Eineinhalb Monate in Peru – Unser Fazit

15. Juli 2010

Am 31. Mai sind wir von Chile aus nach Peru eingereist. Wenige Tage später bekamen wir in Arequipa Besuch von Franks Mutter, seiner Schwester und einer Freundin, mit denen wir 10 Tage lang gemeinsam mit dem Mietwagen Peru bereist haben, zum Titicacasee, bis nach Cuzco (natürlich mit einem Besuch in Macchu Picchu), und anschließend über den Colca Canyon wieder zurück nach Arequipa.

Von dort aus haben wir unsere Reise wieder per Motorrad fortgesetzt, hauptsächlich auf der Panamericana entlang der Pazifikküste, an den berühmten Nazca-Linien vorbei und durch Perus Hauptstadt Lima hindurch. Ein kurzer Abstecher führte uns abseits der Küste durch die Cordillera Blanca, danach ging es wieder zurück zum Pazifik und nordwärts bis nach Chiclayo. Dort haben wir wieder einmal unser Motorrad gegen andere Beförderungsmittel eingetauscht und sind zunächst mit dem Bus bis an den Rand des peruanischen Amazonasbeckens gefahren. Von Yurimaguas aus bereisten wir auf einem Frachtschiff mehrere Flüsse bis wir bei Iquitos den Amazonas erreichten. Auf dem gleichen Weg ging es wieder zurück Richtung Küste, wo uns unser treues Motorrad erwartete. Nun ging es schnurstracks weiter nach Norden, bis wir schließlich nach insgesamt eineinhalb Monaten die ecuadorianische Grenze erreichten.

Statistik:
44 Tage im Land verbracht, davon 6 Nächte in einer Hängematte auf einem Schiff, 36 in Hostals oder Hotels und 2 Nächte in einem Bus
ca. 3390km mit unserem Motorrad auf peruanischen Straßen gefahren

Über das Land:
Peru bietet landschaftlich so einiges: die neblig-feuchte Pazifikküste, direkt daneben trockene Wüstenlandschaften mit Ruinen zahlreichen Pyramiden der Vor-Inka-Zeit, das Hochland rund um den Titicacasee (dem höchstgelegenen schiffbaren See der Welt) und natürlich Perus Aushängeschild: Macchu Picchu. Noch weiter westlich warten die tropisch-heißen Dschungelregionen und das Amazonasbecken, das Quellgebiet des riesigen Stroms, der sich quer durch den Kontinent zieht.

Über die Menschen:
Im Süden Perus und im Hochland sieht man viele Frauen, die die traditionelle Indio-Tracht tragen: Melonenhüte, lagenweise bunt gewebte Tücher, die zu Tragesäcken auf dem Rücken geschnürt sind, knie- oder wadenlange glockenförmige Röcke und darunter dicke gestrickte Strümpfe. Je weiter man nördlich fährt, umso seltener wird dieser Anblick. Nur wenigen sieht man europäische Vorfahren an, die meisten tragen das Erbe der Indio-Völker. In Peru werden heute noch zwei Indigena-Sprachen gesprochen, Quechua und Aymara.
Wenn man in Peru über Märkte oder in Geschäfte geht, wird man sofort mit einem Redeschwall überschüttet, nach dem Motto, wer am lautesten und hartnäckigsten seine Ware anpreist, macht das Geschäft. Für uns war das eher abschreckend, aber vielleicht liegt es daran, dass in Peru generell alle Stände oder Läden einer Sorte (beispielsweise Gemüsehändler, Schuhverkäufer usw.) direkt nebeneinander liegen und jeder versucht seine Konkurrenz zu übertönen. Auch wenn man zum Beispiel an den Essensständen oder Kneipen vorbeiläuft gab es meist jemanden, der uns sofort die Speisekarte vorplapperte.

Essen und Trinken:
In jedem kleinen Straßenlokal gibt es ganztags preiswerte Menüs, die meist aus Vorsuppe, Getränk und einer Hauptspeise zur Auswahl bestehen und im Schnitt 1-2 Euro kosten. Meist gibt es ein Stück Hühnchen und dazu in beliebiger Kombination Reis, Pommes, Bohnen, gebackene Bananen und/oder Yuccawurzel als Beilage. Andere Alltagsgerichte sind zum Beispiel “Arroz Chaufa”, der ein bisschen wie der gebratene Reis vom Chinesen aussieht mit Fleisch- und Gemüsestücken, oder “Tallarine”, eigentlich Spaghetti, jedoch nicht mit Tomatensoße, sondern ebenfalls mit gebratenen Fleisch oder Hühnchen und Gemüse. Besonders im Hochland kann man aber auch ganz exotisches Fleisch vom Meerschwein (“Cuy”) oder Alpaka kosten. Das Meerschwein hat uns nicht so überzeugt, aber unser Alpakasteak war eine Delikatesse.

An der Küste gibt es dann natürlich auch Fischgerichte und mit etwas Glück Camarones (Shrimps) oder Langostinis (Königsgarnelen), letztere sind aber, obwohl hier frisch gefangen, trotzdem nicht billig. Immer lecker war das “Ceviche”, das je nach Rezept aus Stückchen rohem oder gegartem Fisch hergestellt wird, der mit Limette, Kräutern und Zwiebeln mariniert wird. Dazu knabbert man geröstete Maiskörner.

Auf jedem Tisch steht immer ein Töpfchen hausgemachtes Aji (scharfe Chilisoße), die zusammen mit Limetten zum Würzen gereicht wird.

Für Bierliebhaber Frank gibt es natürlich auch hier Auswahl, allerdings ist Biertrinken zum Essen (wie man es in Deutschland kennt) in Peru bei den Einheimischen kaum üblich. Bier wird eher zu Festen getrunken, deshalb kam es schon oft vor, dass Frank die Bedienung fragte: “Haben Sie Bier?” Antwort war ein zögerliches Ja, dann ist die Frau erstmal nebenan in den Supermarkt geflitzt um eine Flasche Bier zu kaufen (ist ja nett, sie könnte ja auch einfach sagen, dass es nicht vorrätig ist). Stattdessen gibt es jede Menge pappsüßer Limonadengetränke, besonders die peruanische “Hausmarke” IncaKola, die quietschgelb ist und aus Lemongras hergestellt wird. Zu den Menüs gibt es jedoch meist einen Saft oder (hatten wir auch öfter) gesüßter Kamillentee.

Auf jedem Markt gibt es außerdem Stände, auf denen man frisch gepresste Säfte aus exotischen Früchten trinken kann, z.B. aus Ananas, Papaya, Mango, Guanabana, Maracuja und anderen nie gehörten Obstsorten.

Ein anderes peruanisches “Nationalgetränk” ist Chicha Morada, eine Art Saftbowle, die aus violettem Mais hergestellt wird, eiskalt und süß schmeckt es wie eine neue Sorte Eistee.

Durchschnittspreise:

  • Übernachtung im Hostal p.P./Tag im DZ – zwischen 25 und 50 Soles (7-14 Euro), in der Hauptstadt Lima für 66 Soles (knapp 19 Euro)
  • Tagesmenü in kleinen Lokalen und Kneipen – 3,50 bis 7 Soles (1-2 Euro)
  • Wäscherei – 3 bis 6 Soles pro Kilo (85 Cent bis 1,60 Euro)
  • 1 Gallone Normalbenzin (das sind etwa 3,8 Liter) – rund 10 Soles (2,85 Euro)
  • 1x Haare schneiden beim Friseur – 5 Soles (1,40 Euro)
  • 1/2 Liter frisch gepresster Fruchtsaft auf dem Markt – 3,50 Soles (1 Euro)
  • 1 Milchkaffee (Gaststätte) – 3,50 Soles (1 Euro)
  • 1/4 gegrilltes Hähnchen – 5 bis 7 Soles (1,40 bis 2 Euro)
  • 0,6 Liter Bier (Supermarkt) – 2 Soles (60 Cent)

In Peru hat uns gefallen:

  • die Städte Arequipa und Cuzco, sauber, gepflegt und mit schönen sehenswerten Plätzen und Gebäuden (leider aber auch mit den typischen Touristenrestaurants oder -shops)
  • Macchu Picchu, grandiose beeindruckende Ruinenstadt, auf einem Bergrücken im Urwald
  • der Colca Canyon, in dem man Schwärme von Andenkondoren in der Morgensonne aufsteigen sehen kann
  • die vielen Figuren im Wüstenboden rund um Nazca (“Nazca-Linien”), bei denen man nach wie vor nicht mit Sicherheit sagen kann, warum sie vor so vielen hundert Jahren in den Boden geritzt wurden – aus religiösen oder astronomischen Gründen oder einfach nur zur Unterhaltung?
  • Limas gepflegtestes Stadtviertel Miraflores
  • Die Bootsfahrt durch die Zuflüsse des Amazonas bis zu dessen Ursprung mit Blick auf dichte grüne Vegetation und Iquitos, die Stadt im Dschungel, die nur per Boot oder Flugzeug erreichbar ist
  • dass jede noch so kleine Ortschaft ihren Markt hat, der nicht nur einmal wöchentlich sondern jeden Tag stattfindet, mit vielen kleinen Essens- und Getränkeständen oder Garküchen, wo man für wenig Geld Snacks, frischgepresste Fruchtsäfte oder Tagesmenüs bekommt

In Peru hat uns nicht gefallen:

  • …Macchu Picchu zu besuchen hat uns pro Kopf ca. 115 Euro gekostet (Transport von Cusco nach Macchu Picchu und Eintrittsgeld). Dieser völlig überteuerte Preis steht in krassem Kontrast zu den Preisen für Essen in diesem Land, wo man ganze Menüs mit Vorsuppe und Getränk ab einem Euro bekommt.
  • Generell haben wir mit den öffentlichen Transportmitteln in Peru keine guten Erfahrungen gemacht, bei den Überlandbussen werden Zusagen bzgl. Bordverpflegung nicht eingehalten, obwohl eine Direktfahrt gebucht war, mussten wir 200km vor dem Ziel aussteigen und warteten 7 Stunden lang auf die Weiterfahrt, oder wurden zur Zahlung eines Aufpreises aufgefordert.
  • Nervige Taxifahrer, die einen nicht zur gewünschten Adresse fahren, sondern grundsätzlich zunächst einmal versuchen, uns in eins ihrer Provisionshotels zu bringen. Jeder kennt garantiert das “beste Hotel mit Extrasonderpreis nur für dich Amigo”, vor Ort ist der Preis natürlich dann mindestens doppelt so hoch wie versprochen (und die zugesagten Leistungen meistens auch nur mit viel gutem Willen zu erahnen – die Air Condition ist dann zum Beispiel eben nur ein Ventilator)…

Kuriositätensammlung aus der Redaktion:
Mittlerweile haben wir nun auch schon von anderen Reisenden gehört, dass es offenbar normal in Peru ist, dass einem die Leute nicht richtig zuhören (oder zuhören wollen?). Auf unsere Frage, wo es denn eine Wäscherei gebe, bekamen wir doch glatt als Antwort nur das Wort “Hühnchen”, oder nach der Bestellung von einem Sandwich mit Schinken und Oliven lagen doch tatsächlich zwei trockene Brötchen auf dem Teller, eins mit einer Scheibe Schinken eins mit fünf Oliven. Manchmal hat man das Gefühl, dass die Leute die Ohren schon auf Durchzug stellen, wenn man als Europäer nur den Mund aufmacht.

Aber trotz unserer manchmal merkwürdigen Erlebnisse mit den Peruanern haben wir in diesem Land sehr viele nette, freundliche, grundauf ehrliche und hilfsbereite Leute kennengelernt, die wir natürlich nicht unerwähnt lassen wollen.

Unsere Route quer durch Peru:

Teilstrecken die wir nicht mit dem Motorrad gefahren sind sondern mit Mietwagen oder Bus sind dunkelrot, Bootsfahrten in blau.

2 Kommentare zu „Eineinhalb Monate in Peru – Unser Fazit“

  1. Hanka & Erik schrieb am

    Hallo Ihr beiden,
    ist ja Wahnsinn, was Ihr alles schreibt – hat Euch ein Reiseführer-Verlag schon unter Vertrag??? Wir schwelgen gerade in Erinnerungen und fiebern bei Euren Abenteuern mit, auch wenn hier Arbeitsalltag angesagt ist. Immerhin ist das MRT Anfang September für uns ein Lichtblick.
    Liebe Grüße
    Hanka, Erik & Mika

  2. Frank y Andrea schrieb am

    Verlag haben wir noch keinen, Angebote nehmen wir aber gerne an 😉 😉

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