Auf den Spuren Che Guevaras

23. Mai 2010

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La Higuera, Bolivien: -18.794765, -64.201434
20. bis 23. Mai 2010, zwischen Sucre und Vallegrande, Km 17692 bis 18097 unserer Reise
Unsere nächste Etappe führt uns von Sucre aus nach La Higuera, einem winzigen Bergdorf im Osten Boliviens, in dem 1967 Che Guevara im Zuge seines Revolutionskampfes gegen die damalige bolivianische Regierung von der Armee gefangen genommen und hingerichtet wurde.

Frank hatte die Strecke vorher extra von einem Routenplaner berechnen lassen – voraussichtlich 220 Kilometer, selbst auf nicht asphaltierten Straßen eine bequeme Tagesetappe. Auf unserem Weg nach Osten wird die Landschaft immer grüner und dicht bewaldet, klar, wir nähern uns den Dschungelgebieten Boliviens.

Wir hätten uns allerdings mal besser eine detailliertere Straßenkarte besorgen sollen, denn unser Routenplaner hat offenbar eine andere Strecke berechnet, als wir laut unserer Karte gefahren sind. Bestimmt gab es irgendwo eine Abkürzung, die wir schlichtweg übersehen haben, denn Straßenschilder sind in Bolivien Mangelware. Oft steht man mitten im Nirgendwo vor einer Straßenkreuzung, die weder in der Karte eingetragen noch beschildert ist, und natürlich gibt es auch weit und breit niemanden, den man fragen könnte, außer vielleicht einem Stinktier, das zufällig des Weges kommt.

Als wir ein kleines Dörfchen durchqueren, vermuten wir, dass wir noch ca. 25km bis La Higuera zu fahren haben. Als wir dort nachfragen, erfahren wir aber, dass es noch mindestens 80 Kilometer sind. Jetzt haben wir ein Problem, denn es dämmert bereits, und die Straße windet sich eng und kurvenreich in ein Tal hinunter und ist in so schlechtem Zustand, dass wir sie nicht im Dunkeln fahren wollen. In dem kleinen Bauerndorf gibt es natürlich auch keine Unterkunft für uns. Wir fahren weiter und suchen währenddessen links und rechts neben der Straße eine Platz, an dem wir geschützt vor neugierigen Blicken, Steinschlägen und Erdrutschen unser Zelt aufbauen können – eine Notlösung. Kurz bevor es völlig finster ist, finden wir tatsächlich ein Plätzchen. Schnell bauen wir das nötigste für unser Lager auf und kriechen in die Schlafsäcke (nicht ohne unsere Schuhe als Schutz vor Schlangen unter die Zeltdecke aufzuhängen – man weiß ja nie, was hier im Dickicht so herumkriecht).

Die Nacht war überraschend störungsfrei, keine Schlangen oder Stinktiere, die sich zu uns kuscheln wollten, kein Bauer der morgens vor dem Zelt steht und fragt, was wir hier eigentlich auf seiner Ziegenweide machen… Wir bauen schnell unser Lager wieder ab und machen uns auf den Weg, ganz untypisch für uns bereits um 9.30 Uhr. So früh waren wir noch nie unterwegs, und freuen uns schon auf ein gemütliches Frühstück in La Higuera.

Zwischen uns und dem ersehnten Frühstück steht jedoch noch eine Flußdurchfahrt über schöne große rutschige Steine und eine Matschsuhle, in der Frank prompt mit dem Motorrad ausrutscht und sich in den Schlamm legt. Bis wir das Motorrad aus der glitschigen Pampe gezogen haben sehen wir alle drei aus wie kleine braune Schweinchen.

Als ob das noch nicht genug wäre kommen wir kurz darauf an eine Baustelle. Die Maschinen haben unsere Straße unter einer Lawine von Felsabbrüchen zugeschüttet und an ein Durchkommen ist nicht zu denken. Umkehren ist auch nicht, diesen Höllenweg fahren wir nicht mehr zurück um einen Umweg zu suchen, den wir vermutlich sowieso nicht finden. Es ist gerade mal 11 Uhr. Zuerst wird uns die Freigabe der Straße für 12 Uhr angekündigt, dann für 14 Uhr. Wir sitzen unter sengender Sonne, kein Schatten weit und breit, während die Maschinen um uns herum weiter tonnenweise Gestein den Abhang herunterschieben, und fragen uns, ob wir nicht besser gleich schon mal unser Zelt aufschlagen sollen. Um 15 Uhr ist die Straße dann endlich wieder frei und wir haben seit Monaten unseren ersten Sonnenbrand. Der weitere Weg ist schlecht, Frank braucht alle Kraft um das Motorrad über Stock und Stein zu kämpfen. Nach über 330 Kilometern (110 Kilometer und ein Tag später als geplant) erreichen wir dann endlich La Higuera.

La Higuera ist ein winziges Bergdorf mit 10 Hütten und 42 Einwohnern. Allerdings haben gleich zwei französische Familien sich in dieser Einöde niedergelassen. Eine betreibt das Hostal in dem wir Unterkunft finden und die andere eine Bar. Wir erfahren, dass La Higuera erst seit einem halben Jahr überhaupt Elektriziät hat, kein Telefon, keinen Fernsehanschluß und die einzige Verbindung in die Nachbarorte mindestens 2 Monate im Jahr wegen Regenfällen durchgängig gesperrt ist. Die Todesstätte von Che Guevara lockt aber immerhin genügend Touristen an, um den Betrieb eines Hostals und einer Bar rentabel zu machen. Che wurde damals nach seiner Gefangennahme mit zwei seiner Gefährten mangels anderer Räumlichkeiten in einem Schulhaus festgehalten und dort auch hingerichtet. Dieses Schulhaus ist heute ein ziemlich informatives Museum, und natürlich wissen auch die Zeitzeugen aus La Higuera von damals noch ziemlich viel zu berichten. Auch die alte Frau, in deren schäbiger Gaststube wir zähes altes Huhn mit Reis essen, war eine von denen, die damals den Leichnam nach der Erschießung gesehen haben.

Von La Higuera aus, wurde der tote Che dann per Hubschrauber in den nächsten größeren Nachbarort – Vallegrande – gebracht, wo er nach der Zurschaustellung auch beerdigt wurde. Lange Zeit war nicht bekannt, wo die sterblichen Überreste von Che und seinen ca. 42 Companeros beigesetzt waren, bis man Ende der 90er Jahre in der Nähe des Flugplatzes von Vallegrande einige Gräber fand, die nach und nach identifiziert werden konnten. Heute steht an dieser Stelle ein Mausoleum. Die Knochen Che’s selbst wurden jedoch nach Kuba überführt, während die seiner Gefolgsleute ihren jeweiligen Familien übergeben wurden. Auch das Grab der einzigen Frau unter seinen Guerillas, der Deutsch-Argentinierin Tamara Bunke, wurde in Vallegrande entdeckt.

Vallegrande liegt für uns nur zwei Fahrstunden entfernt, und wir kommen am Samstag, den 22. Mai schon früh dort an – eine willkommene Erholung nach der anstrengenden Tour des vorigen Tages. Spontan beschließen wir deshalb, uns nicht nur auf der Durchreise das Che-Mausoleum anzusehen, sondern uns hier eine gemütliche Unterkunft und für Frank eine Kneipe mit Fernseher zu suchen, denn das Endspiel der Champions-League wird auch hier in Südamerika übertragen. Wir haben Glück mit beidem und gönnen uns ein leckeres Mittagessen während Frank das Fußballspiel sieht, bevor wir dann mit unserem Sightseeing-Programm beginnen. Unser abendlicher Bummel über den Markt fällt jedoch kurz aus, denn uns ist das bolivianische Bargeld ausgegangen, und Geldautomaten oder Wechselstube gibt es in dieser 6000 Einwohner-Stadt nicht. Verhungern müssen wir trotzdem nicht, den ein Teller Suppeneintopf mit Hühnchen und Kartoffeln kostet auf dem Markt nur 5 Bolivianos (60 Cent).

Am nächsten Morgen schauen wir uns noch das kleine Museum von Vallegrande an (Hauptthema: Che’s gescheiterte Revolution – natürlich), dann geht es für uns noch ein Stück weiter nach Osten nach Samaipata, wo eine (weitere) Inka-Ruinenfestung Besucher anlockt…

Weitere Fotos zu diesem Bericht gibt es hier…

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