Seelöwen, die zu unseren Füßen schlafen und eine Kolonie Meeresleguane. Dann fahren wir mit einem Bus, der eher aussieht, als ob er für eine afrikanische Safari gedacht wäre, hinauf ins Hochland der Insel. Dort ist die Vegetation dicht und grün, und ähnelt einem Urwald. Wir wandern zu einer Gruppe Riesenschildkröten, die dort lebt, und sich von unserem Besuch völlig unbeeindruckt zeigt. Da das grün noch naß vom kürzlichen Regen ist, liegen die Schildkröten alle mitten auf den Wegen herum, offenbar die trockenste Stelle. Auf unserem Weg über die Insel sehen wir auch Überreste der ersten Siedlung der deutschen Familie Wittmer, die zu Beginn tatsächlich in Höhlenwohnungen gelebt haben. Es heißt, das erste Baby der Familie sei noch in einer Höhle geboren worden.

Auf der Rückfahrt können ein paar ganz abenteuerlustige auf dem Dach des Busses fahren. Dort gibt es nur ein paar Bretter zum daraufsitzen und die Gepäckträger-Reling zum festhalten. Ratet mal, wo wir sitzen… Na klar, oben! Leider müssen wir euch ein Foto davon vorenthalten, denn bei dem Geschaukel des Busses war es schlichtweg unmöglich, mal kurz für ein Foto loszulassen, außerdem musste man dauernd den Kopf einziehen um nicht von Baumwedeln eine Ohrfeige zu kassieren.

Bevor es zurück aufs Schiff geht, gibt es ein kurzes Mittagessen am Hafen. Während wir anschließend an der Mole auf unser Boot warten, schwimmt eine vorwitzige Meeresschildkröte um die Hafenmauern herum und taucht nach Futter. Bevor es nun zum Schnorcheln geht, hält der Käpt’n noch ein paar mal an schönen Fotopunkten, zum Beispiel einem Felsen mit ein paar Galapagos-Pinguinen (die einzige Pinguinart, die am Äquator vorkommt), dem Devils-Crown-Riff (ein versunkener Vulkankrater), und einer paradiesischen türkisblauen Bucht, in der ein junger Seelöwe in unserem Boot einen neuen Spielgefährten sieht.

Bis jetzt hat Andreas zerschundenes Bein überraschend gut durchgehalten, mit dicker Verbandsschicht war Wandern kein Problem, Schnorcheln im Salzwasser muss jedoch lieber nicht sein, das Ding gäbe einen hervorragenden Haiköder ab. Also zwängt sich Frank alleine ins Neoprenzeug und wagt den Sprung ins eiskalte Wasser. Die Gewässer um die Galapagosinseln gelten als hervorragende Tauch- und Schnorchelgebiete, weil man in ihnen neben bunten Fischen auch Rochen und Meeresschildkröten sehen oder gemeinsam mit den zutraulichen Seelöwen und Meeresleguanen schwimmen kann. Außer den erwähnten bunten Fischchen hat Frank jedoch kein Glück, so muss sich Andrea wenigsten nicht allzusehr ärgern, etwas verpasst zu haben.

Bei der Rückfahrt nach Santa Cruz sitzen wir schon von Beginn an in unserem VIP-Ausguck. Den Schwarm Delfine, die irgendwann neben unserem Boot auftauchen entdecken wir deshalb gleich als erste. Die Delfintruppe macht sich einen Spaß daraus, sich mit unserem Boot ein Rennen zu liefern und kreuzt immer wieder unter unserem Bug hindurch. Frank klettert in voller Fahrt vor auf die Bootsspitze um dem Kapitän Zeichen zu geben, in welche Richtung die Delfine unterwegs sind, während Andrea versucht, zu filmen. Gar nicht so einfach wenn das Boot auf den Wellen auf und ab hüpft. Einen kurzen Ausschnitt davon gibt es in der Fotogalerie zu sehen (…Achtung, nicht seekrank werden beim anschauen!)

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Isabela, Galapagos -0.829237, -91.135302
Unterwegs nach Isabela
26. Juli – Isabela ist die größte der vielen Inseln des Galapagos-Archipels und liegt ebenfalls etwa 2 Fahrstunden westlich von Santa Cruz. Isabela besteht aus fünf Vulkanen, auf deren Hängen Riesenschildkröten leben. Die einzelnen Schildkrötengruppen blieben voneinander isoliert, so dass sich auf jedem Vulkan eine eigene Unterart entwickelte.

Vor unserer Abfahrt müssen wir jedoch zuerst noch auf die Stadtverwaltung von Puerto Ayora, um Andreas Unfall zu melden. Kurz nachdem wir unser Anliegen genannt haben, sitzen wir bereits im Büro des Bürgermeisters und lernen ihn und Yvonne kennen. Yvonne scheint so eine Art “Assistentin der Geschäftsführung” zu sein, früher hat sie als Tourguide gearbeitet und spricht deshalb hervorragend englisch. Wir erzählen noch einmal den Unfallhergang, und Andrea hat strategisch klug kurze Hosen und ein kurzärmeliges Shirt angezogen, damit die ganzen Schmarren auch nicht zu übersehen sind. Leider hat es das Polizeiprotokoll noch nicht bis in die Stadtverwaltung geschafft und hängt noch auf der Wache fest. Der Bürgermeister sagt uns zu, dass man eine Entschädigung leisten würde, und bittet uns, das Protokoll zu besorgen und alles weitere mit Yvonne zu besprechen.

Auf der Polizeiwache dauert es einige Zeit bis unser Protokoll gefunden ist, weil wir natürlich nicht die Namen der beiden Beamten kennen, die damals Dienst hatten (na ja, wie viele Ausländer werden denn hier schon plötzlich vom Erdboden verschluckt…). Als die Akte gefunden ist, bekommen wir vom Protokoll und auch vom Krankenhausbericht eine Kopie, die wir Yvonne ins Rathaus bringen. Eine Mitarbeiterin von Yvonne schreibt für uns noch auf Spanisch einen Antrag an die Stadtverwaltung, zur Erstattung unseres Schadens an der Kamera. Bis wir übermorgen wieder von Isabela zurückkommen soll unser Antrag bearbeitet sein. Leider kann uns Yvonne noch nicht sagen, in welcher Höhe wir mit Schadensersatz rechnen können, sie geht jedoch davon aus, dass wir im Gegenzug unsere beschädigte Kamera als Beweisstück dalassen müssten. Diese Möglichkeit gefällt uns gar nicht, denn wir hatten uns seit dem Unfall schon im Internet schlau gemacht: unser Kameramodell ist nicht mehr im Handel und die einzigen vergleichbaren Alternativen sind offenbar nicht in Ecuador erhältlich. Aber spekulieren hilft nichts, warten wir erst einmal ab, wie die Antwort der Stadtverwaltung übermorgen aussieht.

Die Warterei auf Stadtverwaltung und Polizeiwache hat uns nun schon wieder einen halben Tag unserer wertvollen Zeit hier gekostet, in der wir eigentlich Schöneres unternommen hätten. Nun ist es bereits kurz nach Mittag und wir müssen unser Appartement räumen, Packen und zum Hafen zu unserem Schiff nach Isabela. Das Fährboot ist kleiner als das gestrige, diesmal gibt es keinen VIP-Käpitäns-Ausguck, wir sitzen in der kleinen Passagierkabine und haben durch die winzigen Fenster kaum Aussicht aufs Meer, Delfin-Schauen muss heute ausbleiben. Weit kommen wir zunächst sowieso nicht, kaum aus der Hafenbucht hinaus, streikt nämlich eine der beiden Schiffsschrauben, das Schiff kehrt um und im Hafen wird nun erst einmal ein neues Ersatzteil eingebaut. Währenddessen sitzen wir bei einem Bier in der Hafenkneipe und warten darauf, dass es weitergeht. Mit neuer Schraube und Verspätung kommen wir dann aber tatsächlich noch in Puerto Villamil, der Hauptstadt von Isabela an. Leider dämmert es schon bald und so bleibt nach dem Einchecken im Hotel nur noch Zeit für ein kurzer Erkundungsgang Richtung Strand. Die Schildkrötenaufzuchtstation hat leider schon zu, Schlafenszeit für zukünftige Riesenschildkröten. Puerto Villamil ist das genaue Gegenteil zu Puerto Ayora. Wo auf Santa Cruz abends um diese Zeit alle Menschen auf den Straßen sind und an den Essenskneipen oder am Sportplatz sind, sind die Wege in Puerto Villamil wie ausgestorben.

Ausflug zu den Vulkanen
27. Juli –
Für heute steht ein straffes Programm an: um 7.30 Uhr werden wir am Hotel abgeholt zu einer Vulkanwanderung, da bleibt vorher nur wenig Zeit zum Frühstücken und Wander-Stullen schmieren. Mit dem Bus geht es ins Inselinnere zu einem Trail, der zum angeblich zweitgrößten Vulkankrater der Welt führt, dem Vulkan Sierra Negra – mit knapp 10km Kraterdurchmesser schon eine beeindruckende Erscheinung. Der Sierra Negra ist immer noch aktiv, manchmal steigen Rauchwölkchen aus Rissen im Gestein auf. Der Wanderweg ist am unteren Teil des Berghangs schlammig und rutschig vom Nieselregen, aber sobald man die tiefhängen Regenwolken unter sich gelassen hat, hat man das Gefühl in der Äquatorsonne zu verglühen …Gruß an den Sonnenbrand.

Unser Weg führt noch am Sierra Negra Krater vorbei, zu einer schwarzen zerklüfteten Lava-Landschaft, die noch vergleichsweise “jung” und noch nicht wieder von Vegetation erobert ist. Von einem der Hügel hat man eine beeindruckende Aussicht über eine Bucht hinweg bis zum nördlichen Teil Isabelas. Man kann sämtliche anderen Vulkane in der Ferne ausmachen und mit Glück sogar einige der kleineren Nachbarinseln. Bis wir wieder zurück am Ausgangspunkt der Wanderung sind haben wir gute 16km zurückgelegt, aber leider keine einzige Schildkröte gesehen, die hier nach wie vor auf den Vulkanhängen leben.

Die staubige, schlammverschmierte Truppe wird kurz zum Hotel zurückgebracht, um sich in die Badekluft zu schmeißen, dann geht es hinunter zum Hafen und mit einem kleinen Boot hinaus zum “Las Tintoreras” Riff. Auf den vielen rundherum ankernden Kähnen haben sich Seelöwen breit gemacht, liegen auf und in den Booten, und blinzeln uns schläfrig entgegen. Auch eine kleinere Meeresschildkröte paddelt um eine der Ankerketten herum. Wir umfahren zunächst einige Felsen mit Pelikanen und Galapagos-Pinguinen, bis wir an einer der Riff-Inseln anlegen. Bereits bei den ersten Schritten auf den schwarzen Felsen fallen uns hunderte kleiner Meeresleguane auf, die in Massen mitten auf den Wegen liegen und nur widerwillig Platz machen, zwischen den Steinen liegen ganze Knäuel der Echsen. Ein Schild klärt auf: hier befindet sich der Leguan-“Kindergarten”, auf einem Strand nebenan schlüpfen die Kleinen und wachsen hier auf. Direkt neben dem Weg bildet das Riff einen schmalen Kanal. Zunächst fällt uns nur ein kleiner Seelöwe auf, der dort im Wasser spielt und Saltos dreht. Wenn man genauer hinsieht, entdeckt man aber am Grunde des Kanals unzählige Haie ruhen, manchmal nur erkennbar an ihrer leuchtend weißen Schwanzspitze: Weißspitzen-Riffhaie. Der Seelöwe turnt unbeirrt zwischen all den Haien umher (und wenn er nicht gefressen wurde turnt er noch heute…).

Während wir noch mit staunenden Gesichtern nach unten zu den Haien starren, erklärt uns der Guide, dass wir auch zwischen Haien schnorcheln könnten, wenn wir wollen. Wie bitte? Zwar nicht in diesem Kanal, aber abseits des Leguan-Kindergartens gibt es noch eine weitere Stelle im Riff, in der sich die Haie sammeln. Dorthin fährt das Boot uns nun. Wer sich traut, kann nun in Neopren und Flossen schlüpfen und zusammen mit unserem Guide einmal hindurchschwimmen. Frank ist sofort dabei, außer ihm schwimmen noch drei Männer mit (die Frauen sind natürlich alle zu feige). Zunächst führt der Kanal über die am Grund ruhenden Haie hinweg, mit beruhigenden zwei Metern Entfernung ist das Ganze noch nicht all zu dramatisch. Dann aber erscheinen einige nicht ganz so schläfrige Haie auf der Bildfläche und kommen den Schwimmern zum Greifen nahe. Einen davon direkt auf sich zuschwimmen zu sehen sorgt dann noch für den endgültigen Adrenalinkick. Währenddessen fährt das Boot zum anderen Ende des Kanals, um nach einigen Minuten die wagemutigen Männer wieder aufzusammeln …alle noch heil und nicht angeknabbert, aber völlig begeistert von der “Mutprobe”. Alle haben sich getraut, bis zum Ende hindurchzuschwimmen, keiner ist auf halbem Weg umgekehrt…

Dies war unser letztes Abenteuer auf Isabela. Am nächsten Morgen fährt bereits um 6 Uhr früh wieder unser Schiff nach Santa Cruz zurück (diesmal ohne Maschinenschaden). Unser gemütliches Appartement können wir auch gleich wieder beziehen. Bevor wir uns aber ein Frühstück gönnen, gehen wir zuerst noch einmal zur Stadtverwaltung, weil wir endlich wissen wolle, was nun wegen unserer kaputten Kamera entschieden wurde.

Netterweise haben Yvonne und ihre Mitarbeiterin versucht, für uns in Quito ein Geschäft mit einer vergleichbaren Ersatzkamera zu finden, jedoch ohne Erfolg. Sie rufen für uns auch in drei Canon Service Stellen an wegen einer möglichen Reparatur, aber auch da kommen wir nicht weiter. Es sieht so aus, dass wir in Quito weder eine anständige neue Kamera, noch unsere alte repariert bekommen. Die zwei Alternativen die uns bleiben, gefallen uns beide nicht: entweder einen Kompromiss eingehen und ein nicht ganz so gutes Modell kaufen und später noch einmal Geld ausgeben um wieder eine gute Kamera zu haben (aber da legen wir definitiv drauf), oder ohne Kamera weiterfahren und hoffen, in Kolumbien eine bessere Auswahl zu haben (und wer weiß wie lange diese Reise ohne Fotoapparat machen). Nein, das kommt beides nicht in Frage. Leider haben wir immer noch keine verbindliche Aussage, wieviel Schadensersatz wir erhalten werden (typisch Südamerika eben), man bittet uns, am Nachmittag nochmal wiederzukommen. Jetzt haben wir schon wieder zwei Stunden ergebnislos vertrödelt, und eigentlich geht morgen früh unser Flug zurück nach Quito, ohne dass wir wirklich etwas von dieser Insel gesehen hätten. Frank versucht sein Glück im Büro unserer Fluggesellschaft gegenüber und hat tatsächlich Erfolg: binnen wenigen Minuten hat er unseren Flug um einen Tag verschoben, ganz ohne Extra-Kosten. Jetzt können wir morgen wenigstens noch einen schönen letzten Urlaubstag auf Galapagos verbringen!

Mittlerweile saßen wir mit knurrenden Mägen im Rathaus, bald ist es Mittag, wir seit 7 Stunden wach und immer noch ohne Frühstück. Deshalb frühstücken wir in unserem Appartement erst noch in Ruhe, bevor wir uns zwei Fahrräder ausleihen und Richtung Tortuga Bay radeln. Die Tortuga Bay besteht aus zwei Stränden in der Nähe von Puerto Ayora, einen für Surfer mit starker Brandung, in dessen Dünen Meeresschildkröten ihre Eier ablegen, und eine spiegelglatte ruhige Bucht, umgeben von Mangroven, in der man Haie, Rochen und Schildkröten im Wasser beobachten kann. Die Fahrräder hätten wir uns allerdings sparen können, denn das letzte Stück Weges – immerhin 45 Minuten Fußweg – darf man nicht mit Fahrrädern befahren.

Am ersten Strand der Tortuga Bay stehen Warnschilder, dass man nicht die Dünen hinauflaufen solle, um nicht versehentlich Schildkrötennester zu zerstören. Und wir sehen tatsächlich winzige Spuren im Sand, die uns zeigen, dass hier vermutlich bei der letzten Flut kleine Schildkrötchen geschlüpft sind und ihren Weg ins Meer gefunden haben. Jetzt aber können wir außer den Spuren keinen ihrer Verursacher mehr ausmachen…

Wir laufen noch bis zum zweiten Strand der Tortuga Bay, aber da wir leider wieder nicht genügend Zeit haben, da wir noch einmal auf die Stadtverwaltung müssen, beschließen wir morgen mit Bade- und Schnorchelsachen wiederzukommen. Die Bucht ist so schön, dass man eigentlich eine ganze Woche nur hier Urlaub machen könnte… *träum* Schade, dass uns dafür die Zeit fehlt – ein ganzes Jahr reisen, und trotzdem im Streß…

Übrigens: das finale Schadensersatzangebot waren 500 Dollar, falls wir die beschädigte Kamera hier lassen, oder 200 Dollar “Reparaturgeld”, falls wir unsere Kamera mitnehmen. Da wir nicht riskieren wollen, ohne vernünftige Kamera unsere Reise fortsetzen zu müssen, entscheiden wir uns für letzteres und hoffen, dass wir spätestens in Costa Rica Zeit haben, die Kamera in Reparatur zu geben. In Zwischenzeit können wir leider nur ohne Zoom fotografieren, aber besser als gar keine Fotos…

Letzter Tag im Paradies
29. Juli –
Bevor wir noch einmal zur Tortuga Bay spazieren, machen wir noch einen Abschiedsbesuch in der Darwin-Station und sagen Lonesome George und den anderen Riesen Lebewohl. Wer weiß, vielleicht kommen wir irgendwann noch einmal nach Galapagos und sehen uns wieder (so alt wie diese Schildkröten werden, wäre das sogar gut möglich).

Anschließend leihen wir uns Schnorchelausrüstung aus, packen unsere Badesachen ein und machen uns auf zur Mangrovenbucht. Zuerst versuchen wir es in Strandnähe mit den Taucherbrillen, aber hier ist das Wasser zu aufgewühlt und trüb. Sobald am Strand ein freies Kajak verfügbar ist (kann man nämlich ebenfalls stundenweise ausleihen), schnappen wir uns das Kajak und paddeln hinaus Richtung Mangroven. Bereits 80 Meter vom Strand entfernt sieht man immer wieder die Köpfe von Wasserschildkröten aus dem Wasser auftauchen, manche lassen uns mit dem Kajak bis auf wenige Zentimeter an sich herankommen, oder ein Schwarm Adlerrochen mit mehreren Jungtieren, die unter unserem Boot hinwegschwimmen, oder so dicht an der Wasseroberfläche entlanggleiten, dass man die Flossen manchmal herausschauen sieht. Einmal hat Frank sogar kurz einen kleinen Hai erhascht. Man muss nur ein paar Paddelschläge machen, um wieder neue Tiere zu entdekcen. Leider haben wir keine Fotos von diesen unvergesslichen Anblicken, mangels wasserdichter Hülle haben wir unsere Kamera lieber am Strand zurückgelassen. Viel zu schnell ist unsere Stunde wieder um, man wird richtig süchtig und denkt “noch 5 Minuten, dann kommt bestimmt wieder ein Rochen oder eine Schidlkröte” und dann nochmal 5 Minuten …und nochmal …und nochmal.

Einen schöneren Abschluss für eine Woche auf Galapagos kann man sich nicht wünschen…

In der Ecuador-Fotogalerie warten insgesamt 100 Fotos und 5 Videos von unserer Galapagos-Woche…

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