Auf der Zielgeraden…

17. Dezember 2010

11. bis 17. Dezember 2010, einmal quer durch Belize und in Mexico entlang der Küste über Chetumal und Tulum nach Cancun, Kilometer 31794 bis 32507 unserer Reise
Von den Tikal-Ruinen in Guatemala führt der schnellste und kürzeste Weg nach Mexico durch den kleinen Karibikstaat Belize hindurch. Diesem Umstand verdankt es Belize, dass wir ihm zumindest für eine Nacht einen Besuch abstatten, und somit tatsächlich jedes Land in Mittelamerika bereist haben. Wenn es nicht diese “Abkürzung” gäbe, hätten wir Belize vermutlich ausgespart, um uns einen weiteren (teuren) Grenzübergang zu ersparen. So kostet uns Belize leider 30 US-Dollar, und noch einmal 9 Dollar für das Motorrad (würden wir länger als 24 Stunden im Land bleiben, kämen sogar noch weitere 7,50 Dollar Umweltsteuer hinzu). Ein wirklich teures Land.

Belize hieß früher Britisch-Honduras und ist erst seit 1981 von Großbritannien unabhängig. Sobald wir die Grenze überquert haben, begegnet uns wieder das typische Karibikfeeling in der Bauweise der Häuser und dem Aussehen der zu einem Drittel kreolischen Bevölkerung. Belize ist das einzige mittelamerikanische Land, in dem nicht spanisch sondern englisch Amtssprache ist. Nachdem wir nun seit 11 Monaten im spanischen Sprachraum gereist sind, bereitet uns die plötzliche Umstellung auf Englisch echte Schwierigkeiten. Oft fallen uns zunächst nur die spanischen Floskeln ein. Auch die Ortsnamen sind nicht mehr spanisch oder indigen unaussprechlich, wie “Tegucigalpa”, “Chinandenga” oder “Quetzaltenango” sondern lauten in Belize “Orange Walk”, “Roaring Creek” oder “Burell Boom”. Auffällig ist auch der Anteil chinesischer Einwanderer in der Bevölkerung, die anscheinend das Monopol auf Supermärkte zu besitzen scheinen – zumindest sind alle Supermärkte, die wir besuchen, oder am Straßenrand erblicken asiatisch besetzt. Schlimm genug für uns Englisch-Entwöhnten, denn dank dem üblen chinesischen Akzent verstehen wir die genuschelten Preisauskünfte erst recht nicht.

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San Ignacio, Belize 17.152279, -89.080023
Aber halb so wild, wir sind ja nur auf der Durchreise (auch wenn wir uns gewünscht hätten, ein wenig mehr Zeit für dieses Land übrig zu haben), und suchen uns in der ersten größeren Stadt nach der Grenze, San Ignacio, ein Übernachtungsquartier. Wie sollte es anders sein – bei einem Briten. Am nächsten Tag fliegen wir förmlich über die gut ausgebaute Straße und sind schneller als gedacht am anderen Ende Belizes angekommen, kurz vor der mexicanischen Grenze. Als wir dort einen kurzen Snack-Stop bei einer Taco-Verkäuferin am Straßenrand einlegen sind wir regelrecht froh als wir merken, dass dort – im Norden Belizes – auch wieder spanisch gesprochen wird und wir wieder in den gewohnten “Trott” zurückfallen können.

Am Grenzübergang nach Mexico befindet sich zwischen den beiden Grenzstationen ein riesiger Duty-Free-Bereich in der Größe einer Kleinstadt. Wir lassen es uns nicht nehmen, dort mal hineinzuschnuppern und unsere letzten Belize-Dollar für ein Fläschchen Rum auszugeben. Viele Mexicaner kommen nur zum Shoppen hierher. Entsprechend überfüllt ist der Grenzposten anschließend auf mexicanischer Seite. Die Leute werden mit ihren vollen Einkaufstaschen mittels Ampelsystem durch den Zoll gelotst, wer die rote Ampel erwischt, muss die Taschen öffnen. Leider wird uns nun zum Verhängnis, dass heute ein Sonntag ist. Unsere eigene Einreise können wir problemlos und schnell erledigen, der Schalter für die Fahrzeugeinfuhr hat dagegen bereits geschlossen, obwohl es erst kurz nach 15 Uhr ist. Nun stehen wir erst einmal ratlos herum. Natürlich weiß keiner den wir um Rat fragen, was zu tun ist, ein dämlicher Grenzbeamter schlägt uns sogar vor, hier auf dem Parkplatz zu übernachten. Den Vorschlag schlagen wir in den Wind und fahren in die 15km entfernte Stadt Chetumal, um am nächsten Morgen noch einmal wiederzukommen und Idefix dann legal einzuführen.

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Chetumal, Mexico 18.500189, -88.296146
Wir waren ja schon ein wenig vorgewarnt, dennoch ist Chetumal wie ein Kulturschock. Breite moderne Boulevards mit Schaufenstergeschäften, Luxushotels – alles weitläufig und großzügig gebaut, dazu eine Küstenstraße mit Regierungsgebäuden (Chetumal ist die Hauptstadt der gesamten Provinz Quintana Roo, zu der auch Cancun gehört), an denen sich ein Architekt ausgetobt hat. Man fühlt sich eher wie in Marbella, denn wie in Lateinamerika. Dazu blinkt wieder schaurig bunt-kitschige Weihnachtsdekoration an den Geschäften.

13. Dezember – Morgens düsen wir zurück zur Grenze und holen die Einfuhrerlaubnis für Idefix nach. Die Gebühr dafür, etwa 27 Euro, wird direkt von der Kreditkarte abgebucht. Geschickt eingefädelt von den Mexicanern, denn wenn man das Fahrzeug nicht innerhalb des erlaubten Zeitraumes wieder ausführt, wird eben diese Kreditkarte mit einer Importsteuer abhängig vom Fahrzeugwert belastet. Nun kriegt das Moto noch seinen Sticker ans Windschild geklebt (ähnlich einer Autobahnvignette), und wir düsen wieder von dannen, zu den Straßenständen, die wir nicht weit von der Grenzstation erblickt haben. Der Magen fordert sein Frühstück ein.

Wir haben kaum bestellt, da stehen plötzlich zwei der Grenzbeamten von vorhin an unserem Tisch, die uns offenbar gefolgt sind. Die beiden konnten nicht wissen, dass wir unsere eigene Einreise ja bereits gestern erledigt hatten und dachten wir wären ohne Stempel im Pass davongerauscht. Als wir ihnen unsere Pässe zeigen, sind die beiden zufrieden, muss ja alles seine Ordnung haben. Gut, dass wir zum Frühstücken angehalten haben, sonst wären die zwei uns vielleicht bis Tulum gefolgt.

An Tacos zum Frühstück könnten wir uns gewöhnen. Die kleinen Portionen bestehen aus Maistortillafladen, belegt mit etwas Fleisch oder Hühnchen, viel frischem Salat, Zwiebeln, Avocado und dazu gibt es mehr oder weniger höllisch scharfe Chilidips. Als Andrea noch einen Frucht-Milchshake dazuordert bekommt sie gleich einen ganzen Eimer voll serviert. Lecker und günstig, sogar in diesem touristischen Teil Mexicos.

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Tulum, Mexico 20.211419, -87.465350
Tulum
Unser letzter Zwischenstopp, bevor wir das Ende unserer Reise, Cancun, erreichen. Tulum liegt direkt am Meer, hat ein paar kleine Maya-Ruinen und vor allem viel puderweißen Sandstrand vorzuweisen. Die luxuriösen Hotelanlagen sammeln sich außerhalb des Ortes, so dass Tulum selbst zwar auch vor Souvenirgeschäften und überteuerten Restaurants strotzt, und so in dieser Form an jede beliebige Mittelmeerküste verpflanzt werden könnte, ohne besonders aufzufallen, aber wenigstens noch über eine Auswahl an bezahlbaren Traveller-Unterkünften verfügt. Tulum ist mit Chetumal nicht zu vergleichen, und hat noch mehr dörflichen Charme als die Provinzhauptstadt.

Durch Zufall und dank eines Hinweisschildes an der Straße finden wir das etwas abgelegene “Casa del Sol”, das alles bietet, was wir brauchen. Zwar schlicht, aber gemütlich mit einem sicheren Stellplatz für Idefix direkt vor der Freiluft-Küche, Internetzugang und Frühstück (Tacos natürlich). Frank ist ganz begeistert, dass er zum ersten Mal seit El Salvador wieder eine gut ausgestattete Küche zur Verfügung hat und startet einen Großeinkauf im Supermarkt. Heute abend (und auch am folgenden Tag) gibts einen fetten Klumpen Rindfleisch auf dem Teller. Frank muss ausnutzen, dass hier Rindfleisch noch bezahlbar ist (5-6 Euro für das Kilo), bevor es bald wieder zurück ins teure Deutschland geht.

Wir bleiben vier Nächte in Tulum, Frank erledigt die letzten Arbeiten am Motorrad: das Kühlmittel muss noch einmal ausgetauscht werden gegen ein frostsicheres für die Ankunft in Deutschland und eine gründliche Wäsche steht auch noch an – Vorschrift der Fluglinie. Wir waschen ein allerletztes Mal Wäsche und sortieren schon mal verschlissene Sachen aus, die nicht mehr mit nach Hause genommen werden.

Dazwischen besichtigen wir die Tulum-Ruinen, die zwar weder so groß, noch so beeindruckend wie die Maya-Stätten von Copàn oder Tikal sind, aber dafür direkt am Meer gelegen sind. Ein Teil der Bauwerke überragt auf Klippen das Wasser, die anderen drei Seiten des Geländes sind durch dicke Mauern geschützt. Zu Füßen des “Wachturmes” gibt es zwei weiße Sandstrände mit Palmen, die wie aus einem Reisekatalog ausgeschnitten wirken. Im Meer baden dürfte man hier zwar auch, aber dafür ist uns heute entschieden zu kalt. Als wollte uns das Wetter schon mal ein wenig aufs eisige Deutschland einstimmen, haben wir seit 2 Tagen offenbar eine Kaltfront, denn der Hostalchef verteilt Extra-Decken für die Zimmer und man braucht abends einen Pullover um draußen zu sitzen. Unser Bräune wird schon abbröckeln bevor wir überhaupt Deutschland erreichen.

Die Faulenzertage genießen wir richtig, denn mit Grauen denken wir bereits daran, das uns bald die anstrengende Abwicklung des Motorradtransportes bevorsteht. Wir stehen bereits seit einiger Zeit in E-Mail-Kontakt mir einer lokalen Spedition in Cancun, an die wir von unserer deutschen Gesellschaft verwiesen wurden, um die Zollpapiere abzuwickeln. Was der Mann uns über das Procedere schreibt, klingt wie ein wahrer Behördenalptraum: Zuerst zur Spedition, Zollpapiere ausfüllen; dann mit dem Motorrad zum Fluhafenzoll – Motorrad abgeben; danach ohne Motorrad zu einer ca. 25 Meilen entfernten Zahlstelle – Ausfuhrgebühr bezahlen; wieder zurück zum Zoll – Sicherheitsabnahme des Motorrades; und schlußendlich das Verpacken und Verladen.

Letztlich werden wir aber erst in Cancun feststellen, ob dieser Auskunft so stimmt und welche neuen Mätzchen uns dort erwarten. Vier Tage vor unserem Abflug, am 17. Dezember, beladen wir ein letztes Mal unseren Idefix – die letzte Etappe dieser Reise beginnt! Über 32.000 Kilometer haben wir inzwischen gemeinsam gemeistert.

Ob unser Motorrad es tatsächlich bis in der Flieger schafft und über unsere letzten Tage in Cancun berichten wir im nächsten Artikel…

Und hier ist noch eine kleine aber feine Auswahl unserer bisherigen Mexico-Fotos…

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    Cancun, Mexiko: 21.161908, -86.851528

    Cancun
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