Ärger auf dem Weg zur Geisterstadt

13. April 2010

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Coyhaique, Chile: -45.569740, -72.065773
Chaiten, Chile: -42.916700, -72.716700
9.-13. April 2010, von Coyhaique nach Chaiten (Chile)
Nachdem wir dem Lago General Carrera den Rücken gekehrt haben, verbringen wir zwei Tage in Coyhaique, der einzigen größeren Stadt in dieser Region (wir reden hier von ca. 44.000 Einwohnern). Coyhaique hat keine besonderen Sehenswürdigkeiten zu bieten, aber wir wollen ein paar Einkäufe machen, unsere Webseite in Ruhe aktualisieren und unsere Fährtickets zur Insel Chiloé buchen. Chiloé ist eine hübsche etwa 200km lange Insel, die nicht weit vor der Küste gelegen ist. Von Norden kommend ist die Insel das ganze Jahr über einfach zu erreichen, aus der Südrichtung gibt es jetzt in den Wintermonaten jedoch nur einmal pro Woche eine Fährverbindung.

Mit den Fährtickets haben wir leider kein Glück: Das Büro der Fährgesellschaft hat Samstags offenbar geschlossen. Wir waren viermal zu verschiedenen Uhrzeiten dort, und standen jedesmal vor verschlossener Tür. Das kommt uns ziemlich ungelegen, denn man muss die Passage vorbuchen und kann nicht auf der Fähre selbst bezahlen. Die Webseite der Gesellschaft ist auch schon seit einigen Tagen nicht erreichbar, da kommen wir auch nicht weiter – der Kahn wird doch hoffentlich nicht in den Fluten des Pazifiks versunken sein? Zwischen hier und dem Abfahrtshafen Chaiten liegen noch zwei kleinere Orte und ca. 450km, vielleicht kommen wir dort weiter.

PS: Ratet mal, wen wir hier vor dem Supermarkt getroffen haben… Kleiner Tipp – es ist dunkelgrün, schlammverschmiert und mit Gepäck beladen! Nein, kein Frosch auf Weltreise – sondern der Landrover von Alexandra und Steffen, von denen wir uns zuletzt in El Chalten verabschiedet haben. Jetzt müssen wir aber auch mal einen Link zu deren Reisewebseite setzen, hier bitteschön…

Klein-Sudetenland
11. April –
Unser nächstes Ziel liegt etwa 200km von Coyhaique entfernt: Puyuhuapi wurde 1935 von vier Sudetendeutschen gegründet. Der letzte dieser “Stammesväter” verstarb erst in den 90er Jahren. Einige der Häuschen können ihre deutsche Herkunft definitiv nicht verleugnen, genau wie die Namen “Café Rossbach”, “Casa Ludwig” oder die “Otto Uebel” Straße.

Die Straße, die uns von Coyhaique nach Puyuhuapi führt, verläuft durch nebelverhangene Berge und dicht wuchernden Wald mit mannshohen Farnen. Zum ersten Mal seit Feuerland geraten wir mit dem Motorrad wieder in Regen, die Straße ist nass und mit vielen Schlaglöchern übersäht. Auf einem der wenigen geraden Straßenabschnitte springt uns ohne Vorwarnung plötzlich die Kette ab und blockiert das Hinterrad. Das Motorrad schlittert seitlich weg und es kommt zum unvermeidlichen Sturz. Da liegt unser armer Idefix nun auf einem Koffer und streckt die Räder in die Luft. Uns beiden ist – von geprellten Schultern und blauen Flecken auf der Hüfte abgesehen – nichts passiert. Der rechte Alukoffer und die Thermosflasche in der Seitentasche haben das meiste abgefangen – beide sind nun reichlich zerbeult.

Die Kette allerdings hat sich völlig verhakt, und das Hinterrad lässt sich keinen Millimeter drehen. Nachdem wir das Motorrad mit vereinten Kräften wieder aufgerichtet haben, muss Frank mitten auf der Straße das Hinterrad ausbauen um die Kette frei zu bekommen. Durch die Krafteinwirkung hat es die Kettenglieder verbogen und das Ritzel hat tiefe Schmarren. Frank biegt die Kettenglieder wieder gerade, so gut es eben geht, damit wir weiterfahren können. Mit 30km/h schleichen wir die restlichen zwanzig Kilometer bis Puyuhuapi und überlegen derweil schon, in welcher Stadt wir hier wohl am besten einen neuen Kettensatz organisieren können.

Puyuhuapi scheidet dafür definitiv aus, denn dort hat es nicht mal einen nennenswerten Supermarkt oder eine Kneipe, in der man etwas Essen in den geschundenen Körper füllen könnte. Da auch das erhoffte Fährbüro durch Abwesenheit glänzt, geht es am nächsten Morgen sofort weiter nach Norden, denn am 13. April geht bereits die einzige Fähre dieser Woche.

Der nächste Ort ist La Junta und, oh Wunder, hier können wir nach der obligatorischen Mittagspause sämtlicher Geschäfte, tatsächlich noch unsere Fährtickets buchen. Der einzige Haken: es ist bereits der 12. April, 17 Uhr und die Fähre legt 150km weiter nördlich am nächsten Morgen um 10 Uhr ab. Das heißt, flott aufs Motorrad und weiter nach Chaiten, dem Abfahrtsort.

Am Fuße des Vulkans

Über die ganze Region rund um Chaiten haben wir nur sehr spärliche Informationen bekommen können. Der Ort Chaiten liegt unterhalb des gleichnamigen Vulkans und wurde nach einem überraschenden Ausbruch des Vulkans 2008 und kleinerer Eruptionen 2009 evakuiert. Nur einige hartnäckige Einwohner haben sich geweigert, den Ort zu verlassen, der ansonsten verwaist ist. Der Fährhafen ist weiterhin in Betrieb, jedoch gibt unser Reiseführer keine Hinweise zu Übernachtungsmöglichkeiten. Wir starten also eine Fahrt ins Ungewisse, und witzeln noch darüber, ob wir zur Not im Fähr-Wartehäuschen schlafen müssen.

Die Witze vergehen uns jedoch bald, als uns auf den ersten 30km auf dem Weg nach Chaiten zweimal wieder die Kette abspringt, die zwischen Puyuhuapi und La Junta keine Zicken gemacht hatte. Diesmal geht es ohne Sturz, da die Kette uns den Gefallen tut, wenigstens nicht das Hinterrad zu blockieren. Trotzdem kostet die Fummelei, die Kette wieder aufzuziehen richtig viel Zeit. Wir haben noch gute 120km vor uns, in ein bis zwei Stunden wird es dunkel und wir trauen uns nur noch ganz langsam zu fahren, aus Sorge vor dem nächsten Kettenstreik. Mittlerweile wissen wir nicht, ob wir es überhaupt bis Chaiten schaffen, oder ob unsere Fähre am nächsten Morgen ohne uns ablegen muss.

Wir haben jedoch Glück im Unglück und erreichen abends um halb zehn völlig durchgefroren und müde Chaiten. Unterkunft finden wir in einem Gästehaus, das wir für uns alleine haben. Durch den Vulkanausbruch gibt es jedoch Elektriziät nur noch stundenweise über Generatoren und so sitzen wir im Dunkeln vor dem Kamin und löffeln heiße Suppe um uns wieder aufzuwärmen.

13. April – Am nächsten Morgen sehen wir die Geisterstadt nun auch bei Tageslicht. In einigen Teilen des Ortes liegt die Ascheschicht so hoch, dass die verlassenen Häuser nur noch zur Hälfte aus der grauen Decke ragen. Durch zerbrochene Fensterscheiben sieht man Möbel und Bücher in der Asche liegen. Der Fluß hat sich ein neues Bett gesucht und führt mitten durch das Städtchen. Die verbleibenden Bewohner haben begonnen, Straßen und Häuser Stück für Stück wieder aus der Asche zu befreien und so sieht man in manchen Teilen Chaitens nur noch einige zusammengeschaufelte Ascheberge, während es nur eine Straße weiter noch aussieht als spaziere man durch ein chilenisches Pompeji. Im Hintergund raucht der Vulkan Chaiten wie ein Fabrikschlot in den Himmel. Es heißt, der Verschluss im Vulkan habe sich wieder gelöst und es könnte bald erneut zu einem Ausbruch kommen…

Wir sind dann besser mal weg… (also auf der Fähre nach Chiloé)

…aber für ein paar weitere Fotos von der Geisterstadt ist natürlich noch Zeit!

2 Kommentare zu „Ärger auf dem Weg zur Geisterstadt“

  1. Cesar Andres Bòrquez schrieb am

    ho! la cadena y los demas repuestos valio la pena, por espera unos dias ! que esten bien algun dia nos veremos de nuevo! buen biaje por sud america

  2. Tobias schrieb am

    Hallo Ihr Zwei,
    bei mir geht es nun nach hause viel spass und teu teu teu mit euere kette.
    und nicht vergessen immer etwas schotter unter den rädern 🙂

    Grüsse
    Tobias

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