Chile – Abschied vom Land der Vielfalt

31. Mai 2010

Chile ist ein schmaler Landstrich zwischen Pazifik und Andenkordillere, über 4200km lang, aber an seiner breitesten Stelle gerade mal 355km breit. Das ungewöhnlichste an Chile ist, dass es nicht möglich ist, das Land in seiner ganzen Länge von Nord nach Süd zu bereisen. Es gibt schlichtweg keine durchgehende Straßenverbindung, entweder man überbrückt einige Strecken per Boot oder wechselt in das Nachbarland Argentinien.

Zum ersten Mal haben wir Chile im Süden betreten, als wir auf dem Weg die Atlantikküste entlang Richtung Ushuaia chilenisches Staatsgebiet durchquert haben. Chile teilt sich die Insel Feuerland (Tierra del Fuego) mit seinem Nachbarn Argentinien. Auch wenn Argentinien den Status der südlichsten Stadt der Welt für Ushuaia beansprucht, gibt es auf dem chilenischen Teil Feuerlands eine noch südlicher gelegene Stadt, Puerto Williams, die man jedoch nur per Boot und nicht mit eigenem Fahrzeug erreichen kann (und die deshalb für uns außer Reichweite lag). Auf dem Rückweg von Ushuaia reisten wir anschließend erneut in Chile ein, um uns nun auf der Pazifikseite Südamerikas auf den Weg nach Norden zu machen. Dabei wechselten wir immer wieder zwischen Argentinien und Chile und überquerten mehrmals die Richtung Norden stetig höher werdenden Anden. Insgesamt waren wir eineinhalb Monate (und fünf Mal) in Chile, wobei unser letzter Aufenthalt in Chile unfreiwillig verschoben werden musste, weil uns der verschneite Jama-Pass im Norden die Einreise aus Argentinien unmöglich machte. Deshalb wählten wir eine Alternativ Route über Bolivien und erreichten so erst 2 Wochen später für einen letzten Besuch Chile.

Statistik:
45 Tage im Land verbracht, davon 7 Nächte auf Campingplätzen, 36 in Hostals oder Hotels und 2 Nächte in einer Privatwohnung (wir haben von Jaime erzählt, der uns bei der Beschaffung einer neuen Kette für das Motorrad half…)
ca. 5946km auf chilenischen Straßen gefahren

Über das Land:
Landschaftlich gesehen war Chile das für uns bisher schönste Land unserer Reise. Besonders das Seengebiet in Zentralchile hat es uns angetan: leuchtendblaue und türkisgrüne Lagunen, umgeben von dicht bewachsenen Bergen oder Vulkanen mit schneebedeckten Kuppen, an deren Fuße sich unzählige heiße Thermalquellen befinden. Chile ist außerdem ein Land der Fjorde und der Gletscher – vergleichbar mit Norwegen. Besonders im Süden ist die Küste von tiefen Einschnitten zerklüftet, was auch ein Grund für die manchmal fehlende Überlandverbindung in Chile ist. Nördlich von Santiago merkt man bereits, dass man sich der großen Atacama-Wüste nähert, die als die trockenste Wüste der Welt gilt. Aber auch hier gibt es landschaftliche Highlights wie beispielsweise Salare (Salzseen) oder Geysire.


Über die Menschen:
In Chile haben wir die nettesten und hilfsbereitesten Menschen überhaupt kennengelernt – In Punta Arenas Eduardo in dessen Hostal wir uns so wohl gefühlt haben, dass wir mehrmals spontan unseren Aufenthalt verlängert haben und Gonzalo, der uns half, über Umwege neue Reifen für unser Motorrad zu beschaffen. Dann natürlich Jaime und Cesar aus Quellon (Chiloé), als wir nach einer Panne dringend einen neuen Kettensatz für unser Motorrad benötigten und wir sogar in einer leerstehenden Wohnung von Jaime schlafen durften. Im Norden von Chiloé haben wir die Schwestern und die alte Mama von der Herberge “Las Lilas” kennengelernt, die für uns extra ein original chilotisches Curanto kochten. Bei diesen lieben Menschen ist uns der Abschied jedesmal schwer gefallen und wir werden uns immer an sie erinnern.

Essen und Trinken:
In Chile haben wir viele neue, originelle Gerichte kennengelernt, allen voran natürlich das oben erwähnte Curanto, das traditionell im Erdofen zubereitete Nationalgericht der Insel Chiloé aus Muscheln (für Interessierte gibt es hier eine genaue Beschreibung…)

Oder die Cazuela, ein Eintopfgericht, für das eigentlich jede Köchin ihr Spezialrezept hat. Immer dabei sind reichlich Gemüse, Kartoffeln und Reis, wahlweise mit Hühnchen oder Fleisch oder am Meer auch gerne in der Kombination aus Seetang (“Luche”), der wie Blattspinat schmeckt und Lamm.

Ebenfalls auf der Insel Chiloé haben wir einen süßen Nachtisch gekostet, die “Torta de Chiloé”, eine Schichtspeise aus ganz vielen Crepeteig-Schichten gefüllt mit Apfelkompott und Zuckerschaum.

Selbst für simple Fast-Food-Gerichte wie Hot Dogs gibt es hier eine für uns Europäer ungewöhnlich Variante – den heißen Hund gibt es hier nämlich meistens gefüllt mit frischen Tomaten und reichlich Palta, einer Paste aus Avocado, Knoblauch und Limone.

Auch mit einem exotischen Getränk können wir aufwarten: “Mote con Huesillos” – ein eiskaltes Erfrischungsgetränk (die chilenische Alternative zu Eistee), bei dem getrocknete Pfirsiche und Graupen aufgekocht und der Sud anschließend gesüßt und gekühlt serviert wird. Die Graupen und Pfirsiche schwimmen wie bei einer Bowle noch im Getränk und werden ausgelöffelt. Lecker und ziemlich sättigend, fast schon ein kleiner Zwischendurch-Snack, den man überall an kleinen Straßenbuden kaufen kann

Natürlich gibt es aber auch “normale” Getränke, denn besonders für seine guten Weine ist Chile auch in Europa bekannt. In Zentralchile, wo man etliche von deutschen Auswanderern gegründete Dörfer findet, kann man sogar nach deutschem Reinheitsgebot gebraute Biere trinken.

Einen Cocktail dürfen wir nicht unerwähnt lassen, den “Pisco Sour”. Chile streitet sich mit Peru um das Recht als Erfinder dieses Getränkes zu gelten. Tatsächlich stammt es aber sogar noch aus Zeiten, als es diese Staatengrenzen noch gar nicht gab. Der Pisco selbst ist ein Traubendestillat (klar, wo Trauben angebaut werden gibt es eben nicht nur Wein sondern auch Traubenschnaps). Als Cocktail gibt es Pisco mit Limettensaft, Rohr- oder Puderzucker, manchmal Zimt und geschlagenem Eischaum.

Durchschnittspreise:

  • Übernachtung im Hostal p.P./Tag im DZ – zwischen 5000 und 8000 Pesos (7-11,50 Euro), kurioserweise haben wir ausgerechnet in der Hauptstadt Santiago mit am günstigsten übernachtet (7,70 Euro)
  • Camping p.P./Tag – zwischen 2500 und 3500 Pesos (3,50-5 Euro), im Nationalpark Torres del Paine 4000 Pesos (5,70 Euro)
  • Wäscherei – zwischen 700 und 1800 Pesos pro Kilo (1-2,50 Euro)
  • 1 Liter Benzin (Normal) – zwischen 650 und 700 Pesos (90 Cent bis 1 Euro)
  • 1 Liter Bier (Supermarkt) – 700 Pesos (1 Euro)
  • 1 Schop, 0,4 oder 0,5 Liter gezapftes Bier (Gaststätte) – 1000 bis 1400 Pesos (1,40-2 Euro)
  • 1 Milchkaffee “Cafe con Leche” (Gaststätte) – 1000 Pesos (1,40 Euro)
  • 1 Tee (Gaststätte) – 700 Pesos (1 Euro)
  • 1 kg Äpfel – 700 Pesos (1 Euro)
  • 1 Hot Dog am Snackstand – 500 bis 1000 Pesos (70 Cent bis 1,40 Euro)
  • 1 ganzes gegrilltes Hähnchen – 3500 bis 4000 Pesos (5-5,70 Euro)

In Chile hat uns gefallen:

  • Die Seenlandschaft in Zentralchile über das wir bereit weiter oben ausgiebig geschwärmt haben.
  • Die Insel Chiloé dicht vor der chilenischen Küste, das Irland Südamerikas mit sattgrünen Wiesen, Fischerdörfern, bunten alten Holzkirchen, aber leider auch recht viel Regen.
  • Die Geisterstadt Chaiten, die nach einem Vulkanausbruch eine Art Pompeji Südamerikas geworden ist. Es leben dort zwar immer noch 50 Menschen, große Teile der Siedlung sind jedoch verlassen. Ganze Straßenzüge sind in einer tiefen Ascheschicht versunken, und durch zersprungene Fensterscheiben sieht man die Habseligkeiten der Bewohner, die nicht mehr zurückgekehrt sind.
  • Die Hauptstadt Santiago mit vielen schönen alten Kolonialgebäuden und einem grünen Hügel, auf dem man eine grandiose Aussicht über die Stadt hat, wenn sie sich nicht in eine Dunstglocke hüllt
  • Der klare Sternenhimmel in der Nähe der Atacamawüste, der der Grund für die zahlreichen Observatorien in dieser Gegend ist.

In Chile hat uns nicht gefallen:
Ganz klar die Preise, die in Chile für vieles schon fast europäisches Niveau erreichen und dieses Land zu einem der teuersten Ziele in Südamerika machen, und die völlig überzogenen aber leider auch inkonsequenten Grenzkontrollen bei der Einreise. Nach Chile darf man keinerlei pflanzliche und tierische Produkte einführen. Das bedeutet: keine Käse-, Wurst-, oder Fleischprodukte, Mehl- oder Getreideerzeugnisse, Milchprodukte, Obst, Gemüse, ja nicht einmal Souvenirs aus Holz oder Wolle (der größte Unsinn von allem). Mehrmals haben wir an der Grenze gezittert, dass man uns Franks schönen hölzernen Matebecher abnimmt, oder die handgestrickten Wollsocken, das steht nämlich auch auf der roten Liste. Das ist glücklicherweise nicht passiert, aber einmal wurde eine Frucht beanstandet, die wir zwei Tage zuvor sogar in Chile selbst noch gekauft und die noch das chilenische Preisetikett trug. An Ort und Stelle verspeisen oder wegwerfen hieß die Alternative.

Unsere Route quer durch Chile:

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