Bolivien – Motorradfahrers Nightmare

14. Juni 2010

Unser Aufenthalt in Bolivien erfolgte ziemlich ungeplant, als uns die Einreise nach Nord-Chile aufgrund eines zugeschneiten Andenpasses vorerst verwehrt blieb, und wir uns spontan entschieden, stattdessen nach Bolivien zu fahren, um nicht zuviel Zeit zu vertrödeln. So reisten wir also am 16. Mai nach Bolivien statt nach Chile und starteten eine knapp zweiwöchige Rundreise vom Süden Boliviens zur Minenstadt Potosi, der Hauptstadt Sucre, anschließend in den unwegsamen Osten auf den Pfaden Che Guevaras bis nach Samaipata, unserem östlichsten Routenpunkt. Von dort aus ging es zurück über Cochabamba und anschließend wieder südwestwärts bis zu den Salzseen Uyuni und Coipasa. Von dort aus verließen wir Bolivien um noch einmal die chilenische Atacama-Wüste zu sehen.

Eigentlich hatten wir vor, später noch einmal nach Bolivien zurückzukehren (nachdem unser Familienbesuch, mit dem wir uns in Südperu getroffen hatten, wieder abgereist war). Unser Plan war, dann den Titicacasee entlang bis in dessen bolivianischen Teil zu fahren. Da wir mit unserem Besuch aber schon so weit die Küste des Titicacasees entlang gefahren waren, hatten wir keine Lust, eine so lange Strecke doppelt zu fahren und haben uns entschlossen auf die Rückkehr nach Bolivien zu verzichten.

Deshalb gibt es unsere Abschlussgedanken zu Bolivien nun etwas verspätet…

Statistik:
13 Tage im Land verbracht, davon 1 Nacht unfreiwillig wild campend am Straßenrand und 12 in Hotels oder Hostales
ca. 2300km auf bolivianischen Straßen gefahren (oder sagen wir besser “Pisten”)

Über das Land:
Als ärmstes Land Südamerikas verfügt Bolivien nur über schlecht ausgebaute Straßen und oft hatten wir mit dem Motorrad mit Sand, Schlamm und Geröll zu kämpfen. Die Reisetage waren oft hart, so dass man die wirklich schöne Landschaft Boliviens nicht recht genießen konnte. Der Süden nahe der argentinischen Grenze ist öd und trocken. Gen Osten wird das Land dann zusehends grüner, auch wenn wir die eigentlichen Dschungelregionen nicht erreicht haben. Dazwischen überquert man immer wieder unglaublich hohe Bergketten und taucht direkt in die Wolkenschicht ein, um im Westen im Altiplano auf einer rund 4000 Meter hohen Ebene mit Salzseen anzukommen.

Über die Menschen:
Die Menschen in Bolivien sind fast ausschließlich Indio-Abkömmlinge und sprechen oft als Muttersprache die alten Indiosprachen Quechua oder Aymara, während Spanisch nur eine Fremdsprache ist. Im krassen Gegensatz zu chilenischen Herzlichkeit sind die Menschen zurückhaltend und kontaktscheu. Viele Bolivianer glauben nicht an Gott sondern an Pachamama, die Erdmutter. Wir beobachteten, wie zum Beispiel von einer Flasche Bier der erste Schluck auf die Erde gegossen wurde, als Opfer an Pachamama.

Kinder bekommen Bolivianer früh. In Potosi haben wir mit einem 20-jährigen Minenarbeiter gesprochen, der bereits zweifacher Vater war – das älteste Kind war 5 Jahre alt. Wir dagegen wurden erstaunt gefragt, warum wir mit 29 noch keine Kinder hätten, absolut unvorstellbar.

Essen und Trinken:
In Bolivien lohnt das Kochen nicht, so preiswert ist gesundes und leckeres Essen zu bekommen. Ein Gericht besteht meist aus einem Stück Fleisch vom Rind oder Lamm oder einem Hühnchenschenkel vom Grill, dazu Reis UND Kartoffeln oder Pommes und dazu ein Salat. Für diese Kombination zahlt man zwischen 1 und 1,50 Euro. Geschmeckt hat es immer, und entgegen den gängigen Empfehlungen haben wir auch immer den stets frischen Salat gegessen, ohne uns den Magen zu verderben (normalerweise hört man zu Bolivien immer, man solle nur gekochtes oder geschältes Gemüse verzehren, inzwischen ist sauberes Trinkwasser aber auch in den Dörfern erhältlich, so dass man diese Empfehlung nicht mehr so streng nehmen muss).

Natürlich kann man in diesem armen Land keine kulinarischen Höhenflüge erwarten, die Gerichte sind fast immer nach oben genanntem einfachen Prinzip aufgebaut. Abwechslung gibt es also nicht viel. Allerdings ist Bolivien ein Land für Suppenkasper – überall gibt es reichhaltige Suppen mit viel Kartoffel und Gemüse, oft auch aus Kürbis oder Quinoa (auch Inkareis genannt).
Fastfood gibt es kaum und auf dem Lande besteht Essen gehen eigentlich darin, dass man einen Gastraum betritt, die Köchin fragt, was es heute auf dem Herd gibt und das genannte Gericht dann entweder isst oder es eben bleiben lässt.

Durchschnittspreise:

  • Übernachtung im Hostal p.P./Tag im DZ – zwischen 35 und 60 Bolivianos (4,50-7 Euro)
  • Tagesmenü im Restaurant aus Suppe und Hauptgericht – ca. 20 Bolivianos (2,30 Euro)
  • 1 Liter Benzin (84 Oktan) – 3,3 Bolivianos (40 Cent), in den Grenzgebieten zu Argentinien und Chile ist der Benzinpreis für ausländische Fahrzeuge doppelt so hoch um Benzintourismus zu unterbinden
  • 0,33 Liter Bier (Laden) – 5 Bolivianos (60 Cent)
  • 0,5 Liter Cola (Laden) – 4 Bolivianos (50 Cent)
  • 5 Brötchen – 2 Bolivianos (24 Cent)

In Bolivien hat uns gefallen:

  • Die riesigen Salare – gleißend weiße Salzflächen von Horizont zu Horizont ohne ein erkennbares Ende
  • Die Landschaft in Ost-Bolivien mit den grünen Vorläufern des Dschungels
  • Die nominelle Hauptstadt Sucre, die ihren Namen “weiße Stadt” zu Recht trägt und zumindest im Stadtzentrum sehr gepflegt ist
  • Die Märkte, die es in jedem kleinen Dorf gab, und auf denen man alles finden kann, von frischen Lebensmitteln über Toilettenpapier, Schuhe, Macheten oder Küchengeräte. Auf jedem dieser Märkte gibt es kleine Kochstände, an denen man lecker, preisgünstig und landestypisch essen kann

In Bolivien hat uns nicht gefallen:
Man hatte uns ja schon vorgewarnt – wenn man in Südamerika nach dem Weg fragen muss, wende man sich am besten an mindestens 5 Personen und bilde aus dem Ergebnis einen statistischen Mittelwert. Bislang konnten wir die Erfahrung nie bestätigen, in Bolivien holte uns nun aber endlich auch die raue Wirklichkeit ein. Uns wurde durchgehend asphaltierte Straße angekündigt, tatsächlich war es eine durchgehende Umleitung über Stock und Stein. Bis zur nächsten Stadt sei es 8 km hieß es, tatsächlich waren es 40! Dann hatten wir uns bei der Salar-Umrundung etwas verirrt, meinten, auf einem fernen Hügel eine Ortschaft auszumachen und fragten einen vorbeiradelnden Jugendlichen, ob das der von uns gesuchte Ort sei. Der bejahte – als wir uns dem Ziel näherten erkannten wir jedoch, dass es sich nur um ein paar Felder gehandelt hatte, von Siedlung keine Spur. Selbst von Polizisten war kaum eine verläßliche Wegauskunft zu erhalten. Am ehesten kommt man mit der Frage nach dem Namen des nächsten Ortes weiter, und hangelt sich auf diese Weise voran, denn oft sind die Menschen noch nie über ihren Nachbarort hinaus gekommen.

Kuriositätensammlung aus der Redaktion:
Das Wegangaben ein heikles Thema sind, haben wir ja bereits oben beschrieben. Wo man jedoch fast immer eine verlässliche Antwort bekommt ist die Frage nach der FahrZEIT zu einem bestimmten Ziel. Man wird niemals als Antwort bekommen “bis zu Stadt xyz sind es 150km” sondern immer nur “mit dem Auto fährst du 3 Stunden bis xyz”. Am Anfang fragten wir immer noch einmal nach, wieviel das in Kilometern sei, worauf wir nur verständnislose Blicke als Antwort bekamen, bis wir uns irgendwann damit abgefunden haben und gelernt haben, dass wir von der genannten Fahrzeit einfach immer ein gutes Drittel abziehen, weil wir mit dem Motorrad auf den schlechten Strecken fast immer noch ein wenig schneller sind als die altersschwachen, überladenen Museumsstücke.

Übrigens, zum Thema Auto sei gesagt, dass ein Auto in Bolivien erst dann als voll besetzt gilt, wenn der verfügbare Stauraum auch nach oben hin ausgeschöpft ist. Als Rekord zählten wir einmal 9 Personen in einem Kleinwagen. Mindestens 2 davon saßen im Kofferraum.

Unsere Route quer durch Bolivien:

Dies waren nun unsere Zusammenfassung von Bolivien – im nächsten Bericht geht es dann bereits über Peru…

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