Besuch aus der Heimat

6. Juni 2010

1. bis 6. Juni 2010, von Tacna an der chilenisch/peruanischen Grenze bis an den Titicacasee, ausnahmsweise mit Mietwagen unterwegs
Für den 3. Juni hat sich Familienbesuch aus Deutschland angekündigt. In Arequipa wollen wir uns mit Franks Mama Ute, seiner Schwester Conny und einer Freundin, Kirsten, treffen. Gemeinsam mit den dreien wollen wir eine Tour zu den interessantesten Orten in Südperu machen: Macchu Picchu (das ist natürlich Pflichtprogramm für einen Peru-Urlaub), der Titicaca-See und den Colca Canyon mit seinen Kondoren. Da wir die drei Mädels natürlich schlecht mit aufs Motorrad schnallen können machen wir während dieser Zeit auch sozusagen Urlaub vom Urlaub und nehmen stattdessen einen Mietwagen. Idefix hat sich schließlich nach inzwischen über 20.000 Reise-Kilometern auch mal eine Verschnaufpause verdient.

Nach unserem Grenzübertritt aus Chile, haben wir nur noch eine gute Tagesetappe bis Arequipa vor uns, die wir auf der linken Hinterbacke abreißen, schließlich treibt uns die Vorfreude an, unsere Lieben nach der langen Zeit wieder zu sehen. Franks Mama hat all die Wochen ganz umsonst gebangt, dass wir es rechtzeitig bis Arequipa schaffen – jetzt kommen wir sogar 2 Tage vor unserem Besuch an und können schonmal die Bettchen für die Jetlag-Opfer richten (sie hat glaube ich schon Alpträume gehabt, alleine und verlassen am Flughafen zu stehen während wir noch in Bolivien Sandpisten pflügen). Gut, es war natürlich schon recht stressig. Die letzten Wochen haben wir andauernd gerechnet, ob wir uns dieses oder jenes Ziel zeitlich noch erlauben können, aber nun hat sich die Planung ausgezahlt.

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Arequipa, Peru: -16.409047, -71.537451
Wir erreichen Arequipa am späten Nachmittag des 1. Juni und begeben uns erst einmal auf Hostalsuche. Diesmal haben wir natürlich den Ehrgeiz ein besonders gemütliches Fleckchen zu finden, schließlich sollen die drei Peru-Neulinge sich wohlfühlen und nicht gleich von der Kulturschock-Axt getroffen werden. Erschwert wird das ganze noch zusätzlich, weil wir auch noch einen vertrauenswürdigen Platz brauchen um unser Motorrad und Teile unseres Gepäcks während der Mietwagen-Rundreise unterzustellen. Nach einigem Suchen ist aber auch diese Hürde geschafft, und wir sichern uns im “La Casa de Sillar” für die Mädels gleich ein großes Zimmer mit Sitzecke und Zugang zur Dachterasse mit Blick über die Stadt. Fein, oder? Unser Zimmer liegt gleich nebenan, so dass wir die obere Etage nur für uns haben. Als wir abends die Erfolgsmeldung nach Hause mailen kommt wenige Minuten später auch schon die freudige Antwort von Franks Mama …um 2 Uhr nachts! Da war wohl jemand ziemlich aufgeregt zuhause…

Den nächsten Tag lassen wir ruhig angehen und bringen erstmal uns und unsere Ausrüstung auf Vordermann. Schließlich will man seinen Gästen ja nicht wie Rübezahl entgegentreten. Deshalb lassen wir uns bei einem Friseur endlich wieder einmal so etwas wie einen Haarschnitt verpassen. Die beiden Mädels schnippeln uns synchron und haben anscheindend zum ersten Mal blonde Haare in den Fingern. Bei Frank steht noch eine Freundin der Friseurin nebendran und murmelt (natürlich auf spanisch): “bei ihm ist’s echt, bei mir nur gefärbt”. Frank grinst und erwidert (ebenfalls auf Spanisch): “Ja, alles Natur!”. Die ganz geschockt: “O gott, ich dachte sie verstehen mich nicht!” und wird ganz rot, die Arme. Die Anhübschungsaktion kostet für uns beide zusammen übrigens weniger als 3 Euro, bei den Preisen macht sogar ein Friseurbesuch Spaß.

Als nächstes wird unsere ganze Ausrüstung ausgepackt und fein säuberlich im Hostalzimmer verteilt. Dann geht es an die schwere Aufgabe, alles in drei Häufchen zu schichten: 1. wird nächste Woche auf der Rundreise benötigt, 2. wird nicht benötigt und im Hostal zwischengeparkt und 3. fliegt endgültig mit (Schwieger)Mutti nach Hause. Besonders letzterer bereitet uns Kopfzerbrechen, wir wollen nämlich endlich wieder ein bisschen Platz in unseren Taschen gewinnen und die warmen Kleidungsstücke loswerden. Dann geht die Grübelei los – was wenn es nachts doch noch mal kalt wird, sollen wir den dicken Pulli behalten oder heimschicken usw. Und dann steht Logistik-Chefin Andrea vor der schweren Aufgabe alles so umzupacken, dass wir während der Mietwagen-Woche nur mit unserer Packtasche reisen können und alles unnütze mit den Motorradkoffern hier in Arequipa bleibt. Blöd nur, wenn alles seinen festen Platz im Gepäck hat und nur genau so und nicht anders hinein passt. Es sieht ungefähr so aus, wie vor dem Beginn unserer Reise, als wir einen unmöglichen Haufen an Ausrüstung auf unserem Wohnzimmer-Fußboden verteilt hatten und uns fragten wie das bloß alles in die Taschen passen soll.

3. Juni – In wenigen Stunden landet der Flieger mit unseren Lieben! Gleich nach dem Frühstück laufen wir zur Autovermietung und holen unseren Mietwagen ab. Wohlweislich hatten wir einen großen 4×4 Jeep bestellt, wir brauchen schließlich Platz für 5 Personen mit Gepäck. Das gelieferte übertrifft noch unsere Erwartungen – wir bekommen den großen Landcruiser von Toyota, nagelneu, noch überall mit Schutzfolie eingepackt und gerade mal 1100 Kilometern auf dem Tacho.

Dann geht es mit dem rollenden Luxusdampfer auf zum Flughafen, unser Besuch steht schon wartend am Ausgang. Wir fallen uns alle in die Arme und freuen uns über das Wiedersehen nach den langen Monaten. Es gibt so viel zu erzählen und natürlich wollen wir auch den neuesten Tratsch aus der Heimat wissen. Während wir plappern geht es zurück durchs Verkehrsgewühl Richtung Hostal. Unsere Wahl scheint allen zu gefallen und nach dem sich die drei ein bisschen in ihrem Zimmer eingerichtet haben (und uns einen Stapel voll Mitbringsel in den Arm gedrückt haben) macht sich langsam der Hunger nach dem 22 Stunden Flug bemerkbar. Auf geht es zum ersten peruanischen Küchen-Check in eine kleine landestypische Kneipe mit kleinen Holztischchen, vielen Einheimischen …und einem Musiker, der wohl ein schönes touristisches Trinkgeld wittert und uns besonders enthusiastisch die Ohren vollplärrt. Das Essen ist sogar für peruanische Verhältnisse preiswert, denn 5 Tagesgerichte und zwei große Bier kosten zusammen weniger als 25 Soles (7 Euro).

Anschließend gehen wir noch auf den Markt. Dort gibt es eine ganze Gasse von Ständen, in denen man frisch gepresste Säfte aus allen möglichen lokalen Früchten trinken kann, z.B. Papaya, Ananas, Banane, Maracuja oder Mango. In Deutschland sind frische Fruchtsäfte kaum mehr bezahlbar, hier kosten zwei große Gläser voll rund einen Euro. Nach dem Vitaminschub haben die drei Mädels aber erst mal genug von dem Tag, der lange Flug und die vielen neuen Eindrücke machen sich bemerkbar. Deshalb laufen wir nun zurück ins Hostal, machen es uns auf der schönen Dachterasse gemütlich und lassen den Abend bei Wein und Bier ausklingen. Morgen geht es bereits los Richtung Titicacasee…

4. Juni – Auf zum Titicacasee
Nach dem Frühstück beladen wir das Auto mit all unserem Gepäck, schließen unsere restliche Ausrüstung im Hostal ein und winken dem Moto zum Abschied noch mal zu. Auf dem Weg Richtung Titicacasee fahren wir hinauf über eine Hochebene auf rund 4500 Metern. Für unsere drei ungeübten Besucher wird die dünne Luft richtig anstrengend, sogar das Zigarettenpäuschen muss man sich zweimal überlegen. Auch ein paar Vicunas und Alpakas schauen vorbei und spielen Fotomodell. Der Titicacasee ist der höchstgelegenste schiffbare See der Erde und man kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass es auf rund 3800 Metern über dem Meeresspiegel noch solch unglaubliche Mengen Wasser gibt. Mit einer Größe von rund 160 x 70 Kilometern ist der Titicaca fünfzehn mal größer als der Bodensee.

Puno, unser heutiges Übernachtungsziel, liegt direkt in einer Bucht des Titicacasees. In dieser Bucht, nur eine kurze Bootsfahrt von Puno entfernt findet man die “Islas los Uros”, auch als “schwimmende Inseln” bekannt. Dabei handelt es sich um bewohnte Schilfinseln, die auf dem Wasser treiben, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Sees. Von unserem Hostal in Puno aus buchen wir für den folgenden Tag eine Fahrt zu den Inseln.

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Puno, Peru: -15.840222, -70.021881
5. Juni – Bei Ute, Conny und Kirsten hat sich in der Nacht die Höhenkrankheit bemerkbar gemacht, die drei konnten einfach keinen Schlaf finden. Wir beide dagegen verschlafen beinahe das Frühstück, weil wir uns bereits an die Höhenlagen gewöhnt haben und uns Schlafhöhen bis 4000 Metern überhaupt nicht mehr stören.

Unsere Tour zu den schwimmenden Inseln beginnt erst am Nachmittag, deshalb gehen wir nach dem Frühstück erst mal auf Stadterkundung. Auf dem zentralen Plaza in Puno werden wir Zeuge einer ziemlich linkischen Militärparade, vielleicht haben die Soldaten aber auch nur geübt, denn die meiste Zeit stehen die Truppen eher planlos herum als zu marschieren. Was hier in Puno auch auffällt sind die vielen Bettler, die einen ansprechen und sich manchmal auch von einem strikten “Nein” nicht abschütteln lassen. So extrem hatten wir das noch nie in Südamerika. Zum Abschluss des Stadtbummels hat niemand mehr Lust, zum Hostal zurück zu laufen, deshalb lassen wir uns von einer der vielen Motorrad-Rikschas kutschieren, die hier herumwuseln. Im Gegensatz zu Arequipa, das mehr Taxis als Einwohner zu besitzen scheint, findet in Puno der öffentliche Verkehr über Rikschas statt – entweder ganz klassisch mit Strampelfahrrad oder hochmodern als Motorrad mit Fahrgastkabine. Den Spaß müssen wir uns einmal gönnen und lassen uns von so einem Gefährt herumchauffieren.

Um 16 Uhr werden wir von einem Minibus an unserem Hostal abgeholt und zum Hafen gebracht, wo das Boot zu den schwimmenden Inseln bereits auf uns wartet. Die Fahrt zu den Islas Uros dauert nicht lange, etwa eine halbe Stunde. Wenn man zum ersten Mal seinen Fuß auf eine der Schilfinseln setzt, fühlt sich das an, als laufe man in einer Hüpfburg. Der dicke Schilfboden federt mit jedem Schritt wir eine Gummimatratze. Diese Inseln sind nicht natürlichen Ursprungs, sondern von Menschenhand geschaffen. Als die Inkas in das Gebiet um den Titicacasee einfielen flüchteten sich die ursprünglichen Einwohner auf Schilfbooten hinaus auf den See. Aus Angst vor einer Rückkehr zum Festland richteten sie sich auf ihren Schilfbooten häuslich ein. Nach und nach entstanden aus den Booten Flöße und schließlich ganze Inseln. Auch wenn das ganze absolut touristisch aufgezogen ist und man gleich nach dem Aussteigen aus dem Boot von Frauen in Tracht begrüßt und zum Souvenirkauf überredet wird ist es interressant, die Schilfinseln mal live zu sehen, zumal immer noch etliche Familien tatsächlich auf den Islas Uros leben (die ihre Einkünfte natürlich fast nur noch aus dem Tourismus beziehen und die Schilfhüttchen inzwischen sogar Fernsehempfang besitzen). Auf einer Nachbarinsel gibt es sogar Restaurants und eine Übernachtungsmöglichkeit. Schade ist nur, dass bald die Dunkelheit einbricht und man während der Rückfahrt nach Puno leider nichts mehr vom See und seinen Inseln sehen kann.

Die Bucht von Puno macht nur einen winzigen Teil des Titicacasees aus, und man kann sich die tatsächliche Größe kaum vorstellen. Deswegen fahren wir, als wir am folgenden Tag aus Puno wieder aufbrechen, zunächst noch einmal ein Stück gen Südosten am Seeufer entlang. Schade allerdings, dass man mit Mietwagen nicht über die Staatsgrenze fahren darf, sonst hätten wir wohl noch einen kurzen Abstecher bis nach Bolivien gemacht (der Titicacasee liegt teilweise auf peruanischem und teilweise auf bolivianischem Territorium). So müssen wir leider kurz vor Copacabana herumdrehen und die Strecke wieder zurückfahren. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, heute abend wollen wir in Cuzco ankommen, das große Highlight Perus, Macchu Picchu, wartet auf uns…

Das, liebe Kinder, ist aber eine neue Geschichte…

Hier geht es zur neuen Peru-Fotogalerie…

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