Die letzten Tage in Peru

14. Juli 2010

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Chiclayo, Peru: -6.776597, -79.844298
Tarapoto, Peru: -6.482478, -76.372689
Mancora, Peru: -4.103478, -81.045104
Zarumilla, Peru: -3.504955, -80.271159
9. bis 14. Juli 2010, von Tarapoto bis zur ecuadorianischen Grenze, Kilometer 23039 bis 23620 unserer Reise

Von dem Schiff, auf dem wir die letzten 6 Tage verbracht hatten, bringt uns ein Motorradtaxi direkt zur Minibus-Station. Wir müssen nicht lange warten, dann startet unser Bus, der uns zunächst nur in die nächste größere Stadt, Tarapoto, bringt. Der Fahrer meint es ja nett und will seinen Fahrgästen Unterhaltung bieten, aber die Dauerberieselung mit peruanischen schmalzigen Musikvideos bringt uns nahe an den Hörsturz. Dass der kleine Junge auf dem Sitz neben Andrea wie am Fließband kotzt macht die Fahrt allerdings auch nicht angenehmer. Zum Glück müssen wir das nur gute zweieinhalb Stunden ertragen, dann sind wir erlöst.

Für Tarapoto haben wir diesmal einen Tag Aufenthalt eingeplant, bevor wir wieder zu unserem Motorrad nach Chiclayo zurückfahren. Wir wollen erst einmal in Ruhe ein anderes Busunternehmen für die Rückfahrt ausfindig machen, damit sich der Alptraum von der Hinfahrt nicht wiederholt (wir berichteten..), aber dafür müssen wir zuallererst einmal endlich in Erfahrung bringen, ob Deutschland es inzwischen ins Finale der WM geschafft hat. Auf dem Fluss waren wir ja 3 Tage von allen Radio- oder Fernsehnachrichten abgeschnitten und wissen immer noch nicht, wie das Spiel gegen Spanien ausging. Nicht dass wir uns die Rückfahrt genau so buchen, dass wir auch noch das letzte Deutschlandspiel verpassen (ja ja, als Reisender zu WM Zeiten hat man es schon schwer…).

Deshalb lassen wir uns zu einem Hostal bringen, das wir uns schon aus dem Reiseführer herausgesucht hatten. Natürlich tut der Taxifahrer wieder nicht das, was man ihm sagt, sondern bringt uns erst einmal zu einer ganz anderen Adresse (vermutlich das Hotel, für das er Provision kassiert) …versuchen kann man es ja! In so einem Fall muss man einfach hartnäckig bleiben.

Als wir schließlich im Hostal “San Antonio” eigecheckt haben (endlich mal wieder ein Bett und eine heiße Dusche, welch ein Luxus…), suchen wir unsere Schmutzwäsche der letzten Woche zusammen und gehen auf Wäscherei-Suche. Bis wir endlich fündig geworden sind wird Frank schon langsam grantig weil er noch kein Frühstück hatte. Nachdem der Mann wieder verträglicher ist, kümmern wir uns um die Busfahrt, die uns noch bis Chiclayo bevor steht. Inzwischen haben wir leider auch erfahren, dass Deutschland den Einzug ins Finale verpasst hat, und am folgenden Tag um den dritten Platz gegen Uruguay spielt. Das letzte Deutschlandspiel wollen wir nicht auch noch verpassen und buchen unser Rückfahrticket so, dass wir vorher noch hier in Tarapoto das Spiel schauen können. Hoffentlich hält wenigstens dieses Busunternehmen seine vollmundigen Versprechungen über Bordverpflegung und -Unterhaltung.

Außerdem nutzen wir die Zeit hier in der Stadt noch um eine Anschrift von einem Reifenhändler für Metzeler Reifen abzuklappern. Ja, unsere neuen Stollenreifen, die wir uns vor 9000km in Chile zugelegt hatten, sind inzwischen kaum mehr als solche zu erkennen, baldiger Ersatz tut not. Wir haben schon gemerkt, dass hier in Peru die Markenreifen wesentlich günstiger als in Chile zu bekommen sind – nur leider hat der Händler unsere Größen nicht auf Lager. Deshalb beschließen wir, die Reifensuche auf Ecuador zu verschieben.

Als wir später noch einmal etwas essen gehen, wundern wir uns einmal wieder, wie günstig man hier in Peru essen kann. Sobald man nicht in einem “richtigen” Restaurant, sondern in den kleinen Kneipen isst, in die die Einheimischen gehen, bekommt man leckere Tagesmenüs für wenige Soles. Unser heutiges Menü unterbietet aber noch einmal alles, was wir bisher kannten: für umgerechnet weniger als einen Euro (!) bekommt man eine Suppe, ein Hauptgericht und einen Saft.

Am nächsten Tag packen wir unsere Rucksäcke zusammen und suchen uns etwas für ein gemütliches Frühstück und fahren anschließend direkt zur Busstation, um dort das Fußballspiel zu schauen. Unser Frühstückserlebnis kann man allerdings wieder unter “man will uns einfach nicht verstehen” einordnen: Frank bestellt sich nämlich Kaffee “con un poco leche” (mit ein wenig Milch) und bekommt eine große Tasse heiße Milch vorgesetzt, in die er das Kaffeepulver einrühren darf. Andrea dagegen möchte ein Sandwich mit Schinken und Oliven und sieht sich anschließend vor einem Teller mit zwei Brötchen, eines mit einer Scheibe Schinken und eines zwischen das 5 Oliven gesteckt wurden *seufz* …soviel Dummheit tut weh

Zumindest tröstet uns das spannende Fußballspiel über das missratene Frühstück hinweg. In der Wartehalle der Busgesellschaft hängt ein großer Monitor, und alle verfolgen gebannt das Spiel. Allerdings sind wir die einzigen, die für Deutschland jubeln, die Peruaner drücken nämlich Uruguay als letztem südamerikanischem Team die Daumen. Unsere Mannschaft tut uns den Gefallen, und gewinnt das Spiel in der regulären Spielzeit, eine Verlängerung hätten wir nämlich mal wieder glatt verpasst, weil unser Bus diesmal pünktlich (oh, Wunder) um 16 Uhr startete.

Diesmal treffen wir es tatsächlich besser mit dem Busunternehmen. Man hat zwar deutlich weniger Platz und nicht mehr so schöne extrabreite Liegesitze aber dafür gibts Getränke, Abendessen und spannende Filme und der Busfahrer fährt auch so gesittet, das man nicht mehr die Kloschüssel genauer inspizieren möchte.

11. Juli – Zugegebenermaßen wenig ausgeruht erreichen wir morgens um 6 Uhr wieder den Ausgangspunkt unseres Ausflugs Richtung Amazonasbecken, die Stadt Chiclayo. Schuld an der mangelnden Nachtruhe waren das asthmatisch schnarchende Walross neben uns und die Handys die in hübscher Regelmäßigkeit tröteten.

Die Taxifahrt zurück zu unserem Hotel ist auch wieder ein Erlebnis für sich. Als wir dem Taxifahrer den Namen des Hotels nennen, will er uns weis machen, es sei wegen einer Konferenz ausgebucht (Konferenz, ja klar…). Wir erklären ihm daraufhin, dass wir bereits letzte Woche in diesem Hotel waren und man von unserer Ankunft weiß. Natürlich hört er uns überhaupt nicht zu, sondern stürmt, kaum dass wir vor dem Hotel angehalten haben, hinein um an der Rezeption Provision zu kassieren, weil er ja zwei neue Gäste gebracht hat. Die Suppe versalzen wir ihm aber, als die Rezeptionistin sich natürlich noch sehr gut an uns erinnern kann, und wir gleich mit ihr abklären, dass wir unseren “Spezialpreis” von der letzten Woche wiederbekommen.

Unser Motorrad und unser restliches Gepäck haben die Woche ohne uns auch wunderbar überstanden (auch wenn unser Moto leider von der salzhaltigen Seeluft schon ein wenig Korrosion angesetzt hat). Der Chef vom Hotel hat unseren Idefix sogar ganz fürsorglich mit einer Plane abgedeckt. Wir schleppen unseren ganzen Krempel auf unser Zimmer – wieder einmal ist sortieren und umpacken angesagt, damit morgen wieder alles schön aufs Motorrad passt. Eigentlich verlassen wir das Zimmer nur, um Mittags noch einmal quer durch die Stadt Richtung Markt zu bummeln, wo es bei unserem letzten Aufenthalt so leckeren heißen Milchreis mit Früchten gab, dass wir uns noch eine extra große Portion einpacken lassen, die wir später auf dem Zimmer verputzen.

Weiter gen Norden
12. Juli –
Nur noch zwei Tagesetappen trennen uns von der Grenze zu Ecuador. Es wird Zeit, dass wir nach bald eineinhalb Monaten Peru endlich hinter uns lassen, wir haben noch so viele Länder vor uns…

Für heute haben wir uns kein bestimmtes Etappenziel vorgenommen – einfach Kilometer machen heißt die Devise. Wir fahren durch Wüsten- und Steppenlandschaften, immer mal wieder in der Nähe des Pazifiks, und so landen wir am Ende das Tages in Mancora, einem Ort der so unperuanisch aussieht, dass man meint, sich verfahren zu haben und versehentlich am Mittelmeer herausgekommen zu sein. Mancora wurde als Surf- und Strandparadies aufgezogen, mit Bars und Cafés, Shops mit Sonnenhüten und Badelatschen und Souvenirläden soweit das Auge reicht. Wir überschreiten das Durchschnittsalter der Touristen hier um gute 5-10 Jahre, die meisten sehen aus, als ob sie gerade das Abi oder den College-Abschluss in der Tasche haben und von den Eltern die Reise gesponsert bekommen haben (Neeeiiin, wir haben doch keine Vorurteile…).

Aber ein Badeort hat auch seine nicht zu unterschätzenden Vorteile: eine unerschöpfliche Auswahl an Unterkünften. Wir machen sogar ein Extra-Schnäppchen. Das Hostal zu dem wir fahren, sollte angeblich einen Preis von 30 Soles für ein Doppelzimmer haben, inklusive Frühstück und Klimaanlage (so sagte man uns). Vor Ort hieß es dann plötzlich, die 30 Soles gelten nur für längere Aufenthalte, sonst koste es mehr und Frühstück und Klimaanlage gibt es überhaupt nicht. Leicht grummelig wollten wir schon wieder davonfahren, als es sich der Besitzer noch einmal anders überlegt und uns den genannten Preis zusichert, auch wenn wir nur eine Nacht bleiben. Nett ist es ja, mit Gartenparkplatz fürs Motorrad, Grill, kleinen, Cabana-ähnlichen Häuschen aus Bambus mit Steinfußboden. Also gut, dann bleiben wir. Beim Bezahlen ist der Mann jedoch so verwirrt dass er uns zuviel herausgibt und wir damit letztendlich unser Zimmerchen für 20 Soles bekommen.

Besonders der Grill im Garten juckt Frank in den Fingern, das saftige Steak bleibt ihm jedoch nicht vergönnt. Wir klappern das ganze Örtchen nach einem Metzger oder wenigstens einem Supermarkt mit Fleischtheke ab – Fehlanzeige! Armer Frank, statt der halben Kuh gibt es dann eben leckere Langostinis (Riesengarnelen) in einem kleinen Lokal in der Nähe des Strands. Mal ein Tag Strandurlub wäre ja eigentlich auch mal ganz nett, das hatten wir schon seit Uruguay nicht mehr. Kurz überlegen wir, ob wir mal einen Faulenzertag einlegen, aber dann siegt doch der Reisetrieb und wir entscheiden uns, morgen gleich weiter zu fahren.

Ein neuer Eintrag für die Jeitnersche Pannenstatistik
13. Juli –
Eigentlich hätten wir es gar nicht mehr weit bis zur ecuadorischen Grenze. Allerdings haben wir die Rechnung ohne unser Moto gemacht. Das dachte sich nämlich, dass es uns schon lange nicht mehr geärgert hat. Wir haben Mancora noch nicht lange hinter uns gelassen als wir ein beunruhigendes Klappern von Richtung Hinterrad hören. Zuerst dachte Frank nur, die Kette hätte sich etwas gelockert und spannt sie neu. Als die merkwürdigen Geräusche danach immer noch nicht nachlassen entdeckt Frank, dass von den Metallhülsen über den Kettengliedern etliche geplatzt sind. Nach nur 12000 Kilometern brauchen wir damit schon wieder eine neue Kette. Viel weiter sollten wir so allerdings nicht mehr fahren, sonst besteht die Gefahr, dass auch die Zahnräder beschädigt werden, deshalb suchen wir gleich in der nächsten Stadt, Tumbes, nach Ersatzteilgeschäften für Motorräder. Dabei kommt uns zugute, dass in Peru generell immer alle Läden einer Sorte auf der selben Straße, oder zumindest demselben Viertel sind, d.h. es gibt eine Straße mit Zahnärzten, eine mit Schuhgeschäften, eine für Küchenartikel. Wenn man also erstmal eines davon gefunden hat sind die anderen nicht weit. Eines der Motorradgeschäfte hat tatsächlich ein passendes Modell vorrätig, zwar keine besonders gute Qualität, dafür kostet sie diesmal auch nur 30 Dollar. Als wir beim letzten Mal in Chile dringend eine neue brauchten, zahlten wir den doppelten Preis gegenüber Deutschland (und haben offenbar damals trotzdem mindere Qualität erwischt, sonst wäre die Kette nicht nach 12000km schon wieder hinüber.

Das Ersatzteil haben wir also nun, jetzt brauchen wir nur noch einen Platz, an dem Frank basteln kann. Ecuador haben wir für heute gestrichen, bis wir über der Grenze sind ist es dunkel, und dann sieht Frank nichts mehr. Deshalb suchen wir einfach hier auf gut Glück. In Tumbes selbst finden wir zwar nichts geeignetes, mit einem Platz zum Schrauben für Frank, aber kurz vor der Grenze gibt es noch einige kleinere Orte. In Zarumilla gibt es sogar einige richtig schöne und günstige Hotels, vermutlich weil normalerweise hier niemals ein Tourist Station macht. Für umgerechnet 10 Euro bekommen wir in einem Hotel ein Doppelzimmer mit Fernseher und Minibar und eine große Tiefgarage fürs Moto. Frank beginnt sofort mit der Reparatur, leider waren wohl die wenigen Kilometer, die wir noch gefahren sind schon zuviel, denn beim Entfernen der Kette entdeckt er, dass bereits ein Zahn aus dem vorderen Ritzel gebrochen ist – damit ist das wohl auch demnächst fällig…

Da wir eigentlich heute bereits Ecuador erreichen wollten, haben wir auch kaum noch peruanische Soles übrig, und mussten die Kette und die Hotelübernachtung bereits in US-Dollar bezahlen. Zum Glück ist das hier in Grenznähe kein Problem, dass auch ein kleiner Ersatzteilladen die Fremdwährung akzeptiert. Unsere letzten Soles reichen gerade noch für ein Abendessen im Lokal gegenüber und ein Bierchen für den braven Motorradmechaniker.

Am nächsten Morgen erreichen wir dann endlich Ecuador, das sechste Land unserer Reise…

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