Ushuaia – am Ende der Welt

18. März 2010

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Ushuaia, Argentinien: -54.801912, -68.302951
8425km, Feuerland (Tierra del Fuego) – eines der großen Etappenziele unserer Reise!
Nachdem wir die Magellanstraße mit der Fähre überquert haben, empfängt uns Feuerland mit einer schönen abwechslungsreichen Landschaft, in der wir endlich nach endloser Steppe Südargentiniens auch einmal wieder Berge und Wälder sehen. Feuerland selbst ist eine große Insel, die durch die Magellanstraße vom Festland getrennt ist. Chile und Argentinien teilen sich die Insel, man muss den chilenischen Teil Feuerlands zunächst durchqueren, um später wieder in Argentiniens Staatsgebiet einzureisen.

Das Wetter empfängt uns jedoch weniger nett, und die zwei Tagesetappen, die uns von Ushuaia noch trennen, enden jedesmal in einem Dauer-Nieselregen, der uns nachmittags völlig durchweicht und blaugefroren in der jeweiligen Unterkunft ankommen lässt.

Trotzdem haben wir sogar noch eine lustiges Erlebnis auf unserem letzten Streckenabschnitt nach Ushuaia: bereits kurz nach dem Start erwartet uns eine Polizeikontrolle. Während unsere Papiere geprüft wurden, murmelte Frank vor sich hin, dass er jetzt eigentlich noch einen Kaffee gebrauchen könnte. Wir wagen jetzt mal zu bezweifeln, dass irgendeiner der Cops heimlich deutsch verstand, aber in diesem Moment fragte uns einer der Kontrolleure, ob wir nicht einen Kaffee möchten. Polizisten die einem Kaffee anbieten? Verwirrt bejahten wir und befürchteten insgeheim, dass man uns den Kaffee nur anbot um uns die Wartezeit zu überbrücken weil etwas mit unseren Papieren nicht stimmt. Für die Dokumente interessierte sich jedoch niemand mehr, wir saßen mitten im Niemandsland in einem Polizeiposten, schlürften Kaffee und als wir dann wieder weiterfuhren, winkten uns die Kaffee-Cops freundlich nach. (PS an Rolle: vielleicht solltet ihr das auch mal in den Dienstplan aufnehmen?!?)

Gestärkt vom uniformierten Kaffee geht es weiter. Den Aufwärmstopp konnten wir gebrauchen, denn bald warten die nächsten Regenwolken auf uns und auf einem Bergpass liegt sogar schon etwas Schnee neben der Strecke *fröstel*. Aber dann ist es geschafft, vor uns liegt der Beagle-Kanal und die Bucht von Ushuaia. Seit unserer Rückkehr aus Uruguay sind wir nun fünf Wochen lang der großen Ruta 3 nach Süden gefolgt, um mit Ushuaia den südlichsten Punkt unserer Route zu erreichen. Dort sind wir nur noch weniger als 1000km Luftlinie von der Antarktis entfernt.

Eigentlich trägt Ushuaia seinen Ruf als südlichste Stadt der Welt sogar zu Unrecht, denn im chilenischen Teil Feuerlands gibt es noch einen (allerdings wesentlich kleineren) Ort namens Puerto Williams, der sogar noch ein kleines Stück südlicher gelegen ist. Soweit die Theorie – praktisch kann man Puerto Williams jedoch kaum erreichen, denn es liegt auf einer Feuerland vorgelagerten Insel, und ist nur per Schiff erreichbar. Aufgrund politischer Spinnereien und merkwürdiger gegenseitiger Besteuerung ist die Überfahrt jedoch so teuer (100 US-Dollar pro Person, One-Way), dass wir uns das wörtlich genommen “gespart” haben, und uns mit Ushuaia als der südlichsten mit eigenem Fahrzeug erreichbaren Stadt begnügen.

Die Region um Ushuaia bietet viel Sehenswertes, deshalb bleiben wir gleich für fünf Nächte dort. Unser erster größerer Ausflug führt uns ins zu einem Gletscher direkt oberhalb der Stadt, den man über einen Sessellift mit anschließendem Aufstieg erreichen kann. Bei unserer Anfahrt zur Talstation des Liftes gerieten wir gleich wieder in Polizeisperren. Diesmal gab es jedoch keinen Kaffee, schade… Stattdessen erfuhren wir, dass die argentinische Präsidentin erwartet wurde. Nach der kurzen Info ließ man uns aber problemlos passieren, das wäre in Deutschland vermutlich nicht so locker gehandhabt worden. Die Präsidentin haben wir leider trotzdem nicht zu Gesicht bekommen. Den Gletscher übrigens auch nicht, der versteckte sich nämlich gerade unter einer Schneedecke. Die ganze Kraxelei über vermatschte Schneepfade war also – von der hübschen Aussicht einmal abgesehen – vergeblich.

Am nächsten Tag nehmen wir uns das für uns wichtigste Ziel in Angriff. Mit dem Motorrad folgen wir der Ruta 3 über die letzten 25km durch den Nationalpark “Tierra del Fuego” bis an deren endgültigen Endpunkt an der Lapataia-Bucht. Damit sind wir diese Straße über deren volle Länge von über 3000km von Anfang bis Ende gefahren. Ab sofort geht es für uns nur noch nordwärts.

Der Nationalpark selbst ist auch einen Besuch wert. Wenn man ihn nicht wie wir mit dem eigenen Fahrzeug erreichen will, kann man ihn auch über eine Dampfeisenbahn erreichen. Die Eisenbahn nutzt ein altes Schienennetz, das früher zum Transport von Sträflingen genutzt wurde. Dieser abgelegenste Teil Argentiniens wurde nämlich – ähnlich wie Australien – zunächst als Sträflingskolonie besiedelt. Mit dem Zug fährt man den Weg nach, den die Gefangenen einst zum Holzhacken transportiert wurden. Die Fahrt führt vorbei an Hängen mit Baumstümpfen, die vor über 100 Jahren gefällt wurden. Heutzutage fällen hier allerdings nur noch Biber Bäume. Deren Dämme und Nagespuren kann man im Nationalpark überall finden – die Verursacher jedoch weniger, die haben sich leider genau wie der Gletscher vor uns versteckt.

Nachdem wir nun genug auf den touristischen Pfaden gewandelt sind wird es Zeit, sich von Ushuaia und Feuerland zu verabschieden. Zum Schluss haben wir uns vorübergehend selbst noch wie eine Touristenattraktion gefühlt. Auf dem Rückweg von Ushuaia stoppten wir mit dem voll beladenen Motorrad kurz noch für ein Foto an einem Aussichtspunkt, als wir plötzlich von neugierigen Menschen umringt waren, die ein paar Reise-Tourbusse ausgespuckt hatten. Die Leute scharen sich um uns, fragen nach dem Woher und Wohin, um uns herum klicken die Kameras und immer wieder möchte jemand ein Foto von sich neben uns und unserem Motorrad. Wir fühlen uns wie zwei Zirkus-Äffchen. Jetzt aber schnell weg… Chile wartet auf uns!

Zuerst gibt es aber natürlich noch unsere schönsten Fotos von Ushuaia und Feuerland…

2 Kommentare zu „Ushuaia – am Ende der Welt“

  1. Björn schrieb am

    Hallo Touries!

    Ich hab schon ein richtig schlechtes Gewissen, dass wir uns noch gar nicht persönlich gemeldet haben, obwohl ihr schon sooo lange unterwegs seid und bestimmt schon mehr erlebt habt als wir in den letzten 10 Jahren.

    Gleich mal ein dickes Lob vorweg: die Website ist echt top! Und eure Fotos auch. Ich glaube, allzu häufig sollte ich auf der Seite nicht verweilen, denn sonst gibt es nur Depries im grauen Laboralltag. 😛

    Denn so viele schöne Farben begegnen einen hier selten; obwohl die Chemie farblich doch so einiges in petto hat.

    Aber die Geschichten sind auf jeden Fall lesenswert und wir freuen uns mit euch über eure ereignisreiche Zeit. Bis ihr zurück seid, habt ihr sicherlich eure auch so schon beachtlichen Grillkünste perfektioniert und dann erwarten wir min. eine Einladung von euch 😉

    Wir wünschen euch gute Reifen und melden uns bald wieder,
    viele Grüße, Marina+Björn

  2. Frank y Andrea schrieb am

    Wenn wir dann wieder zurück sind heißt das dann bei uns nicht mehr “Grillabend” sondern “Asado”, und dazu seid ihr natürlich eingeladen 😉

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