Die Wüste ruft

31. Mai 2010

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Iquique, Chile (2): -20.216700, -70.142223
Arica, Chile: -18.477044, -70.314533
30. bis 31. Mai 2010, von Iquique nach Norden bis zur peruanischen Grenze, Km 19727 bis 20230 unserer Reise
Nachdem wir und unser Motorrad nach unserer gestrigen Route über den Salar de Coipasa als wandelnde Salzteigfiguren in Iquique angekommen sind, brauchen wir alle drei dringend eine Grundreinigung. Unsere Motorradhosen sind so starr vor Salz, dass man sie aufrecht an die Wand lehnen könnte und das Motorrad würde als Salzleckstein für eine Herde Ziegen herhalten. Unsere Wäsche können wir dankbarerweise direkt in unserem Hostal waschen lassen, für das Motorrad sucht Frank einen Waschservice, damit es uns nicht unter dem Hintern wegrostet. Gar nicht so einfach, denn es ist Sonntag und die Tankstellen-Waschplätze sind alle geschlossen. Am Strand wird Frank aber schließlich noch fündig, wo ein Mann Autos per Hand wäscht. Frank zeigt ihm das Motorrad und fragt, ob es möglich sei, die fahrende Tropfsteinhöhle bei ihm reinigen zu lassen. Der Mann hat vermutlich seine Brille zuhause vergessen, denn er stimmt tatsächlich zu und verlangt nur 1500 Pesos (etwas mehr als 2 Euro). Nun ist das meiste Salz ab und unser Idefix bestimmt um einige Kilo leichter… Schon verrückt, da packt man das Motorrad für die Verschiffung in meterweise Folie ein, damit die salzige Meeresluft keinen Schaden anrichten kann und macht sich Sorgen über korrodierte Elektronikteile um hier schnurstracks über einen Salzsee zu brettern.

Mittags nehmen wir dann unser frisch gestriegeltes Moto und fahren hinaus aus der Stadt. Iquique wird umrahmt von hohen Klippen, die direkt unmittelbar hinter der Stadt senkrecht aufsteigen. Einige riesige Sanddünen von der umliegenden Atacamawüste reichen bis an die ersten Häuser von Iquique heran und sehen aus, als ob sie gleich die Stadt unter sich begraben würden. Gestern bei unserer nächtlichen Anreise konnten wir all dies nicht sehen, jetzt aber haben wir einen tollen Ausblick, während wir die Klippen hinauf fahren.

Unser Ausflug führt uns noch einmal 50km unseres gestrigen Weges zurück nach Humberstone. Humberstone ist eine von mehreren verlassenen Salpeterminenstädten, die in den 60er Jahren aufgegeben wurden, als man herausfand, wie man Salpeter synthetisch herstellt. Die Geisterstadt wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe unter Schutz gestellt. Der Weg nach Humberstone führt durch karge, eintönige Wüstenlandschaft. So sieht also die Atacama-Wüste aus… Inmitten dieser sandigen Hügellandschaft liegt Humberstone. Während wir durch die verlassene Siedlung bummeln brennt die Sonne heiß. Die Stadt ist noch gut erhalten, man kann in den Wohnhäusern der Arbeiter herumstöbern, in der Schule stehen noch die hölzernen Schulbänke, und in den Werkstätten sieht man die verrosteten Überbleibsel riesiger Dampfmaschinen und alter Lokomotiven.

Wieder zurück in Iquique wollten wir eigentlich einen Abstecher in die Zona Franca machen. Genau wie im Süden in Punta Arenas gibt es auch hier eine Freihandelszone, wo man günstig einkaufen kann. Aber was haben wir vergessen? Es ist Sonntag und so drehen wir vor verschlossenen Toren wieder ab. Die großen Supermärkte und Einkaufsmeilen in der Stadt selbst haben geöffnet, nur die Zona Franca natürlich nicht, wie sollte es anders sein. Stattdessen entdecken wir zufällig einen McDonalds und prompt überfällt uns der Heißhunger nach kulinarisch wertvollen Burgern. “Und, was habt ihr so in Chile gegessen?” …Hamburgueso con Queso – sehr originell!

31. Mai – Unser allerletzter Tag in Chile! Der Abstecher war kurz, nur zwei Nächte waren wir im Land, aber es war schön, wenigstens die Wüstenregion Chiles noch einmal kurz zu sehen, nachdem uns beim letzten Versuch ein verschneiter Pass einen Strich durch die Planung gemacht hat. Für unsere Abreise hüllt sich Iquique in eine dicke nasskalte Nebelwolke, die die ganze Bucht unterhalb der Klippen versteckt. Jedoch nicht lange, sobald wir erst einmal die Hochebene wieder erreicht haben erwartet uns wieder Hitze und Sonnenschein.

Die letzten hundert Kilometer auf chilenischem Boden werden jedoch noch einmal spannend, denn uns wird wieder der Sprit knapp. Auf der ganzen Strecke von über 350 Kilometern zwischen Iquique und Arica, der nördlichsten Stadt Chiles gibt es keine Tankstellen (oder vielleicht haben sie sich auch vor uns versteckt). An einem großen LKW-Kontrollpunkt mit etlichen Snackbars und Kneipen halten wir an und fragen uns nach Sprit durch – für trockene Kehlen hätte hier jeder was anzubieten, für durstige Motorräder leider niemand. Ein Zöllner der auf uns zusteuert und schon die Frage nach unseren Papieren auf den Lippen hat wird von Frank sofort mit der Frage nach Benzin abgewürgt, so dass der Mann prompt vergisst, was er ursprünglich von uns wollte. Weiterhelfen kann er uns jedoch auch nicht und so füllen wir die letzten Tropfen aus unserer Benzinkocherflasche in den Tank um und hoffen, dass wir die letzten hundert Kilometer nach Arica noch schaffen. Diesmal bleiben wir NICHT unterwegs liegen (wer auf eine neue lustige Geschichte gehofft hat, wie wir vorbeifahrende LKW Fahrer um Benzin anbetteln muss leider bis zum nächsten Mal warten…) und steuern gleich die erste Tankstelle der Grenzstadt an, um unsere letzten noch verbliebenen Pesos in Sprit umzuwandeln. Viel ist es zwar nicht, aber es reicht um bis nach Peru zu kommen. Arica ist im Gegensatz zu Iquique sowieso eine häßliche unattraktive Stadt, und so beeilen wir uns, zur Grenze zu kommen.

Zum ersten Mal nach bereit 12 Grenzübertritten auf unserer Reise soll dieser zwischen Chile und Peru nun etwas kosten. Wir müssen noch auf chilenischer Seite in der Cafeteria der Grenzstation ein Formular kaufen gehen, unser Fahrzeug und die Passagiere darauf deklarieren und wieder zum Zollhäuschen zurück bringen. Mysteriöse Sache – und außerdem recht blöd, dass wir gerade unsere letzten Pesos zu Benzin gemacht haben. Glücklicherweise können wir auch mit unseren Reserve-Dollars bezahlen. Bei der Einreise nach Peru reisst sich jede Station dann einen Durchschlag von unserem Dokument ab, bis der letzte Posten uns dann ein endgültiges Einfuhrdokument fürs Motorrad ausstellt. Eigentlich müsste der Mann einfach nur alle Daten aus dem von uns gekauften Formular abschreiben, in das wir immerhin bereits alle Angaben zum Motorrad eintragen mussten, von der Fahrgestellnummer bis zur Modellbezeichnung, Nummernschild usw. Aber warum einfach wenn es auch umständlich geht – der Beamte sucht sich lieber alles noch mal selbst aus dem Fahrzeugschein zusammen, den er sowieso nicht versteht und noch einen Kollegen zu Hilfe rufen muss. Als wir nach einer halben Stunde endlich das Einfuhrdokument in den Händen halten lesen wir ungläubig nur bei Herkunftsland “Alemania Oriental” – Ostdeutschland. Anscheinen ist die Nachricht vom vereinten Deutschland noch nicht bis in peruanische Computer vorgedrunge, ist ja erst 21 Jahre her. Egal, für Geografiekunde sind wir nicht zuständig, wir sind froh dass wir endlich fertig sind und damit das fünfte Land unserer Reise offiziell betreten haben…

Weitere Fotos unseres letzten Chile-Aufenthaltes gibt es hier…

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