El SalvaWER???

3. Dezember 2010

26. November bis 3. Dezember 2010, El Salvador,
von der honduranischen Grenze über die Ruinenstätte Cihuatan und den Lago Suchitlan bis an den Pazifikstrand El Tunco,
Kilometer 30508 bis 30937 unserer Reise

Wüßten Sie, wo Sie auf der Landkarte das kleine Fleckchen El Salvador finden? Nein? Macht nichts! Falls doch, zählen Sie vermutlich zu den wenigen Menschen, die schon einmal dort waren – oder sind geografisch besonders interessiert und könnten warscheinlich auch Ost-Timor oder Nauru treffsicher auf dem Globus lokalisieren!

El Salvador ist das kleinste Land Mittelamerikas, gerade mal so groß wie Hessen, und kuschelt sich verschüchtert zwischen Guatemala und Honduras an die Pazifikküste. Es verfügt über keine besonderen touristischen Highlights wie etwa die grandiosen Maya-Pyramiden von Guatemala, oder historische Kolonialstädte wie Nicaragua. Das einzige, was in Europa über El Salvador zu hören war, waren Berichte über den 11 Jahre dauernden Bürgerkrieg, der erst 1991 endete und in dessen Verlauf die Bevölkerung ganzer Dörfer inklusive der kleinsten Babys erschossen wurde.

Von diesem unrühmlichen Geschichtskapitel erholt sich El Salvador nur schwer, und die Bekämpfung der Kriminalität dauert an. Wir hörten, dass hauptsächlich die öffentlichen Verkehrsmittel davon gefährdet sind, aber da wir das Glück haben, unabhängig mit eigenem Fahrzeug zu reisen, können wir nur Positives über nette, freundliche und ausgesprochen hilfsbereite Menschen berichten. Abgesehen von unserer letzten Station an der Pazifikküste, wohin es viele Surfer zieht, waren wir meist die einzigen Nicht-Einheimischen weit und breit. Natürlich gibt es zahlreiche Hotels, Restaurant und Souvenirgeschäfte, aber wir persönlich hatten den Eindruck, als ob der Tourismus im Land hauptsächlich aus den reicheren Salvadorianern aus der Hauptstadt besteht.

El Salvador bemüht sich, diesen Mangel an ausländischen Besuchern zu beheben und lockt mit gebührenfreier Einreise. Nachdem wir so geflucht haben, weil Nicaragua und Honduras uns jeweils über 40 Dollar “Eintritt” gekostet haben, freut es uns, endlich mal wieder keinen Cent an der Grenze berappen zu müssen. Diese Entscheidung El Salvadors ist naheliegend, denn die meisten Reisenden haben keinen Grund, El Salvador zu besuchen (mangels der bereits erwähnten besonderen touristischen Highlights), sondern nehmen das Land nur nebenbei mit, wenn sie Guatemala oder Honduras bereisen. Würde die Einreise dann auch noch Geld kosten, käme bestimmt niemand mehr.

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Miramundo, El Salvador 14.316667, -89.166667
 Als wir schließlich die Grenze überschritten haben ist es bereits dunkel, und wir beeilen uns, eine Unterkunft zu finden. Den ersten Ort nach der Grenze suchen wir vergeblich nach einem Hotel ab – im Zweiten, Las Palmas, nehmen wir deshalb auch einen etwas höheren Zimmerpreis in Kauf und freuen uns über eine ungewohnt luxuriöse Unterkunft. Das Zimmer könnte man leicht als komplette Wohnung vermieten, wenn es denn eine Küche hätte, und unser Motorrad hat seine persönliche Parkbucht, die zum Zimmer gehört. Sogar ein Swimmingpool mit riesiger Wasserrutsche gehört zum Hotel.

Spontan beschließen wir, den Luxus noch einen Tag länger zu genießen, und machen am nächsten Tag einen Ausflug ins neben der Haustür beginnende Hochland mit El Salvadors höchstem Berg, dem El Pital, mit über 2700 Metern. Auf dem Weg zum Berggipfel gibt es ein Dorf mit dem bezeichnenden Namen Miramundo (“Schau die Welt”), von dem man an klaren Tagen einen Blick über fast ganz El Salvador haben soll und mit etwas Glück sogar noch zwei Vulkane Guatemalas erblicken kann.

Allerdings macht sich der vor wenigen Jahren als offizielle Währung eingesetzte US-Dollar doch deutlich in recht hohen Lebensmittel- und Gaststättenpreisen bemerkbar. Klar, das haben wir ja bei der Euro-Einführung selbst erfahren müssen, dass der Währungswechsel als willkommener Anlass genommen wird, mal kräftig an der Preisschraube zu drehen, warum sollte es hier anders sein. In einem Land in dem knapp 50% unter der Armutsgrenze leben ist es aber leider noch viel unverständlicher.

Ruinenstadt Cihuatan
28. November –
Etwa 50 Kilometer südlich von Las Palmas liegen die Ruinen von Cihuatan, die zwar nicht einmal halb so eindrucksvoll wie Copàn sind, aber immerhin die größte Ruinenstadt in El Salvador. Auch war Cihuatan nicht von den Mayas besiedelt, sondern – wenn man unserem Reiseführer glauben mag – von den Tolteken, und zu deren Zeit wiederum die größte Stadt Mesoamerikas. Auch hier beherrscht eine Pyramide den zentralen Platz, umgeben von etlichen Mauerruinen weiterer Gebäude. Nur wenige Tage nach unserem Besuch wurde in der hiesigen Presse veröffentlicht, dass auf dem Gelände eine weitere Pyramide ausgegraben wurde.

Als wir kurz nach unserem Besuch von Cihuatan unseren Weg fortsetzen wollen, macht uns Idefix erneut einen Strich durch die Rechnung – die Temperaturwarnleuchte zeigt an, dass bereits wieder Kühlwasser fehlt. Diesmal nur 600 Kilometer nach dem wir zuletzt aufgefüllt hatten. Schon wieder fehlt über ein halber Liter. Es scheint jedesmal bei heißer Maschine aus dem Kühlerentlüftungsloch zu tropfen, allerdings (momentan) nur wenn das Motorrad auf dem Seitenständer steht. Frank vermutet, dass irgendeine Dichtung beschädigt ist, obwohl er alle vor nicht einmal 3000km erneuert hat. Aber was hilft die Spekulation – wir fahren weiter, und hoffen, dass der Kühlwasserverlust nicht schlimmer wird.

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Suchitoto, El Salvador 13.933333, -89.033333
 Weit haben wir es heute nicht mehr, bereits kurz nach Mittag kommen wir in Suchitoto an, einem hübschen Städtchen mit verwinkelten, kopfsteingepflasterten Gassen oberhalb des großen Sees im Norden von El Salvador. Obwohl noch früh am Tag, beschließen wir hier zu bleiben und suchen uns gleich ein Übernachtungsquartier. Den Nachmittag verbringen wir bei strahlendem Sonnenschein und genießen die Aussicht auf den Lago Suchitlan.

Wir verweilen allerdings nur eine Nacht in Suchitoto und fahren am nächsten Morgen weiter Richtung Süden an den Pazifik, verirren uns kurz im Verkehrschaos der Hauptstadt San Salvadors und fragen uns, warum das Konzept von Umgehungsstraßen sich auf diesem Kontinent einfach nicht durchsetzen kann. Während wir so am Straßenrand parken und die Karte studieren, lernen wir zu schätzen, dass dieses Land noch nicht von Backpackerschwärmen verdorben ist – wir stehen bestimmt 10 Minuten an der gleichen Stelle OHNE dass uns jemand ein Hotel, ein Restaurant oder eine Tour aufdrängen will …eine wahre Wohltat!

Nachdem wir es geschafft haben, aus der Stadt wieder herauszufinden, führt uns unsere Route an der Puerta del Diablo vorbei, der “Pforte des Teufels”. Hierbei handelt es sich um eine 1000 Meter hohe Formation aus zwei senkrecht abfallenden Felswänden, durch die hindurch man eine wundervolle Aussicht auf die Landschaft mit einem Vulkan im Hintergrund hat. Auch hier bleibt man verschont von Bussen, die gleich eine ganze Wagenladung Touristen ausspucken, lediglich ein einsames, schwarz-rot-geringeltes und irgendwie giftig aussehendes Schlänglein kreuzt unseren Weg.

Bei einer Ansammlung von Comedores, kleinen Gaststätten am Straßenrand, machen wir Mittagspause. Während wir unser gegrilltes Fleisch mit Reis und Salat verputzen, hängt die gesamt Belegschaft inklusive Kind und Kegel gebannt vor dem Fernseher und verfolgt völlig gebannt das Champions League Spiel von Inter Mailand gegen Real Madrid. Als die Jubelrufe bei einem Tor mit vielfachem Echo aus den anderen Comedoren hallen, entlockt uns das schon ein etwas amüsiertes Lächeln – anscheinend schaut die ganze Straße europäischen Fußball. Vielleicht erklärt das auch, warum die Frage nach unserer Herkunft immer folgendermaßen abläuft: “Woher kommt ihr?” – “Deutschland” – “Hey… Ballack, Beckenbauer” (peinlicherweise kennen wir KEINEN Spieler aus dem Land, mit dem wir kontern könnten).

An der gleichen Strecke wie die Puerta del Diablo findet man auch den Ort Panchimalco, der als Sehenswürdigkeit angepriesen wird wegen seiner traditionellen Lebensweise und dem ursprünglichen Erscheinungsbild von Dorf und Bewohnern. Vielleicht sind wir ja schon abgestumpft, aber wir konnten an Panchimalco nichts erkennen, was diesen Ort von anderen seiner Größe in El Salvador unterschieden hätte. Niemand läuft hier noch mit Tierfellen und Steinäxten durch die Gegend. Und der freundliche Gruß “Bienvenidos Amigas Turistas” (“Willkommen Touristen-Freunde”) am Ortseingang lässt uns beide schon die Augen rollen und auf dem Absatz – pardon, Hinterrad – kehrtmachen.

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Playa El Tunco, El Salvador 13.492222, -89.381389
 Abschiedsbesuch
Kurz darauf erreichen wir bereits die Pazifikküste, und fahren durch La Libertad hindurch zum acht Kilometer entfernten Playa El Tunco. Die Strände in dieser Region sind bei Surfern beliebt, rauh, steinig und mit starken Wellen. Die Unterkunft die wir uns gesucht haben, lädt regelrecht zu ein paar Tagen Relax-Urlaub ein, mit einer hölzernen Terrasse, die direkt über einen kleinen Fluß hinausragt, der nur wenige Meter entfernt ins Meer fließt, einer gut ausgestatteten Küche und gepflegten Zimmern für nur 15 Dollar für uns beide zusammen. Die kleine Ansiedlung, die sich um den Strand gebildet hat, ist trotz der vielen Surfer eher ruhig und verschlafen. Hier bietet sich uns zum warscheinlich letzten Mal unserer Reise die Möglichkeit, einen Sonnenuntergang am Meer zu erleben, dann heißt es für uns “Adios, Pazifik!”, wer weiß für wie lange… Das nutzen wir weidlich aus, und so findet man uns die nächsten drei Tage pünktlich um halb fünf zum “Sundown” mit einem kühlen Bier am Strand sitzend.

Uns wird bewußt, wie selten wir während diesen Jahres die Möglichkeit hatten, einen Sonnenuntergang am Meer zu erleben, denn obwohl wir ja monatelang an der Westseite dieses Kontinents entlanggereist sind, waren wir doch sehr selten wirklich direkt am Meer. Und wenn doch, hat sich die Sonne gegen Abend hinter Wolken verborgen, wie zum Beispiel auf Galapagos. Ein wenig melancholische Stimmung befällt uns, denn inzwischen ist der 30. November, und das heißt für uns, dass von dem ganzen Jahr, das einmal vor uns lag, nur noch drei Wochen übrig sind. Auch die längste Reise geht irgendwann zu Ende…

Ein Ticket für Idefix
Inzwischen ist auch unsere selbstgesetzte Frist abgelaufen und wir haben den Rücktransport für unser Motorrad gebucht. Traurig, aber wahr, aber von fast 30 Speditionen, die wir angeschrieben haben in Mexico, Guatemala oder Deutschland, für Luft- oder Seefracht, haben uns nur beschämende drei geantwortet. So bleibt uns nur die teure Luftfracht. Wenn wir nicht bereits unsere Rückflüge fest gebucht hätten, wäre sicherlich die beste Option gewesen, in Cancun einfach direkt an den Hafen zu fahren, und dort die Speditionsbüros abzuklappern. Aber dafür sind wir leider nicht mutig genug, denn wir sehen uns schon am 21. Dezember am Flughafen stehen, ohne Transport für Idefix. Es ist wie bei allem im Leben – entweder braucht man Zeit …oder man braucht Geld! Und so beißen wir in den sauren Apfel und buchen den Motorradtransport bei dem uns vertrauenswürdigsten Anbieter, der auch bereits schon die Verschiffung nach Buenos Aires damals für uns so unkompliziert und reibungslos abgewickelt hat, der InTime Hamburg. Dort wissen wir unser Motorrad wenigstens in guten Händen.

Fischmarkt
Aber natürlich verbringen wir die drei Tage nicht ausschließlich am Strand, sondern fahren auch noch einmal die wenigen Kilometer zurück nach La Libertad und besuchen dort den Fischmarkt. Direkt auf der Hafenmole findet man einen Stand neben dem anderen, wo die fangfrischen Fische direkt verkauft werden. Garnelen in den verschiedensten Größen für nur ein bis zwei Dollar pro Pfund. Wir können nicht widerstehen und kaufen uns gleich ein ganzes Kilo zum Abendessen. Beinahe wären wir daran vorbeigelaufen, dann schauen wir aber nochmal genauer hin und sehen leider auch Haifischflossen, die auf einem Schiff zum Trocknen ausliegen. Die Flossen sind nicht groß, höchstens 6-7cm, aber wir zählen bestimmt 50 Stück. Schildkröten sehen wir zum Glück nicht auf dem Markt, Andrea ist ganz erleichtert, uns sind aber auch rund um La Libertad Aufklärungsplakate aufgefallen mit dem Spruch “Comer huevos de Tortugas es como comer la futura” (“Schildkröteneier zu essen, bedeutet die Zukunft zu essen”) …vielleicht hat es ja etwas genutzt!

Auf dem Rückweg macht uns Idefix wieder Schwierigkeiten, der Gute hat anscheinend noch nicht begriffen, dass wir ihn nicht in Mexico zurücklassen werden… Inzwischen tropft das Kühlwasser auch während der Fahrt kontinierlich und im Verlauf des Abends läuft der Kühler binnen Stunden komplett leer. So kann es nicht weitergehen. Den Dichtungsring, den Frank inzwischen in Verdacht hat, bekommen wir hier definitiv nicht, er ist Teil eines Ersatzteilsets, das wir uns vor zwei Monaten aus Deutschland bestellt hatten. Theoretisch könnten wir das Entlüftungsloch, aus dem das Kühlwasser entweicht wohl provisorisch zustopfen, aber Frank zögert noch, weil er befürchtet, dass das Wasser sich eventuell in den Ölkreislauf hineindrücken könnte. Eine ratlose Hilfe-Mail an unseren lieben BMW-Händler zuhause erteilt uns jedoch Absolution, sein Rat, das Loch mit Schraube und Silikon zu verschließen ist jedoch mangels richtigem Werkzeug und fern jeder Werkstatt so nicht umsetzbar. Andreas Idee, einen Stöpsel aus einem Radiergummi zu schnitzen wirkt jedoch wunder – seitdem ist die Kiste dicht, heißa!

3. Dezember – Nachdem das Kühlerproblem nun wenigstens provisorisch behoben ist, trauen wir uns auch die Weiterfahrt zu, ohne alle 20km anhalten zu müssen. Bis zur Grenze nach Guatemala ist es nicht weit. Wir schaffen es jedoch nur bis hinter die nächste Kurve, dann fliegt erstmal wieder die Kette vom Ritzel (hatten wir ja schon lange nicht mehr). Aber Frank ist inzwischen geübt und fummelt das undankbare Teil im Schlaf wieder drauf. Es hat bekanntermaßen ein jeder so sein Päckchen zu tragen – unseres auf dieser Reise sind Kette, Ritzel und Kühler (unsere Spitzenreiter für die unbedingt notwendigen Ersatzteile). Nach dieser lästigen Unterbrechung können wir unseren Weg nach Guatemala jedoch unbehelligt fortsetzen – und genießen noch einmal die letzten Ausblicke von der pazifischen Steilküste…

Und wer noch mehr Fotos von El Salvador sehen mag schaut hier…

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