Die vergessene Stadt der Inkas

12. Juni 2010

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Cusco, Peru: -13.531950, -71.967463
Cabanaconde, Peru: -15.622548, -71.980144
Arequipa, Peru (2): -16.409047, -71.537451
6. bis 12. Juni 2010, vom Titicacasee über Cuzco wieder zurück nach Arequipa, nach wie vor im Mietwagen
Dank unseres kleinen Abstechers am Titicacasee entlang Richtung bolivianische Grenze haben wir rund 500 Kilometer auf dem Tacho bis wir endlich in der früheren Hauptstadt des Inka-Imperiums, Cuzco, eintreffen. Es ist schon spät, und wir merken, wie bequem wir es immer beim Reisen mit dem Motorrad hatten, als wir uns nur selten um einen Parkplatz sorgen mussten. Das Motorrad wurde meist kurzerhand in der Eingangshalle oder direkt vor der Rezeption geparkt. Jetzt, mit dem Auto, sieht die Sache schon anders aus. In einem der Hostals in denen wir fragten, wusste der Inhaber nicht einmal, wo ein bewachter Stellplatz in der Nähe sein könnte, da er noch NIE Gäste hatte, die mit Auto kamen.

Aber auch hier werden wir nach ein paar Versuchen fündig und checken im Hotel “Wiracocha” ein. Von außen ziemlich schlicht, überrascht es uns mit einem riesigen Innenhof, um den die Zimmer entlang einer Balkongalerie angeordnet sind. Schon morgens wärmt die Sonne den Innenhof und wir frühstücken am nächsten Tag unter freiem Himmel. Abgesehen von dem peruanischen Standardfrühstück aus Brötchen mit Marmelade, Kaffee und Saft kann man leckere und exotische Sachen extra bestellen, zum Beispiel “Omelette Cubano”, mit Tomaten, Zwiebeln, Kräutern und gebratener Banane, oder Pfannkuchen mit Avocado.

Nach dem Frühstück wollen wir uns als allererstes um unsere Macchu-Picchu-Besichtigung kümmern und fahren mit dem Taxi zur PeruRail-Station. PeruRail ist die Gesellschaft, die die Bahnstrecke nach Macchu Picchu unterhält. Es gab einmal eine durchgehende Zugverbindung von Cuzco nach Macchu Picchu, allerdings wurden wohl durch Erdrutsche während der Regenzeit Teile des Schienennetzes beschädigt, so dass der erste Teil der Strecke bis Piscacucho durch Busse ersetzt wurde. Schade, denn nun fährt man nur noch gut eineinhalb von insgesamt 4 Stunden Fahrtzeit mit dem Zug und holpert ansonsten in Minibussen durch die Landschaft (Anmerkung der Redaktion: am 25. Juni erfolgt die offizielle Wiedereröffnung der kompletten Bahnverbindung).

Umgerechnet etwa 74 Euro kostet die Fahrt pro Person, der Eintrittspreis in die Ruinen nicht eingerechnet. Wir reservieren uns Tickets für den nächsten Morgen 8.45 Uhr. Gegen 13 Uhr erreicht der Zug Aguas Calientes, das Dorf direkt unterhalb Macchu Picchus. Die Ruinen schließen um 17 Uhr, genug Zeit zum Besichtigen also. Was unsere anschließende Rückfahrt nach Cuzco betrifft schießt PeruRail jedoch den Vogel ab: früheste Rückfahrtmöglichkeit ist 21.30 Uhr – das heißt viereinhalb Stunden Zeit totschlagen, nachdem man die Ruinen verlassen hat. Warscheinlich hat PeruRail einen Vertrag mit den örtlichen Souvenirshops, damit man schön viel Zeit zum Geld ausgeben hat… Aber das ist noch nicht alles, denn die Rückfahrt geht nicht einmal bis Cuzco, nein, diesmal ist Endstation in Ollantaytambo, ca. 70 km vor Cuzco. Für den restlichen Teil der Strecke müsse man sich selbst um eine Fahrgelegenheit kümmern. Das ist uns doch reichlich suspekt, und wir wundern uns, warum es bei der Hinfahrt eine Busverbindung ab Cuzco gibt, es aber bei der Rückfahrt plötzlich ein Problem sein soll, die Busse auch wieder bis nach Cuzco zurück fahren zu lassen. Aber was haben wir für eine Wahl, wer das Monopol hat kann sich solche Mätzchen erlauben. Das wird ein langer Tag werden morgen…

Danach gehen wir noch unsere Eintrittstickets für Macchu Picchu im Stadtbüro Cuzco kaufen. Die Eintrittskarten kann man natürlich auch direkt in Aguas Calientes lösen. Dort ist jedoch verständlicherweise ein riesiger Andrang, jedesmal wenn der Zug eine Ladung Passagiere ausschüttet, den wir uns lieber ersparen wollen. Für den Eintritt ist man noch einmal mit 36 Euro dabei. Kaum geht es um das Nationalmonument Perus, muss man tief in die Tasche greifen, aber verzichten möchte man ja auch nicht – das wäre wie nach Paris zu fahren ohne den Eiffelturm zu sehen…

Froh, dass wir für den nächsten Tag alles organisiert haben, verlegen wir uns nun auf einen gemütlicheren Zeitvertreib – Stadtbummel – gehen einen Kaffee am schönen Plaza de Armas trinken, schauen uns die Handwerksstände an und kaufen in einem Supermarkt Proviant für den nächsten Tag. Auf dem Weg zum Supermarkt entdecken wir ein kleines verstecktes Lokal, genau das richtige für einen kleinen Snack. Statt dem Bestellten kommt aber zunächst einmal Fischsuppe für alle als Vorspeise vom Haus. Zu der klaren Brühe gibt es ganz exotisch Limetten und Chilipaste zum hineinrühren und geröstete Maiskörner, die man anstelle Croutons in die Suppe streut. Ungewöhnlich und ziemlich lecker. Von unserem Nachmittags-“Snack” sind wir anschließend so satt, dass wir uns das Abendessen gleich sparen und stattdessen nur gemütlich im Zimmer zusammensitzen. Morgen heißt es nämlich leider früh aufstehen…

8. Juni – Gnadenlos reißt uns der Wecker um 5.30 Uhr aus den Federn: Frühstücken, Stullen schmieren, dann geht es per Taxi wieder zum Bahnhof. Leider erwartet uns dort nicht etwa unser Bus, sondern eine Angestellte von PeruRail mit schlechten Nachrichten: Alle Straßen aus Cuzco hinaus seien wegen eines Streiks gesperrt, Fahrzeuge, die trotzdem versuchen würden, hindurchzufahren, würden mit Steinen beworfen. Die Fahrt sei deshalb aus Sicherheitsgründen abgesagt, die Tickets könne man entweder gratis auf einen anderen Tag umbuchen oder sich den Fahrpreis erstatten lassen. Willkommen in Südamerika!

So etwas ist natürlich besonders ärgerlich, wenn man – so wie unser Besuch – nur wenige Tage Zeit im Land hat und solche Umstände den ganzen Plan über den Haufen werfen können. Wir beschließen, dass wir versuchen unsere Tickets auf den Folgetag umzubuchen (und hoffen, dass der Streik dann bereits vorbei ist) – und falls das nicht möglich wäre, Macchu Picchu ganz abzusagen. Allerdings wäre es schon von Vorteil wenn der Streik bald beendet wäre, sonst könnten wir auch nicht nach Arequipa zurückfahren, denn es sind angeblich ja alle Straßen aus Cuzco heraus betroffen.

Vor dem Service-Schalter stehen Menschenmassen, jeder versucht umzubuchen oder sich sein Geld auszahlen zu lassen. Bis wir endlich an der Reihe sind gehen etliche Tassen Kaffee ins Land. Die Umbuchung auf morgen klappt zwar, die Rückfahrzeit bleibt jedoch genauso ungastlich. Danach fahren wir wieder zurück ins Hotel und ernten verwunderte Blicke an der Rezeption – so bald hatte man uns nicht zurück erwartet, die Nachricht vom Streik ist noch nicht bis hierher vorgedrungen.

Nun sitzen wir erst einmal gefrustet vor unseren geschmierten Stullen und überlegen, was wir mit diesem Tag anfangen – Ausflüge in die Umgebung sind ja leider auch nicht drin. Und was machen Frauen, wenn sie mit ihrer Zeit nicht besseres anzufangen wissen? Einkaufen gehen! Diesmal führt uns der Weg Richtung San Pedro Markt, wo es unzählige Stände mit den typischen Alpakawolle-Kleidungsstücken (Pullover, Ponchos, Schals, Decken usw.) gibt. Es wäre besser, wenn der Streik morgen beendet und wir nach Macchu Picchu fahren können, sonst wird der Aufenthalt hier ziemlich teuer, die Sachen sind aber auch wirklich zu schön. Beim Handeln meint Frank zu einer Verkäuferin mit Leidensmiene, er sei schließlich mit vier Frauen unterwegs, da hätte man als Mann kein Geld mehr. Aber man(n) sollte sich nicht beklagen, schließlich darf Frank nun auch ein (nicht ganz so originales) Deutschland-Trikot sein eigen nennen. Zur in wenigen Tagen beginnenden WM muss man schließlich in Landesfarben antreten. Außerdem erstickt es die nervige Frage, ob man Amerikaner sei, gleich im Keim.

Am Ende des unfreiwilligen Faulenz-Shoppingtages gehen wir zum Abendessen in ein kleines Lokal gleich um die Ecke und futtern uns einmal die Speisekarte herunter. Es gibt lauter leckere Kleinigkeiten, gemischte Grillspieße, verschiedene Empanadas oder gegrillte Chorizos. Muss schließlich alles mal gekostet werden. Bei der Rechnung scheint sich die Bedienung allerdings zu ihrem eigenen Nachteil vertan zu haben. Auf dem Heimweg freuen wir uns zunächst, dass alles soooo günstig war, dann fangen wir aber an nachzurechnen und merken, dass das einfach nicht stimmen kann. Conny bekommt sofort ein schlechtes Gewissen und düst mit Frank noch einmal zurück und macht die Bedienung auf den Fehler aufmerksam. Die kann es überhaupt nicht glauben, dass Touristen noch einmal wiederkommen um ihr fehlendes Geld zu bringen…

Macchu Picchu, zweiter Akt
9. Juni –
Und wieder klingelt der Wecker erbarmungslos um 5.30 Uhr. Macchu Picchu will immer noch bezwungen werden. Zum dritten Mal lassen wir uns mit dem Taxi zur Zugstation chauffieren. Mit jedem Mal erwischen wir jedoch eine kleinere Schuhschachtel. Frank sitzt bequem neben dem Fahrer, während die vier Mädels sich zusammen auf die Rückbank quetschen. Das heutige Gefährt ist so eng, dass Andrea mehr oder weniger quer über den anderen dreien mit ihren Rucksäcken liegt. Auch wenn das ganz und gar nicht der Straßenverkehrs-Sicherheitsnorm entspricht, wird Frank auf dem Vordersitz kurioserweise immer darauf hingewiesen, sich anzuschnallen. Da versteh einer die Peruaner, anscheinend ist es völlig okay, die Leute auf dem Rücksitz zu stapeln, hauptsache der Vorderste ist angeschnallt. Aber wir kommen ja heil an – auch wenn man einen Schuhlöffel braucht, um uns wieder aus dem Auto herauszuhebeln.

Diesmal erwartet uns an der Zugstation wenigstens keine unangenehme Überraschung! Der Streik ist planmäßig beendet und wir können in unseren Bus einsteigen, Abfahrt 8.45 Uhr. Während der Busfahrt sieht man am Straßenrand zerbrochenes Glas liegen – wohl von Fahrzeugen, die gestern mit Steinen beworfen wurden. Heute jedoch sind die Straßen wie ausgestorben, von Demonstranten keine Spur mehr. Einige Teile des Weges fährt der Bus mangels Straße rumpelnd direkt auf dem momentan stillgelegten Gleisnetz.

In Piscacucho steigen wir dann in den Zug um, der sich zwischen grünen bewaldeten Hügeln entlang des Flusses Urubamba in den Dschungel hineinschlängelt. Oberhalb des Urubamba-Tales liegt an einem Berghang in 2300 Metern Höhe Macchu Picchu. Der Bau dieser Bergsiedlung wurde vermutlich um das Jahr 1450 begonnen. Man schätzt, das diese Stadt einst bis zu 1000 Menschen Zuflucht bot. Durch die Eroberung der Spanier konnte die Errichtung von Macchu Picchu jedoch nie abgeschlossen werden, die Stadt wurde verlassen und geriet in Vergessenheit. Der Dschungel überwucherte bald die Mauern, Erdrutsche machten immer wieder das Urubamba-Tal teilweise unpassierbar und verbargen Macchu Picchu erfolgreich lange Zeit vor europäischen Expeditionen. Die “offizielle” Entdeckung wird für das Jahr 1911 verzeichnet.

Um 12.50 Uhr erreicht unser Zug Aguas Calientes, die Talstation zu Macchu Picchu. Von hier aus geht es noch einmal mit einem Bus viele Serpentinen hinauf zur Ruinenstadt selbst. Aguas Calientes ist eigentlich eine reine Touristensiedlung – Hostals, teure Restaurants und Souvenirshop neben Souvenirshop. Für die Busfahrt zu den Ruinen muss man noch einmal tief in die Tasche greifen: 14 US-Dollar für wenige Minuten Fahrt. Uns ärgert, dass diese Busfahrt nicht gleich bei unserem Ticket mit dabei ist, nein, stattdessen steht man schon wieder Schlange für die Extra-Fahrkarte und anschließend gleich noch einmal um in einen der Busse hineinzukommen. Endlich oben vor den Eingangstoren angekommen, verpicknicken wir erst einmal unsere Proviantbrötchen, dann geht es hinein in die Ruinen.

Von Macchu Picchu aus hat man eine unglaubliche Aussicht hinunter in das Tal. Steinmauern aus fast fugenlos ineinandergepassten Felsblöcken haben fast unbeschädigt die Zeit überdauert. Man fragt sich, wie die riesigen Felsblocken diesen Berg hinauf transportiert und dann so präzise bearbeitet werden konnten. Auf den vielen Terrassenstufen grasen Alpakas, die sich hier wie Hausherren benehmen und Touristen, die ihnen im Weg stehen einfach beiseiteschieben “Platz da, hier komm ich”. Frank sitzt kurz auf einer der vielen Treppen und kann gerade noch beiseitespringen bevor er von einem der wandelnden Pullover über den Haufen gerannt wird. Auch ein kleines Chinchilla sehen wir in einer Felsritze sitzen. Allerdings sollte man hier gut zu Fuß sein, der Weg führt uns treppauf und treppab, ganz ungläubig sehen wir zu, wie eine Frau samt Rollstuhl von ihrer Familie über all die Terrassen geschleppt wurde.

Kurz bevor wir die Ruinen wieder verlassen müssen sehen wir zu, wie die Sonne hinter den Mauern versinkt und alles noch einmal in orangefarbenes Licht taucht. Auch wenn es eine kostspielige Angelegenheit ist, war es es wert, hierherzukommen. Nun fahren wir mit dem Bus wieder zurück nach Aguas Calientes und suchen uns fürs Abendessen ein Restaurant mit halbwegs normalen Preisen. Normale Gerichte sind völlig überteuert, bei Menüs kann man jedoch einen Glücksgriff machen. Unser Menü besteht aus vier (!) Gängen für nur 15 Soles (etwa 4 Euro). Als Vorspeise gibt es gefüllte Avocado, danach Suppe und als Hauptgang – Achtung – Alpaka-Steak. Das hatte noch keiner von uns gekostet, und man muss sagen, gegrillter Pullover schmeckt richtig lecker. Zum Nachtisch bekommen wir noch frischen Obstsalat oder Banane mit Schokosauce. Nach dem Essen haben wir leider immer noch so viel Zeit übrig, aber auf die Souvenirshops haben wir keine Lust, also sitzen wir am Bahnhof, und dösen vor uns hin. Wenigstens haben wir für die Rückfahrt einen luxuriöseren Zug, in dem sogar ein kleiner Snack und Getränke gereicht wird. Damit will man wohl um gut Wetter bitten, weil man uns in Ollantaytambo aussetzt und wir für unsere Rückfahrt nach Cuzco extra zahlen müssen. Als wir endlich wieder in unserem Hotel in Cuzco ankommen ist es kurz vor ein Uhr nachts und wir waren über 18 Stunden unterwegs – Freizeitstress vom Feinsten!

Flug der Kondore
10. Juni –
Nachdem wir am Morgen gefrühstückt und gepackt haben, erwartet uns beim Checkout noch ein Schock. Der Preis für die Übernachtung lautete auf US-Dollar, nicht auf peruanische Soles. Da sind wir ja schön reingefallen! Als Ute und Andrea vor vier Tagen an der Rezeption des Hotels nach dem Zimmerpreis fragten, hieß es, das Doppelzimmer koste “Cincuenta” – 50. Die Währung wurde aber dummerweise nicht dazu genannt! Eigentlich hätten wir spätestens am nächsten Tag stutzig werden müssen, als bezüglich Macchu Picchus sämtliche Preise, Eintrittskarten und Zugtickets in US-Dollar ausgewiesen waren, aber wir waren wohl einfach zu naiv. In über 5 Monaten, die wir nun hier in Südamerika reisen, hatten wir noch nie eine Unterkunft, die ihre Preise in US-Dollar ausgewiesen hatte. Die Preise auf der Speisekarte mit den leckeren Frühstücks-Extras dagegen war wiederum in peruanischen Soles beschriftet – da soll man noch Durchblick behalten. Der Unterschied ist natürlich erheblich, 50 Soles wären etwas mehr als 14 Euro gewesen, 50 US-Dollar dagegen sind schon ca. 40 Euro. Die beiden an der Rezeption sind allerdings sehr entgegenkommend, nachdem wir ihnen den Grund des Missverständnisses erklärt haben, geben sie uns für beide Zimmer Rabatt, so dass wir für das Doppelzimmer statt 50 nur 35 US-Dollar und für das Mädelszimmer statt 60 nur 45 US-Dollar pro Nacht bezahlen. Ein besonders netter Zug, denn damit haben sie uns jeweils eine Nacht gratis gegeben. Man lernt es eben immer auf die harte Tour, in Zukunft werden wir wohl in jedem Hotel oder Hostal ausdrücklich nach der Währung des Preises fragen!

Nach dem der Ärger verwunden ist, starten wir endlich Richtung Colca Canyon, wo wir am nächsten Tag ganz früh die riesigen Anden-Kondore beobachten wollen, die mit der Morgenthermik aus dem Canyon aufsteigen.

Wir fahren zunächst die gleiche Route wieder zurück, die uns bis zum Titicaca-See führen würde. Um uns einen großen Umweg zu ersparen, verlassen wir allerdings auf halbem Weg die gut ausgebaute Straße und schlagen uns sozusagen ins Gebüsch, um über Schotterstraßen auf direktem Wege zum Canyon zu gelangen. So kommen unsere drei Besucher zum ersten Mal in den “Genuß” südamerikanischer Staubpisten und der “ausführlichen” Beschilderung sobald man sich einmal abseits der Hauptverkehrswege befindet. Unsere Straßenkarte erweist sich auch prompt als Fehlinvestition und unterschlägt gleich einmal 40km Weg und zwei Kreuzungen komplett. Wieder einmal hilft uns nur Fragen weiter. Die Angaben des Mannes sind erstaunlich korrekt, er beschreibt Brücken und Abzweige bis ins kleinste Detail – nur mit den Kilometerangaben liegt er völlig daneben. Erst gibt er uns als Entfernung zu unserem Ziel noch 8km an, dann verbessert er sich auf 5km …letztendlich waren es 40! Natürlich ist es bereits wieder stockfinster als wir endlich den Colca Canyon erreichen (es wird wirklich zur lästigen Gewohnheit), und so sehen wir noch nichts von seinen tatsächlichen Ausmaßen. An seiner tiefsten Stelle soll er zweimal so tief wie der berühmte Grand Canyon sein. Bis zu diesem Punkt fahren wir nun noch, zum kleinen Ort Cabanaconde, in dessen Nähe die Aussichtsplattform ist, von dem man die Kondore bei ihrem Flug beobachten kann. Cabanaconde ist ein staubiges, lehmbraunes Dorf und entsprechend einfach die Unterkünfte – hier findet man definitiv kein Hotel, das seine Preise in US-Dollar ausweist. Schlicht, aber sauber, für 13 Soles (weniger als 4 Euro pro Person) inklusive Frühstück, das gleicht ein wenig den Preisschock von heute morgen wieder aus…

Am nächsten Morgen heißt es zum dritten Mal in dieser Woche früh aufstehen (und das soll Urlaub sein?). Die Kondore steigen zwischen 8 und 9 Uhr mit der Morgensonne aus dem Canyon auf, deshalb quälen wir uns um 6 Uhr aus den Federn um zu frühstücken und die gute halbe Stunde zum Aussichtspunkt zu fahren. Fast pünktlich kommen wir am “Cruz del Condor” an und sehen gerade die ersten Kondore vereinzelt aus der Schlucht (die hier etwa 2 Kilometer tief ist) nach oben schweben. Noch ist es recht kühl, die Sonne hat noch nicht alle Winkel des Canyons erreicht, und die Kondore fliegen noch tief unter uns. Wir suchen uns einen guten Platz auf den Mauern der Aussichtsplattform, noch bevor die Touristenscharen mit den Bussen herangekarrt werden. Manchmal fliegen die Kondore in Schwärmen und umkreisen sich gegenseitig, einer allerdings sitzt die ganze Zeit unbeweglich auf einem Felsvorsprung und schaut sich das Treiben prüfend an, wohl der Fluglehrer, der aufpasst, dass alle in geordneten Bahnen schweben. Man hat sowieso den Eindruck, dass die Kondore die Aufmerksamkeit genießen und sich absichtlich majestätisch direkt über die Köpfe der Menschen gleiten lassen …Angeber! Wenn einer der Vögel so dicht an die Zuschauer herankommt, sieht man erst einmal die tatsächliche Größe. Ein Andenkondor kann über 3 Meter Flügelspanne erreichen, aber natürlich fällt das erst auf, wenn man einen Menschen direkt daneben sieht. Wir sitzen eine ganze Weile einfach nur da und beobachten die Kondore. Schließlich aber, nach etwa 2 Stunden scheint auch der letzte am Horizont entschwunden zu sein und wir brechen auf. Wir fahren durch den Canyon zurück (diesmal bei Tageslicht und toller Aussicht auf unzählige Terassenfelder an den Hängen der Schlucht), und schlagen den Weg nach Arequipa ein, wo unsere Rundreise wieder endet.

Zwischen dem Colca Canyon und Arequipa windet die Straße sich noch einmal auf eine unglaubliche Höhe von 4825 Metern hinauf, damit haben wir einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt. Die Sonne scheint, und man kann trotz der Höhe im T-Shirt aus dem Auto steigen ohne zu frieren, dennoch sieht man neben der Straße in schattigen Stellen riesige Eiszapfen. Weil uns zwischendurch der Sprit ein wenig knapp wird, tanken wir sicherheitshalber bei zwei der kleinen Kiosk-ähnlichen Läden, die man auch in der Einöde immer wieder findet. Tanken darf man sich hier aber nicht etwa so vorstellen, dass man an eine Zapfsäule fährt, oh nein! Dass Sprit erhältlich ist sieht man daran, dass an die Hausmauer das Wort “Combustible” geschrieben steht, dann geht man in den Laden, sagt, wieviele Gallonen man tanken möchte, und dann kommt ein altes Muttchen mit Kanister, Trichter und Schlauch herausgehumpelt und gießt den gewünschten Sprit in den Tank.

Bei einem der beiden Tankstopps machen wir noch ein kurzes Päuschen und stehen gerade mit ein paar Brötchen in der Hand um das Auto herum, als ein Hund mit Bettelblick immer wieder auf unser Brötchen schielt. Einer von uns wirft ihm ein Stück zu, das er – haps – mitten aus der Luft fängt. Danach wird er mutig und wedelt die ganze Zeit um uns herum. So geht das aber nicht! Ute denkt sich, was bei Strolch zuhause funktioniert hat, geht bestimmt auch bei peruanischen Hunden, hebt den Finger, und erst als er schön “Sitz” macht, gibts das nächste Stück Brötchen. Als es mit dem deutschen “Sitz” noch nicht so recht klappt, hilft Andrea mit Spanisch “Asiento” weiter, und siehe da… So erzieht man mal nebenbei den Tankstellenhund!

Am nachmittag erreichen wir Arequipa und freuen uns schon, wieder unsere gemütlichen Zimmer im “Casa de Sillar” zu beziehen, das ist fast ein bisschen wie nach Hause kommen. Leider heißt das auch, das nun unser letzter gemeinsamer Abend angebrochen ist, bevor Ute, Conny und Kirsten morgen wieder zurückfliegen müssen. Da dachten wir uns, gehen wir doch noch einmal richtig schön peruanisch essen zum Abschluß… Nachdem wir ein bisschen planlos durch die Stadt gebummelt sind, und gehofft haben, dass wir schon noch über ein leckeres Restaurant stolpern werden, lockt uns Grillgeruch in ein kleines Lokal voller Einheimischer. Wo soviele Arequipenos essen muss es gut schmecken, denken wir uns …und landen unseren ersten Reinfall! Fünf mal gemischtes Gegrilltes bestellen wir – und bekommen einen Teller mit gegrillten Innerein *örks*. Mutig knabbern wir an allem mal ein bisschen, aber so richtig auf den Geschmack kommen wir nicht. Wäre auch zu schön gewesen, wenn noch mal ein Alpaka-Steak auf unserem Teller gelandet wäre. Wir lassen uns die Eingeweide einpacken und bescheren auf dem Rückweg zwei Bettlern einen vollen Bauch – wenigstens haben wir damit eine gute Tat getan. Damit es wenigstens noch etwas leckeres am letzten Abend gibt, gehen wir noch in eine Kneipe um die Ecke auf eine Portion “Arroz Chaufa” – gebratener Reis mit Fleisch, da weiß man wenigstens, was man isst!

Abschied
12. Juni –
Nun ist es leider soweit. Heute mittag müssen wir die drei Mädels wieder nach Deutschland zurück lassen. Ein paar Stunden bleiben uns jedoch noch, bevor wir zum Flughafen müssen. Wir frühstücken extra früh, damit wir noch ein bisschen Zeit zusammen haben und gehen noch einmal Richtung Markt. Kirsten und Conny waren so beeindruckt von unserem günstigen Friseurbesuch in der vorigen Woche, dass beide spontan beschlossen haben, sich auch einen Haarschnitt zu gönnen. Die Friseurinnen können kaum glauben, dass schon wieder Europäer in ihren Laden hereinschneien. Andrea dolmetscht ein bisschen, damit das Ergebnis auch wird wie gewünscht, und ratz fatz ist der Kopfputz hübsch zurechtgestutzt.

Im Markt selbst und in den naheliegenden Handwerksgeschäften wird das Koffervolumen noch einmal endgültig ausgereizt und die letzten Souvenirs erstanden. Jetzt platzen die Koffer aber nun endgültig aus den Nähten und die Uhr mahnt auch schon, dass es Zeit wird, zum Flughafen zu fahren. Die Wartezeit bis zum Einsteigen verbringen wir noch gemeinsam bei einem Kaffee auf der Aussichtsterrasse. Auf dem Rollfeld sehen wir einen Hubschrauber und ein wartendes Flugzeug, überall auf der Terrasse stehen strategisch günstig Sicherheitskräfte verteilt. Kurz darauf fahren etliche Autos auf das Rollfeld Richtung des Flugzeuges, aus denen Rudelweise Anzugträger entsteigen. Einer der schwer bewaffneten Security klärt Frank auf, dass der Mann, der da gerade die Gangway hochläuft, der peruanische Präsident ist. Der Trubel verläuft sich aber genauso schnell, wie er begonnen hat, und nachdem der Hubschrauber und die Präsidentenmaschine gestartet sind, heißt es nun endgültig, Abschied nehmen. Ein paar Tränchen kullern, und wir stehen noch zum Winken auf der Aussichtplattform. Als Ute, Conny und Kirsten in ihr Flugzeug steigen, drehen sich die drei oben auf der Treppe noch einmal um, winken uns zu, und die beiden Stewarts, die daneben stehen, winken gleich mal fröhlich mit…

Nun sind wir wieder alleine und der “Urlaub vom Urlaub” ist zu Ende!

Mehr Fotos von Macchu Picchu, Cuzco und dem Kondor-Canyon (und auch zwei Videos) gibt es hier…

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